Cinderella Man

Cinderella ManSee you later Gladiator

Warum eigentlich wirken auf mich gute Sportfilme meist viel emotionaler als die nächstbeste Liebeskomödie mit Meg Ryan oder Richard Gere? An meinem Y Chromosom, von dem man sagt, dass es alle Männer zu sonntäglichen, biersaufenden Couchpotatoes macht, alleine kanns nicht liegen, denn mal von Sportfilmen abgesehen, interessiere ich mich prinzipiell nicht für Sport, zumindest nicht, wenn andere ihn ausüben. Es braucht normalerweise schon einen Torwart, der es gleich zweimal hintereinander auf die Blick-Titelseite schafft, bis auch ich mich ganz langsam für die Niederungen des Sportjournalismus zu interessieren beginne.
Aber sein wir ehrlich, die meisten Sportfilme weisen ja im Grunde dasselbe dramaturgische Muster auf: Einführung, Aufstieg, Fall, Endkampf, und der Triumph oder die heroische Niederlage zum Schluss. Dazu ein feiner Soundtrack und man kann eigentlich nichts falsch machen. Ob Baseball, Football, Eishockey oder eben Boxen. Perlen wie ´Rocky´, ´Jerry Maguire´ oder ´Any Given Sunday´ drücken da meist pathetisch aber gehörig auf die Tränendrüse. Sogar mittelmässige Filme wie ´Mighty Ducks´ oder ´Mystery Alaska´ vermögen einen irgendwie zu berühren, zwar meist nicht durch den sportlichen Inhalt, sondern durch Themen wie Freundschaft, Ehre, Rache, Stehvermögen, Vertrauen, usw.

Etwas weniger bärtig als in ´Mystery Alaska´ versucht nun Russel Crowe erneut, unsere Herzen mit einer Geschichte über Liebe, Hoffnung, Niederlage und Sieg zu erwärmen. Herausgekommen ist dabei ein extrem behäbiger Boxfilm, der in Sachen Gemächlichkeit und Lethargie den Vergleich mit ´Million Dollar Baby´ nicht zu scheuen braucht. Ich weiss, ich weiss, es ist wahrscheinlich nicht ganz korrekt, den Film als Boxfilm zu bezeichnen, und nur gegen Ende des Filmes entspricht ´Cinderella Man´ meiner oben genannten Definition eines Sportfilms. Der Film schlägt eher erneut in die Bresche des gleichsam spannenden und rührenden Biopic, die Ron Howard und Russel Crowe mit ´A Beautiful Mind´ geschlagen haben. Nur leider erreicht ´Cinderella Man´ zu keiner Zeit die Qualität seines Vorgängers in spe. Vielleicht wirkt der Hintergrund der grossen Depression in Amerika doch etwas zu kühl, oder die Geschichte um den Untergang und Aufstieg von James Braddock gibt zu wenig her. Umso mehr darum, da seine Bedeutung als ´Held der Arbeit´, der den Menschen während einer schwierigen Zeit Hoffnung gegeben hat, leider nur marginal behandelt wird. Da wirkte der durch den Central Park joggende Rocky Balboa, der die Massen hinter sich versammelte um einiges überzeugender.

Einige schön fotografierte Bilder und ein zugegeben gelungener Endkampf sind die Highlights des Films, doch bei über zwei Stunden Filmlänge ist das doch etwas zu wenig. Mein heimlicher Star des Films ist übrigens der böse Zwillingsbruder von Clive Owen, Craig Bierko, der die wohl sehenswerteste Nemesis gibt seit Daniel Day-Lewis als Bill The Butcher.

