Walk the Line

Rating: 2

Walk the LineNur Bares ist Wahres…

Zu Johnny Cash will mir irgendwie so gar nichts Originelles einfallen. Das könnte daran liegen, dass mir der Sänger vor (und eigentlich auch nach) dem Besuch von ‘Walk the Line‘ ebenso wenig vertraut war und ist wie Ray Charles, nachdem ich mir im letzten Jahr Jamie Foxx in ‘Collateral‘ angeschaut hatte. Und da ich vor geraumer Zeit schon die internationale Piero Esteriore Lobby unwiederbringlich gegen mich aufgebracht habe, möchte ich nun nicht auch noch die Johnny Cash Fans durch irgendwelche thematischen Fehler vergraulen.

Tja, was macht man in so einer Situation? Vor lauter Ratlosigkeit stelle ich mein Fähnchen mal in den Wind und lasse mich über die grandiose Leistung von Hauptdarsteller Joaquin Phoenix aus. Tut ja auch niemandem weh, schliesslich treffen die Lobhudeleien über den Ausnahmeschauspieler (auch so eine abgelutschte Bezeichnung) voll ins Schwarze. Offen gesagt war Phoenix (nebst meiner journalistischen Verpflichtung) der einzige Grund, überhaupt in den Film zu gehen. Glücklicherweise wandelt sich diese doch eher einseitige Initialmotivation, sich ‘Walk the Line’ überhaupt anzuschauen, bis zum Ende des Filmes zum eigentlichen Hauptargument, den Streifen auch wirklich zu mögen. (Manno, viel gekünstelter kann man einen Satz wohl nicht konstruieren.) Obwohl der Film mit einer Dauer von 136 Minuten nicht gerade durch seine Kurzweile glänzt, könnte man Joaquin Phoenix’ Darstellung durchaus noch länger geniessen.

Nach der Vorstellung von ‘Walk the Line’ kam ich mir trotzdem irgendwie immer noch wie ein Banause vor, etwa wie ein ‘Star Wars’ – Fan, der ohne Handtuch auf einer ‘ Hitchhiker’s Guide to the Galaxy – Convention erwischt wurde. Schliesslich wird Cash nicht erst posthum in allen Tönen gelobt, trotzdem ist mir seine Musik bis auf das obligate ‘Ring of Fire‘ und einer ‘Walk the Line’ Interpretation von Leonard Nimoy immer irgendwie fremd geblieben. Von Phoenix’ Performance fasziniert, schaute ich mir im Netz darum mal einige Photos des echten JR Cash an während ich mir anhörte, wie der original Man in Black damals seine Stimme zu Cash machte. (Da klingelte gerade eben was in der Kasse für ganz miese Wortspiele.) Bei allem Respekt muss ich zugeben, dass der echte Cash mich wohl nicht so überzeugen und mitreissen hätte können wie Joaquin Phoenix es getan hat.

‘Original Man in Black’, ‘Ausnahmeschauspieler’, ‘Ray Charles’. Bis auf die Erwähnung der ebenfalls famosen Leistungen von Reese Witherspoon und Robert Patrick, welche ich ebenfalls nur unterstreichen kann, sollte ich eigentlich nun bis hierhin alles für eine solide 08:15 Kritik zusammenhaben, und im Fazit lässt sich ja auch noch das eine oder andere Schlagwort unterbringen:

Zusammenfassend kann man sagen, dass schon die gesanglichen und schauspielerischen Leistungen des Hauptdarstellers das Kinoticket wert sind, denn spätestens mit den Worten ‘Hello, I’m Johnny Cash’ lässt er die Legende in Schwarz wie Phoenix aus der Asche steigen und könnte in diesem Jahr damit kleine Statuetten ebenso vergolden wie Cash’s gesamten musikalischen Nachlass.

Archives | First published Feb 11, 2006

Saw 2

Rating: 1.5

Saw 2Wer sagt denn, eine Schlüsselszene könne nicht am Anfang des Filmes stehen…?

Allein die Tatsache, dass sich ein Parlamentarier laut einer erfolgreichen (dhoa!? Könnte der Erfolg etwa an der Kostenlosigkeit der Publikation liegen?) Pendlerzeitung besonders für ‘Saw II’ interessierte, weil darin eventuell unnötig brutale Szenen vorkommen, liess mich auch als nicht ausgesprochenen Splatter-Fan aufhorchen und zwang mich geradezu in ein Kino, in dem das Filmchen gezeigt wurde.