Crash

CrashDer Host mal ganz still und bedächtig…

Nach all den Zombies in ´Land of the Dead´ kamen mir der Facettenreiche ´Crash´ von Paul Haggis gerade recht. Sonst dem Kawumm- und Holzhammer- Action Kino nicht gerade abgeneigt, muss ich zugeben, ´Crash´ mich im Innersten berührte. Ohne moralinsauer zu werden oder es während zwei Stunden übermässig menscheln zu lassen, bietet der Film spannende, man könnte auch sagen angespannte Unterhaltung, interessante Story und grandiose Schauspieler, die gerade durch ihr relativ zurückhaltendes und schnörkelloses Spiel auf der ganzen Linie überzeugen. Schön, auch Sandra Bullock mal in einer ernsthaften Rolle zu sehen. Doch, doch, die Frau kann mehr als Busse zu Schrott fahren und Schönheitswettbewerbe zu gewinnen. Auch Brendan Fraser überraschte mich mit einer ungewohnt ernsten Performance. Don Cheadle, Matt Dillon und der Rest der sorgfältig ausgelesenen Truppe überraschten zwar weniger, boten aber ein nicht minder überzeugendes Spiel.

An dieser Stelle soll noch einmal betont werden, wie grandios es der Film schafft, seine Motive zu Vorurteil, Entscheidung, Hass, Neid, Moral und Menschlichkeit klar zu zeigen und darzustellen, ohne je mit dem Vorschlaghammer bestehende Klischees und Stereotypen in das pulsierende Setting von Los Angeles hämmern zu wollen.

Die Stadt der Engel scheint sich im Übrigen einfach unvergleichbar gut als Kulisse für Menschen und Ihre Schicksale zu eignen. ´Grand Canyon´, ´City of Angels´, ´Heat´, ´Collateral´ und nun eben ´Crash´. Die heiss-feuchte, angespannte, nur einen Funken vor der Entzündung stehende Atmosphäre schafft einen Hintergrund, vor dem die richtigen Schauspieler, zusammen mit dem passenden Score (ebenfalls grandios in ´Crash´) eine an Intensität kaum zu überbietendes Ganzes schaffen. Die aus ´Magnolia´ oder ´Short Cuts´ bekannte, Patchwork-artige Erzählstruktur verstärkt dabei das Erlebnis zusätzlich und hält die Dynamik des Films intakt, ohne den Spannungsbogen der Handlung zu beeinträchtigen.

´Crash´ – Endlich mal eine hundertprozentig positive Überraschung, welche die Vorschusslorbeeren in den Kritiken tatsächlich verdient und nicht verpasst werden sollte.

Land of the Dead

Land of the DeadGute Zombies, schlechte Zombies

Hier noch eine unbedeutende Kritik zu einem noch unbedeutenderem Film: Land of the Dead. Eigentlich ist es ja mehr eine Warnung als ein Review: ´Land of the Dead´ ist langweilig. Horrorfilme sind ja an sich nicht gerade mein Spezialgebiet, und bis auf einige Klassiker wie Freddy Krueger und Hellraiser kenn ich das Genre nicht allzu gut. So weit ich allerdings weiss, sollten Horrorfilme doch erstens mit Schockeffekten erschrecken und mit gelungenen Gags die Stimmung wieder aufheitern. Was in ´Dawn of the Dead´, dem 2004 Remake eines anderen George A. Romero Filmes so beispielhaft funktionierte (Ich sag nur Fahrstuhlmusik), fehlt in ´Land of the Dead´ leider gänzlich. Ausser unzähligen Kopfschüssen und einzelnen netten Ideen, wie man die Toten auf möglichst blutige Weise noch toter machen kann, hat der Film nix, aber auch gar nix zu bieten. Höchstens vielleicht einen ziemlich gelangweilten Dennis Hopper, der für Geld wirklich alles zu filmen scheint. (Irgendwie auch gar nicht so unsympathisch, da sieht man mal, dass Schauspielerei halt auch nur ein Job ist.) Nicht mal lustig ist der Film, und der offensichtliche sozialkritisch-marxistischen Subtext wirkt doch eher unbeholfen und belanglos.