Zugegebenermassen (die Komplexität der Bewegungsabläufe, die in den Fingern nötig sind, um das Wort ‘zugegebenermassen’ zu tippen, steht in einem unberechtigt schlechten Verhältnis zu seiner Nützlich- und Häufigkeit in meinem Sprach- und Schreibgebrauch; das ist fast so schlimm wie ‘nichtsdestotrotz’, ein Wort, dessen Schriftbild und Klang mich ebenfalls immer wieder in staunen versetzt.) kam mir ein Stück Kino, das ebenso unbegründet wie forciert Gewaltdarstellung zelebriert, gerade recht nach einer enervierenden Woche voller Wischiwaschi –Schlagzeilen und –Politik über feinen Staub und weniger feine Protestaktionen gegen die Pressefreiheit.
An dieser Stelle geht der verantwortungsbewusste Leser, genau wie der Schreiber, zurück zum Beginn des letzten oder vorletzten Satzes, um zu erkennen, dass Klammern und eingeschobene Teilsätze nicht immer zur Verständlichkeit eines Textes beitragen und wird beim erneuten Lesen wohlweisslich den Klammertext übergehen.

Was auch nicht besonders stören sollte, denn im Folgenden sei meine Meinung über ‘Saw 2’ relativ schnell kundgetan, und ich denke, die Tatsache, dass mir das Erlebnis des ersten Teils abgeht, fällt dabei nicht mal so sehr ins Gewicht. In diesem Punkt kann ich ‘Saw II’ gar ein Kränzchen winden, denn von einem hat mich der Film überzeugt: Ich muss mir unbedingt mal den ersten Teil auf DVD (oder Blu-Ray Disc oder HD DVD oder meinetwegen auch auf einer Wachstafel, falls sich die Pornoindustrie nicht entscheiden kann, auf welches Format sie und somit der Rest der Branche in diesem Jahrzehnt setzt) anschauen.

Während die Story in von ähnlichen Filmen gewohnter ‘Zehn-kleine-Negerlein’ – Manier (wobei ich zum wiederholten mal bemerke, dass ich weiss, dass der Titel seit einigen Jahren politisch korrekt in ‘Da waren’s nur noch Zehn’ geändert wurde) seine Hauptakteure metzelt, erinnert der Film in seinem Minimalismus doch sehr stark an ‘Cube‘ und verliert trotz dieses unweigerlichen Déjà-vus nicht mal sonderlich an Qualität, sondern macht das beste draus. Wo ‘Cube’ jedoch durch eine Mischung aus Naivität und Innovation an Sympathien gewinnen konnte, wirkt ‘Saw II’, bei allem Respekt, etwas unausgereift, was Spannungsbogen und Inszenierung anbelangt.

Doch was schreib ich, schlussendlich ärgerte ich mich am meisten darüber, dass nicht noch mehr fiese Fallen gezeigt wurden, und der Film gegen Ende erst relativ schnell auf eine Auflösung, dann auf ein fast erzwungen wirkendes Überraschungsende zusteuert.

Für einen, je nach Kondition amüsanten oder spannenden Donnerstagabend reicht ‘Saw II’ allemal.

Archives | First published Feb 10, 2006

Munich

Rating: 3

MunichIn München steht ein Hofbräuhaus, oans,… zwoa,… g’schossn!

Es gibt Tage, an denen muss man sich entscheiden: Schüttelt man eine belanglose Kritik über einen zwar äusserst gelungenen, aber wenig überraschenden Film von Steven Spielberg aus dem Ärmel oder spart man sich die Mühe? Angesichts der Tatsache, dass sich in diesem Ärmel seit längerem mehr Milben und Achselhaare als originelle Einfälle finden, ist die Idee verlockend, unter dem Einwand der Zeitnot auf eine ausführliche Kritik zu verzichten und dafür auf das bewährte Mittel der Kurzanalyse zurückzugreifen. So wird den Lesern als Gegenleistung zur Abwechslung mal ein Stück wirklich nützliche Information geliefert: Die Nominierten der Academy Awards 2006.

Archives | First published Jan 28, 2006

Match Point

Rating: 4

Match PointThe Scarlett Letter

Es ist an der Zeit, dem werten Leser dieser bescheidenen Webseite einen Blick hinter die Kulissen der Entstehung einer Filmbesprechung zu gewähren. Eine Kritik schreibt sich nicht von alleine und nicht selten ist der Rezensent versucht, die Zeilen mit irgendwelchem Nonsense statt mit Fakten und Analysen zum Film zu füllen.

So beginnt eine pflichtbewusste Filmbesprechung bei der sorgfältigen Vorbereitung schon vor dem eigentlichen Kinobesuch. Selten wird einem die Entscheidung, welcher Premiere am Donnerstag der Vorzug zu gewähren ist, durch den Start eines konkurrenzlosen Blockbusters abgenommen und meist werden schon Tage vor der Premiere die einschlägigen Kulturfeuilletons konsultiert. Damit ist es aber noch nicht getan. Der Erfolg einer Kritik hängt nicht selten davon ab, wie es um das nationale und internationale politisch-soziale Gefüge und Befinden steht. So bietet es sich geradezu an, in politisch brisanten Zeiten eher kritische und wichtige Filme wie ‘Jarhead‘, ‘Good Night, and Good Luck‘ oder ‘Munich’ den Vorzug zu geben und beispielsweise die neue Komödie mit Jim Carrey zu depriorisieren. Auch entscheidet die globale und nationale Stimmung bis zu einem gewissen Grad, wie die Bewertung des Filmes letztendlich herauskommt. Im besten Falle geschieht diese Beeinflussung natürlich völlig unbewusst; abstreiten lässt sie sich jedoch kaum.

Unterm Strich bedeutet dies nichts anderes, als dass schon die Wahl des zu rezensierenden Filmes nicht von irgendwelchen persönlichen Neigungen oder Präferenzen abhängen darf, sondern das ganze globale und lokale Wechselspiel zwischen Politik, kulturellen und sozialen Gegebenheiten sorgfältig analysiert werden will, und die zu erwartende aktuelle Verfassung des Gastes beim Besuch von nidwirkli.ch und somit des gesamten deutschen Sprachraumes entsprechend gewichtet werden sollte. Man geht ja schliesslich nicht zum Vergnügen ins Kino.

Auch dem hier niedergeschriebenen Text liegt eine solch seriöse Vorbereitung zugrunde: Diese zeitaufwändige Abwägung von Für und Wieder der einzelnen aktuellen Filmpremieren in der Schweiz führte zum Ergebnis, dass in ‘Match Point‘ die atemberaubende Scarlett Johansson mitspielt, während sie das in ‘Grounding‘ und sämtlichen anderen startenden Filmen nicht tut. Dieser Faktor erklärt, warum vorliegende Kritik den neuen Film von Woody Allen behandelt und nicht den Krimi über den Absturz der ehemaligen nationalen Airline. Und wer bin ich, dass ich mich über das Resultat eines solch transparenten Kriterienkataloges hinwegsetzen wollte?

Ob und in welchem Masse der Film dann gefällt, hängt meist von einem klar vorgegebenen Analyseraster ab, in dem in sechs technisch-handwerklichen (Musik, Montage, Darsteller,…) und sechs emotional-empirischen Kategorien (Unterhaltung, Anspruch, Rhythums,…) zwischen 1 und 5 Punkte vergeben werden. Die Summe der Punkte entscheidet über die Benotung des Filmes. Wie der geneigte Leser spätestens jetzt bemerkt, hat diese Benotung jedoch meist nur herzlich wenig mit der eigentlichen Rezension des Filmes zu tun. Um das ganze zu vervollständigen, prangert über dem ganzen die gefühlte Bewertung, ebenfalls eine Note zwischen 1 und 5, die sich jedoch ebenfalls von der mathematisch hergeleiteten Note unterscheiden kann, aber in den Top Ten aus technischen Gründen (die beschränkten Programmiertechniken des Hosts) nicht berücksichtigt wird.

Wer hier also ‘nur’ eine Kaufberatung fürs Kinoticket sucht, ist mit der untenstehenden Analyse bestens bedient und wird schon durch einen kurzen Blick auf die Punktebewertung erfahren, ob sich laut Host ein Besuch von ‘Match Point’ lohnen wird oder nicht. All jene, die sich für Details, Hintergründe und Gedanken zum Film interessieren, lade ich ein, meine Texte zu lesen.
Die professionellen Beweggründe und komplexen Gedankengänge, die zu diesen Perlen der deutschen Belletristik führen, wurden ja mit diesem Beitrag zur Genüge behandelt. Darüber hinaus kann jeder, der seine Meinung kundtun möchte, dies am Ende jeder Seite tun oder wertvolle Informationen und Meinungen wie z.B. ‘Du redest nur wirres Zeug […]’ mit anderen Besuchern teilen, indem er einen Kommentar zur Seite beisteuert.