Ich merk gerade, dass ich damals ´Freddy vs. Jason´ ebenfalls für fertigen Mist gehalten habe und frage mich, ob ich einfach zu wenig Fan des Genres bin und die ´…of the Dead´ Reihe von Romero nicht kenne. Für mich sind Horrorfilme die Streifen, die ich als Kind kaum zu schauen getraute, mich mitten in der Nacht in der stockdunklen Stube dann aber doch nicht davon losreissen konnte, als Synthesizer Musik den Auftritt des bösen Mannes ankündigte und irgendwelche Teenager durch Häuser gejagt wurden. In den Achtzigern kam das irgendwie einfach besser. Vielleicht bin ich inzwischen aber einfach nur zu abgebrüht oder ich verstehe das Konzept, wie man einen Zombie nochmals töten kann oder muss, einfach nicht. Hab mich grade in einem Forum informiert: Zombies muss man den Kopf abrupfen oder ähnliches, um sie unschädlich zu machen. Jetzt macht das ganze natürlich gleich viel mehr Sinn…

Sin City

Sin City…sometimes it means killing a whole lot of people.

Das wärs also gewesen. Der letzte Hoffnungsträger eines Hits für diesen Sommer: ´Sin City´. Und, wird die Comicverfilmung von Frank Miller und Robert Rodriguez seinen Vorschusslorbeeren gerecht? Kurz: Ja. Zwar vermag der Streifen in Sachen Unterhaltung und Rhythmus ´The Island´ nicht ganz das Wasser reichen, ein Schmuckstück sondergleichen ist ´Sin City´ trotzdem und das auf ganzer Linie. Eine konsequentere Comicverfilmung ist wohl kaum möglich als die meist in schwarz-weiss gehaltenen Bilder mit einzelnen Farbtupfern die tatsächlich enorm an den Comicstil erinnern. (Zumindest an das, was ich von Frank Miller´s Vorlage kenne, was nicht allzu viel ist.)

Ein ganzes Rudel an Top-Schauspielern, allen voran Mickey Rourke, der, glaubt man den Interviews sehr viel seiner eigenen Person in den Charakter des Rüpels Marv gibt, und natürlich Bruce Willis als Cop Hartigan. Und nicht zu vergessen, Jessica Alba, ein herrlich ungewohnter Elija Wood, ein kaum zu erkennender Benicio del Toro, der unvergleichliche Clive Owen, Michael Madsen mal wieder in einer anderen als seiner gewohnten Rolle als Killer und viele andere, nicht zu vergessen Jessica Alba.

Dieses ziemlich deftige, ebenso spannende wie intensive Stück man kann fast sagen Experimentalkino sollte man nicht verpassen. Die ganze Geschichte lebt zwar nur von Klisches, bekannten Mustern und archetypischen Charaktern, ist aber so gekonnt, stylish und konsequent umgesetzt, dass es einfach eine Freude ist, diesen Comic, der als Film Noir auf Extasy zum Leben erweckten Comic in seiner ganzen Intensität zu erleben. Und nicht zu vergessen: Jessica Alba ist auch mit von der Partie!

Charlie and the Chocolate Factory

Charlie and the Chocolate FactoryFür die einen ist es ein Oompa Loompa, für die anderen der kürzeste Hobbit der Welt…

Die Oompa Loompas, die kleinen, exotischen Arbeiter in Willy Wonka´s Schokoladenfabrik werden die Gemüter der Zuschauer wohl spalten. Diese kleinen widerlichen Kreaturen hätten wie zuvor nur Jar Jar Binks das Potential, das Publikum zu teilen in Leute, die sie unwiderstehlich süss finden, und solche, die es unwiderstehlich finden würden, diesen kleinen Säcken ihr dämliches Grinsen so lange aus der Fresse zu trampeln, bis ihnen dieses nervige, ewige Gesinge vergeht. Ich selber werde in dieser Sache natürlich keine Stellung beziehen, schliesslich soll sich der mündige Kinobesucher selbst ein Bild machen können, ohne schon vorbelastet in den Film zu gehen.

Vor Tim Burton´s Version der Umsetzung von ´Charlie and the Chocolate Factory´ wurden nebst der ersten Verfilmung der Schokoladenfabrik (1971, mit Gene Wilder) schon einige weitere Bücher des bekannten britischen Kinderbuchautors Roald Dahl verfilmt: ´James and the Giant Peach´, der irgendwie schon wie ein Klon von Burton´s ´The Nightmare before Christmas´ daherkam oder ´Matilda´. Übrigens hat er das Drehbuch zum James Bond Streifen ´You only Live Twice´ geschrieben. Weitere nicht ganz so exklusive Recherchen haben Informationen an den Tag gebracht, die mich nicht minder erstaunten: Denn ebenso wie für ´You only Live Twice´ hat Dahl auch das Screenplay zum Kinderfilm über ein wunderliches, fliegendes Auto, ´Chitty Chitty Bang Bang´ verfasst. Das bemerkenswerte dabei ist, dass er dies wiederum zusammen mit Ian Fleming getan hat. Ja, mit DEM Ian Fleming, der auch die Bond Romane verfasst hat. Und um das ganze noch zu toppen, wurde ´Chitty Chitty Bang Bang´ von Albert R. Broccoli produziert, dem Produzenten, der die meisten James Bond Abenteuer produziert hat. Macht irgendwie auch Sinn, denn wenn man´s recht bedenkt, könnte ´Chitty Chitty Bang Bang´ auch der Name eines Bond Girls sein. Womit wir wieder alles in kleine Schächtelchen verpackt hätten…

So, mal auf meinem Ticket nachschauen, für welchen Film ich denn überhaupt eine Kritik schreiben wollte,… ach ja, ´Charlie and the Chocolate Factory´.
Nach dem trotz Ewan McGregor irgendwie enttäuschenden ´Big Fish´ scheint Tim Burton zu Beginn des Films die Kurve voll und ganz erwischt zu haben. Leider kann er die Qualität wie so oft nicht bis zum Schluss halten. Das Märchen beginnt, wie gewohnt, märchenhaft und mit düsterem Unterton und führt die Charaktere sorgfältig und liebevoll ein, eingebettet in eine sehr schönes Production Design, untermalt mit Burton´s Haus-Musik von Danny Elfman. Der Zuschauer merkt ziemlich schnell, dass es sich bei der Story über eine typische moralische Geschichte handelt, ähnlich wie die Bücher von Dr. Suess, Alois Carigiet oder Wilhelm Bush. Tim Burton setzt das ganze glücklicherweise mit seiner unvergleichlichen Handschrift um und der herrliche ´Johnny Depp´ sorgt zusammen mit den restlichen, sehr überzeugenden Darstellern dafür, dass die Pferde dabei nicht ganz mit Burton durchgehen. Leider übertreibt es Burton meines Erachtens auch dieses Mal trotzdem ein ganz klein wenig. Die Fabrik war mir etwas zu klebrig, die Farben etwas zu grell, die Songs zu süss… und irgendwie kam der Rest des Films nicht ganz mit. Nur um mich nicht falsch zu verstehen: Niemals möchte ich etwas gegen den einzigartigen Stil Burton´s sagen, aber seine Trefferquote beim Publikum (und damit meine ich primär mich, mich, mich) ist mit ´Batman´, ´Mars Attacks´ oder ´Sleepy Hollow´ leider einfach zu tief, da mich seine meisten Filme eben nicht auf der ganzen Linie überzeugen können, und sei es nur um Haaresbreite. Aber das ist nun mal mein Problem.

Weiterempfehlen kann ich ´Charlie and the Chocolate Factory´ auf jeden Fall jedem, und ich werde wohl nicht der Letzte sein, der von diesem Streifen Film mit unzähligen Ideen und einigen mehr als netten Einfällen positiv überrascht gewesen sein wird. (Hurra, Premiere: Ich glaube soeben habe ich das erste Mal auf meiner Website bewusst Futur 2 eingesetzt.)

The Island

The IslandJetzt mit noch mehr Ewan! Hurrraaa!