Archives | First published Jan 20, 2006

Grounding

Rating: 3

GroundingPilotfilm

Ich gebe es ja zu: Ich bin überraschend begeistert von ‘Grounding’. Wer hätte das gedacht? Ich würde an dieser Stelle ja gerne wieder mal einen Film ein wenig durch den Dreck ziehen. Und wenn ich ganz ehrlich bin, hätte es mich, nachdem ich mir letzthin den schrecklichen ‘Ring Thing’ auszugsweise im TV angetan habe, nicht gewundert, wenn ‘Grounding’ das Schicksal einer ebenso unbegründeten wie bösartigen Kritik meinerseits ereilt wäre. Nichtsdestotrotz muss ich zum wiederholten Mal feststellen, dass ich den so genannten Schweizer Film nicht länger unterschätzen sollte. Trotz neuem Logo scheint das mit Beck und Bondi oder Black’n’Blond und Pisa gefüllte SF Format kein repräsentativer Qualitätsausweis für das eidgenössische Kulturschaffen zu sein (was wohl die wenigsten überrascht); doch was soll ich sagen? Nachdem Flip ‘Fascht e Familie’ verlassen hat, habe ich mich nie mehr gross darum gekümmert.

Auch gemessen an meinen doch gar fragwürdigen Kriterien eines befriedigenden Kinoerlebnisses schneidet der Film über die letzten Tage der Swissair zweifellos überdurchschnittlich gut ab und braucht den Vergleich mit ebenso teureren wie ausländischeren Produktionen nicht zu scheuen. Im Gegenteil; Nicht zum ersten Mal machten sich die Schweizer Macher helvetische Themen und Eigenarten zunutze, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen oder unnötig zu überhöhen. Was dabei herausgekommen ist, präsentiert sich als stimmige, professionelle und vor allem ungemein spannende und unterhaltende Produktion, ohne sonderlich übertrieben zu wirken, obwohl zahlreiche Klischees mit Nachdruck bedient werden. Sogar von einer von mir lange gehegten Vermutung, nämlich, dass Drama und Dialekt einfach nicht zusammen gehen, musste ich mich endgültig verabschieden; vor allem hätte ich mir nie träumen lassen, dass der Graubündner Dialekt je so herrlich fies tönen könnte wie hier.

An dieser Stelle ignoriere ich mal salopp, dass die Geschichte, die da erzählt wird, nicht zwangsläufig der ganzen Wahrheit entsprechen muss, denn gerade diese Stilisierung der realen Begebenheiten zugunsten der Dramaturgie macht den Film so geniessbar. In den einzelnen Handlungssträngen wird erstaunlich klar schwarz-weiss gemalt und man schämt sich nicht, im Dienste des Dramas Details wie etwa die fragwürdigen Abgangsentschädigungen der Verwaltungsräte wegzulassen. Kompromisslos werden stattdessen Manager zu Helden oder Feiglingen stilisiert und Bankenchefs zu Teufeln gemacht.

Obwohl ‘Grounding’ stoffbedingt mit keinem überraschenden Ende aufwarten kann, schafft es der Film, ungemeine Spannung aufzubauen, was vor allem der gekonnten handwerklichen Umsetzung und der wirklich gelungenen Musik zuzuschreiben ist.

Da gönne ich zur Abwechslung doch allen beteiligten den enormen Publikumserfolg und freue mich auf den nächsten Politkrimi über den interkantonalen Beschwerdetourismus.

Archives | First published Jan 20, 2006

Good Night, and Good Luck

Rating: 2.5

Good Night, and Good LuckTrois couleurs: Rouge (en noir et blanc) (Mes félicitations aux ceux qui peuvent déchiffrer ce jeu de mots.)

George Clooney oder Dschordsch Kluni, wie ich ihn immer wieder gerne nenne, beweist mit ‘Good Night, and Good Luck.’ nach seinem Regiedebut ‘Confessions of a Dangerous Mind‘ erneut, dass er halt doch mehr zu bieten hat als good looks and ein Charisma, dass mann als durchschnittlich geschnittlauchter Ladieshost einfach nur schwarz-weiss vor Neid werden kann. Die Perfektion und Ernsthaftigkeit, mit der er uns den Film über die Kommunistenjagd unter Senator McCarthy und die allgemeine journalistische Verantwortung präsentiert sucht im aktuellen Kino seinesgleichen. Sicher, auch Stephen Spielberg’s ‘Munich’ wird ebenso ernsthaft wie perfekt daherkommen, trotzdem wird es dort wieder ziemlich unverkennbar spielbergeln, und obwohl bei Kluni’s Schwarz-Weiss Oeuvre wie schon bei seinem Erstling ‘Confessions of a Dangerous Mind’ der Einfluss von Soderbergh unverkennbar durchdrückt, kommt der Film extrem nüchtern und zurückhaltend daher. Dies macht ‘Good Night, and Good Luck.’ zwar unglaublich kompakt, stimmig und homogen, auf der anderen Seite fehlt es dem Film dadurch etwas an Ecken und Kanten. Glücklicherweise macht dies die intensive, nuancierte Performance des Hauptdarstellers David Strathairn, der neben einigen unscheinbaren Klunis, Downey-Juniors, Langellas und Daniels’ mehr als wett.