Niemand hat wohl das Hollywood-Kaboom-Action-Kino der 80 und 90 Jahre so wegweisend beeinflusst wie das explosive Produzentenduo Jerry Bruckheimer und Don Simpson. Knaller wie ´Beverly Hills Cop´, ´The Rock´, ´Top Gun´, ´Days of Thunder´, ´Bad Boys´ oder ´Crimson Tide´ entstanden unter den Fuchteln dieser zwei furiosen Actionvirtuosen. Über Anspruch moralischen Wert dieser Knaller lässt sich streiten (aber bitte nicht mit mir), der Einfluss der unverkennbaren Bildsprache und -Dynamik ist jedoch bis heute in Kino, Werbung und Videospielen wieder zu finden. Kein Wunder, wählten die beiden doch des Öfteren erfahrene Werbefilmer als Regisseure ihres Vertrauens. So auch Michael Bay, der für einige der wohl besten und spektakulärsten Streifen der Bay/Bruckheimer Universums verantwortlich ist (´The Rock´, ´Armageddon´, ´Bad Boys I + II´, ´Pearl Harbor´). Unter seiner Federführung wurde immer wieder ein funktionierendes Gleichgewicht aus Action, Pathos, Musik, F/X, Score, Schwindel-erregenden Schnitten und Kamerafahrten und ebenso soliden wie süffigem schauspielerischem Tuns gefunden, was die meist doch eher seichten Themen und Geschichten erst zum üppigen Entertainment-Genuss machte und so vermögen diese Kracher bis heute zu fesseln und zu unterhalten.

Als Don Simpson 1996 nach ´The Rock´ endgültig Schnee von gestern geworden war, die Filme von Bruckheimer jedoch nichts an Dynamik, Virtuosität und vor allem Action einbüssten, war man schnell versucht, den Geschichten zu glauben, dass das ´Work´ im Teamwork von Bruckheimer und Simpson wohl doch eher Bruckheimer zuzuschreiben war als dem als hedonistisch geltenden Don Simpson. Die Bruckheimer Filme der ´neuen´ Generation schienen im Gegenteil noch an Drive und an Geschwindigkeit gewonnen zu haben. Dramaturgisch leistet sich der Meister zwar immer wieder den einen oder anderen Patzer und nicht selten enttäuschen die ganz gross angekündigten Knüller, man denke nur an ´Gone in 60 Seconds´, oder die unsäglichen ´King Arthur´ und ´National Treasure´ (Dessen Fortsetzung auch immer mehr Gestalt annimmt, warum auch immer).

Nun lässt ´The Island´ das kreative Verhältnis von Bruckheimer und Bay in etwas neuem Licht erscheinen. Mit diesem Sci-Fi Thriller kann Michael Bay endlich beweisen, was er ohne seinen ´Patenonkel´ Bruckheimer hinkriegt. Das Resultat beeindruckt abgesehen von einigen wenigen Längen voll und ganz. ´The Island´ ist ein Actionkracher, den ich bis anhin als typischen Bruckheimer Film bezeichnet hätte; das ganze Programm samt Steve Buscemi, tollem Soundtrack, Effekten, schönen Bilder, Zeitlupen und dynamischen Kamerafahrten… nur eben ohne Bruckheimer.
Sollte ich bis anhin die Lorbeeren fälschlicherweise dem Produzenten anstelle des Regisseurs Bay zugeschrieben haben, oder hatte Bruckheimer einen solch immensen Einfluss auf Bay, dass die Unterschiede zu dessen Filmen in Stil und Tempo nur marginal erscheinen? Es wird sich zeigen, ob Bay auch unter Dreamworks und Spielberg als Executive Producer so konstant Unterhaltung in bester Qualität abliefern kann (´Transformers´). Ich hoffe es, denn ´The Island´ stellt sich der bis jetzt beste Popcornmovie dieses Kinosommers vor und lässt Hoffnungsträger wie ´War of the Worlds´ und ´Fantastic Four´ hinter sich.
Bay´s ´Erstling´ kommt auf der ganzen Linie gelungen daher. Handwerklich wie immer top, setzt der Meister mit dem feinen Gespür fürs Grobe wie so oft auf alte Bekannte wie Steve Buscemi (Peter Stormare konnte wohl grade nicht), Shawnee Smith oder Michael Clark Duncan sowie den unvergleichlichen Ewan McGregor, den man gar nicht genug lobhudeln kann und die ebenso wunderbare Scarlett Johansson, von der sich noch viele Kolleginnen eine Scheibe abschneiden könnten. Ewan McGregor singt zwar leider nicht, dafür kommt er gleich doppelt vor, und einer ist besser als der andere; der Mann scheint einfach Spass an seinem Job zu haben,… einfach herrlich. Ein routinierter Sean Bean, der überzeugende Djimon Hounsou und ein mehr als gelungener Score (bei dem wiederum der Einfluss von Hans Zimmer unüberhörbar ist) und zudem das frechste und zudem cleverste Product Placement seit langem vervollständigen das Ganze und machen ´The Island´ zu DEM Kinospass des Sommers.