Wenn während des Films dann zwischen den einzelnen, ich nenne es mal Akten wieder mal etwas Musik ertönt, und man die doch ziemlich komplizierten Dialoge und ausführlichen Untertitel verdauen kann, amüsierten sich zumindest einige meiner Hirnwindungen mit der Vorstellung, dass es nun nicht schaden könnte, wenn in der nächsten Szene ein Gastauftritt von Soderbergh, Damon, Roberts oder Cheadle das ganze etwas auflockern und eine kleine Anspielung auf den kommenden ‘Ocean’s 13‘ machen würde. Leider (oder wohl eher glücklicherweise) konnte sich Kluni dabei zurückhalten und konzentrierte sich voll auf Authentizität und Story. Ob der Nüchternheit und dem Perfektionismus des Films kann sich vorstellen, dass ziemlich viel Herzblut des Journalistensohns in den Film geflossen ist; nicht umsonst bemerkt Kluni in Interviews gerne auch schon mal ungefragt, was für ein Fan er der guten alten Flimmerkasten-Zeit sei, als es noch Live-TV und richtigen investigativen Journalismus gab (im Gegensatz zum heutigen ziemlich indigestiven Fernsehprogramm).

In die von den meisten Kritikern angestimmten überschwänglichen Lobeshymnen über ‘Good Night, and Good Luck.’ möchte ich zwar nicht einstimmen; dazu ist mir der Film doch eine Spur zu clean und trocken, und das Thema der McCarthy Ära ist mir bei allen Parallelen zu Bush’s ‘State of Fear’ Politik doch zu wenig präsent. Trotzdem kann man sich den Film getrost anschauen. Ein ebenso spannender wie anspruchsvoller Kinoabend mit tollen Schauspielern, technisch mehr als solide umgesetzt, ist garantiert.

Archives | First published Jan 12, 2006

King Kong

Rating: 3

King KongMach mir den Affen

Hurrrrrrraa! Selten so gut geschlafen wie in der Nacht auf heute. Während mir sein Brüllen noch in den Ohren klingt, kann ich dank Kong dem kommenden Jahresende beruhigt entgegenblicken, denn nach allerlei Schund und Enttäuschungen findet das Kinojahr 2005 mit Peter Jackson’s ‘King Kong’ ein ebenso bombastisches wie geglücktes Ende. Nicht selten wurde ich grade durch die am dringendsten erwarteten Knüller am meisten enttäuscht. Nicht so ‘King Kong’.

Sicher, der Film ist nicht perfekt, und hätte ich nicht all meine schlechte Laune auf den Abstinker des Jahres ‘The Chronicles of Narnia’ projiziert (und das zurecht), würde mein Review zu ‘King Kong’ wohl nicht ganz so überschwänglich ausfallen. Ich könnte vieles kritisieren. Beispielsweise die dünne Handlung oder die Effekte, die sich nicht immer ganz nahtlos in den Rest des Geschehens einbinden (oder müsste man sagen, der Rest des Geschehens, der sich nicht immer ganz in die Effekte einfügt?). Aber was soll’s? Jetzt habe ich so lange auf den Affen gewartet, da soll nur irgend ein Kulturattaché kommen, und versuchen, mir den Streifen madig zu machen. Der gute Herr Jackson hat uns tausende von Stunden ‘The Lord of the Rings’ geschenkt, und nun erfreut er unsere Augen und Ohren erneut mit nicht zu knappen drei Stunden affigem Popcorn Kino. What’s not to like? Obwohl die CGI Orgie vom allerfeinsten ist, könnte man auch mäkeln, es sei mit einer etwas zu grossen Kelle angerichtet worden, und viele der Effektszenen seien überflüssig. Aber nein, auch das werde ich nicht tun; nein, ich werde mir diesen Spass nicht verderben lassen.

Mitunter für meine Sturheit verantwortlich sind die Schauspieler des Films. Zu behaupten, ‘King Kong’ sei am besten, wenn weder Affe noch sonst irgendwelches Getier auf der Leinwand erscheint, wäre angesichts der Effektfülle etwas übertrieben, trotzdem ist es der sorgfältigen Einführung und Verkörperung der Hauptcharaktere, allen voran Jack Black und Naomi Watts und dann noch mal Jack Black, zu verdanken, dass nach der ersten, eher ruhigen halben Stunde ohne Rücksicht auf Verluste geklotzt werden kann, was das Zeug hält. (Mit der mir durch den Staat Kalifornien übertragenen Vollmacht nominiere ich hiermit übrigens Jack Black als bester Jack Black in einem Film mit Jack Black für einen Academy Award.) Darauf gibt’s ein überaus gelungenes Ende und einen zwar harmlosen, aber passenden Score.

‘King Kong’ ist also absolutes Pflichtprogramm für alle; nicht nur, um ‘The Chronicles of Narnia’ an den Box Offices versauern zu lassen.

Archives | First published Dec 15, 2005

The Chronicles of Narnia

Rating: 1

The Chronicles of Narnia“Wenn einem so viel Mist widerfährt – das ist schon einen Aslan Uralt wert”

Die Frage stand ja im Raum, seit die ganze ‘Chronicles of Narnia’ Marketing-Maschinerie diesen Sommer erstmals so richtig in die Gänge kam: Sollte Peter Jackson’s meisterhafte Fantasy Trilogie ‘Lord of the Rings’ den Rang als beste Fantasy-Verfilmung abgeben müssen? Die Antwort ist ganz klar ja; ist ja nur eine Frage der Zeit. Doch sicher nicht in näherer Zukunft, Denn die chronisch enttäuschende, überlange Geschichte über vier quengelnde, unsympathische Balgen, die wohl etwas zu sehr an den Mottenkugeln im Kleiderschrank eines fragwürdigen Professors schnüffelten, schneidet im unvermeidbaren vergleich mit der Tolkien Saga doch sehr, sehr enttäuschend ab.

Da denkt man noch, zumindest tricktechnisch habe sich trotz Ausreizung der technischen Möglichkeiten und Saturation (uhhhhh, schönes Wort) des Publikums sicher noch ein bisschen etwas getan, doch im nächsten Moment muss man staunend feststellen, dass es auch gegen Ende 2005 noch möglich ist, so miese Bluescreen-Aufnahmen zu verbrechen, dass man sich an die Rückprojektionen aus ‘Moby Dick’ erinnert wähnt. Was eigentlich schade ist, denn die Tricks an sich wären solide gemacht (ja, ja die CGI Mähne von Aslan ist technisch wirklich vom feinsten), nur haperte es wohl etwas beim Mischen mit den leidlichen Realbildern.
Aber was schreib ich, auch das hätte den Film nicht auf die Stufe der absoluten Mittelmässigkeit katapultieren können.
Dem Film fehlt’s anderswo: Da wären z.B. die nicht vorhandenen Identifikationsfiguren: Ich hatte so gar keine Lust, mich mit einem rechthaberischen, arroganten Streber oder mit einem feigen Weichei zu identifizieren, geschweige denn mit einer der Schwestern, von denen noch nicht mal eine durch Jessica Alba verkörpert wird. Da war mir der Bieber… lieber. Denn das ebenso geschwätzige wie verliebte Bieberpärchen rettet den Film durch einige wirklich witzige Einlagen vor dem absoluten Niedergang. Hoffentlich merken das auch die Produzenten und ringen sich in Sachen unvermeidliche Fortsetzungen dazu durch, nur noch besagte Bieber gegen die Eiskönigin (Tilda Swinton in der Rolle des einzig anderen erträglichen Elements im Film) antreten zu lassen. Na gut, Liam Neeson (Gesundheit!) dürfte auch noch was dazu sagen, wenn er will, so eine Stimme macht sich eben immer gut, obwohl mir seine beeindruckende Intonisation von Aslan eher wie ein Echo aus einem wirklich guten Film vorkam, was in ‘Narnia’ so gar nichts zu suchen hatte.

Zugegebenermassen ging ich schon mit einem schlechten Gefühl in den Film, zu viel hatte den Streifen im Vorfeld wie einen schlechten Abklatsch von ‘Lord of the Rings’ aussehen lassen. Ironisch und zugleich traurig, dass im fertigen Film so gar nichts mehr ernsthaft an die Tolkien Trilogie erinnern mag. Ausser, dass einen ab und zu das Gefühl beschleicht, in Neuseeland seien die verkleideten Statisten damals bei den Dreharbeiten in zwei Gruppen eingeteilt worden. Wobei die glücklicheren Elben und Orks als Extras in die Filmgeschichte eingehen während die Minotauren und Zyklopen aus ‘Narnia’ als Loser ein Plätzchen im kollektiven Filmunterbewusstsein gleich neben JarJar Binks finden. Und wirklich: Zwei riesige Armeen stehen sich in einer epischen Schlacht gegenüber…! Das gabs ja nun wirklich noch nie, ich war ja sooooooo gespannt, was nun wohl passiert. (Die letzten zwei Sätze wurden von der nidwirkli.ch Qualitätssicherung als ironisch klassifiziert.)

Vielleicht liest es der eine oder andere zwischen den Zeilen: ‘The Chronicles of Narnia’ gefiel mir nicht wirklich. Und die Tatsache, dass dieser wiederliche Oompa Loompa aus Charlie’s Chocolate Factory auch in diesem Film wieder herumnervte, stimmte mich auch nicht gerade wohlgesinnter. Darum habe ich auch gar keine Lust, mich differenziert mit dem Streifen auseinanderzusetzen. Alle kinderlosen Pärchen können diese Weihnacht zur Abwechslung mal froh sein, dass sie von keinem Nachwuchs in einen grenzenlos überbewerteten Film gezogen werden. Denn wer in dieser kalten Jahreszeit richtig Lust auf einen guten Fantasystreifen hat, der schaut sich besser erst mal alle vier ‘Harry Potter’ Filme an, bevor er sich einmal diesen in die Länge gezogene TV-Film antut. Um sich die Stunden bis zur Bescherung zu verkürzen, mag ‘The Chronicles of Narnia’ ja genügen, aber bitte verschont das Kino mit solchen belanglosen Kinkerlitzchen.

Archives | First published Dec 8, 2005

The Exorcism of Emily Rose

Rating: 2

The Exorcism of Emily RoseAuf Teufel komm raus…

Warum, ja warum frag ich mich, bekomme ich bei gewissen Filmen immer der Wunsch auf, nach der Pause doch lieber in einem anderen Film zu sitzen, an den ich mich durch das Gesehene erinnert fühle? So geschehen bei ‘The Exorcism of Emily Rose’. An den dünnen Kinowänden oder der Qualität des Films kanns nicht liegen, denn ‘The Exorcism of Emily Rose’ ist alles andere als schlecht, soviel schon mal vorab, trotzdem fühlte ich mich einen Moment lang an ‘Constantine’ erinnert. Ab diesem Punkt merkte ich, dass mir da was auf der Leinwand fehlt. Der Film nimmt sich irgendwie etwas zu ernst (‘based on a true story…’), was gemessen an Spannung und Horror, die er unterm Strich bietet, nicht gerechtfertigt scheint. Irgendwie kommt der Film auf diese Weise einfach nicht über das Mittelmass hinaus. (Olla, da fällt mir gerade auf, dass ich faulheitsbeding nie eine Kritik zu ‘Constantine’ geschrieben habe; ich geb ihm ‘ne Drei.)

Trotzdem wird der durchschnittlich abgebrühte Zuschauer in Sachen Suspense nicht enttäuscht, und die verstörenden Anfälle von Emily sorgen für einige angenehm unangenehme Momente. Die Grundidee, Justizkrimi und paranormalen Thriller zu kreuzen, funktioniert überraschend gut und gibt dem Film bis zum Schluss Drive. Doch leider schneidet sich die Geschichte dadurch gleichzeitig ins eigene Fleisch, denn durch ständige Zurückführung in die weniger paranormale Welt des Gerichtssaales verweigert sich die Geschichte, vollends im Horrorthriller aufzugehen. Die mässige Spannung, die auf der weltlichen Seite durch die Verhandlung parallel zur Austreibung aufgebaut wird, weiss dieses Manko leider nicht auszugleichen.
Die Frage, wie wahr die Geschichte der Rose Emily denn wirklich ist, wird zum Glück nicht allzu breit getreten, was der Geschichte zugute kommt, obwohl eine etwas pseudo-dokumentarischere Umsetzung sicher auch interessant gewesen wäre.

Man kann also zweifelsfrei behaupten, dass ‘The Exorcism of Emily Rose’ mit ‘Constantine’ so gut wie nichts gemein hat. Trotzdem weiss ich nun eine Antwort auf die anfangs gestellte Frage, warum mich der erstere denn an letzteren erinnern haben mögen könnte: Dazu nur soviel: ‘Constantine’ – Darsteller Keanu Reeves kommt am Rande auch im neuen Roman ‘Lunar Park’ von ‘American Psycho’ Autor Bret Easton Ellis vor. Und seit mir dämmert, wie verzwickt und pseudo die pseudobiografische Geschichte um Ellis tatsächlich ist, krieg ich das ganze nicht mehr aus dem Kopf. Ich glaube, dabei haben sich einige Synapsen gebildet, wo keine hingehören. Womit auch geklärt wäre, was Emily Rose mit Jayne Dennis verbindet.
Ladies and Gentlemen, wir haben nun unsere Flughöhe erreicht und können uns nicht mehr weiter vom Thema entfernen, ich wünsche einen angenehmen Flug.

Archives | First published Dec 1, 2005

Broken Flowers

Rating: 3.5

Broken Flowers…und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Bill, Weihrauch und Murray. [Matthäus 2.1.]

Verdient ‘Broken Flowers’ all die Vorschullorbeeren, die er von der nationalen und internationalen Presse bekommen hatte? Da so ziemlich alle mehr oder weniger einschlägigen Kritiken Jim Jarmusch’s neuestes Werk feierten, musste man geradezu misstrauisch werden. Es war zu befürchten, dass der Film in dem Masse langweilig ist, wie er als ‘Meisterwerk’ und ‘bester Film des Jahres’, ‘minimalistische Ode an die Lethargie’ oder ähnliches gelobhudelt wurde. Dass Bill Murray in der Rolle als ebenso knurriger wie liebevoller Stenz (was auch immer das bedeutet, aber schliesslich gab’s auch mal einen Ghostbuster, der so genannt wurde, darum scheint mir die Bezeichnung mehr als passend) einfach nur glänzen kann, wissen wir schon seit ‘Lost in Translation’ und ‘The Life Aquatic’. Zum Glück funktioniert dieses Rezept erneut in ‘Broken Flowers’ und man glaubt Jim Jarmusch, wenn er behauptet, er habe die Rolle Murray auf den Leib geschrieben.

Entgegen meinen Befürchtungen vergingen die mehr als eineinhalb Stunden Film wie im Flug, und obwohl ich mich ab und zu auf andere Streifen vergleichbarer Länge besinnte und ich daran denken musste, was man in dieser Zeit alles in die Luft sprengen könnte, wird mir der Film in guter Erinnerung bleiben. – Muss er ja auch; es macht sich ja immer gut, zu sagen, man hätte den letzten Jim Jarmusch gesehen und gemocht.

Allzu viel passieren tut auf Don Johnston’s Road Trip in die Vergangenheit zwar nicht, doch die mitunter episodenhaft anmutende Montage mit sich wiederholenden Motiven schafft es, die Aufmerksamkeit auf den Film zurückzubringen, wenn die Kamera halt doch mal einen Moment zu lange auf einem stummen, gelangweilten Bill Murray geblieben ist und der stille Minimalismus halt doch einer gewissen Langatmigkeit weicht.
Obwohl ‘Broken Flowers’ keinesfalls als unterkühlt zu bezeichnen ist, passt die ruhige Hommage an ‘Bill Murrays’ minimalistisches Spiel (warum hat das eigentlich nie jemand über Silvester Stallone oder Steven Seagal geschrieben, zumindest nicht als Kompliment?) zur herbstlichen Jahreszeit, ich glaube man nennt sie ‘Herbst’, wie die Faust aufs Auge. Gegen Ende wird der Film fast philosophisch und trotz eines an sich unbefriedigendem Ende lässt der Film ein gutes Gefühl zurück, was wiederum halt doch wieder geradewegs auf Bill Murrays Performance zurückzuführen ist.

Über die Qualität von ‘Broken Flowers’ lässt sich streiten, aber zumindest mir hat der Film gezeigt, dass es trotz aller anders lautenden Befürchtungen auch Streifen abseits des Mainstream – Kinos gibt, die auf ihre eigene Art und Weise überzeugen können. Und ist dies schlussendlich nicht das einzige, was uns das Kino in der heutigen sonst doch so lauten, unsteten und auf Kommerz ausgerichteten Welt überhaupt noch bieten kann? NEIN! Und der 14. Dezember wird es mit dem Start von ‘King Kong’ beweisen.

Archives | First published Nov 23, 2005