Zwar habe ich irgendwie das Gefühl, dass man ´The Island´ zu unrecht so schnell wieder vergessen haben wird wie die kritischen Ansätze zur Stammzellenforschung, die am Rande von ´The Island´ gemacht werden, der Streifen ist und bleibt jedoch ein Leckerbissen für alle Fans des Popcorn Kinos und sei allen Anhänger der ganzen Dogmafilmerei ans Herz gelegt, denn hier erlebt man einmal mehr, wie ein Film auszusehen hat, und dass man fürs gleiche Geld auch mehr kriegen kann als eine vermieste Stimmung und verwackelte Bilder.

Fantastic Four

Fantastic FourFlame on! It´s clobberin´ time! I feel thin… sort of stretched, like butter scraped over too much bread. […]

Nun ist ja das Betreiben einer Website nicht gerade Hirnchirurgie, der Host ist nicht unbedingt eine Instanz der objektiven Konsequenz und in einer von Kurzlebigkeit und Hektik geprägten Zeit, in der man sich zum 5. (und sicher nicht letzten Mal) die Star Wars Trilogie, diesmal auf DVD, besorgt oder sich das ´White Album´ nach Vinyl, Kassette, CD, Laserdisc, DVD nun doch noch als mp3 (Glückwunsch an dieser Stelle zum Zehnjährigen des Standards ans Fraunhofer Institut) herunterlädt, ja in dieser verrückten Welt kann es schon mal passieren, dass beim Vergleich zweier Sommerblockbuster, die unterschiedlicher nicht sein könnten*, der eine ein Spielbergismus, der andere eine Comicverfilmung ein Unentschieden herauskommt. How come? (* Die beiden Filme könnten sehr wohl unterschiedlicher sein, aber ´die unterschiedlicher sehr wohl sein könnten´ würde noch seltsamer tönen. Hier übrigens noch die übrig gebliebenen Interpunktionen aus vorangegangenem Text: ,..,,….,.,..!. So zurück zum Wesentlichen und mal schau, was die Syntax so macht, wahrscheinlich nicht viel.)

Solche unverhältnismässigen Bewertungen stimmen ja im Grunde schon etwas nachdenklich und die Frage stellt sich, ob hier nicht Glaubwürdigkeit und Integrität aufs Spiel gesetzt werden. Glaubwürdigkeit und Integrität? Für solche Absonderlichkeiten haben wir auf nidwirkli.ch weder Zeit noch Geld.
In der Startaufstellung der Kassenschlager haben wir diesen Sommer auf der einen Seite ein ambitioniertes sorgfältig ausgearbeitetes Werk von Steven ´Peach Schnapps´ Spielberg, das knapp aber begründet den Titel Meisterwerk verfehlt und auf der anderen Seite ein mieses, kleines, wirklich ziemlich schlechtes Stück Zelluloid, das den Namen ´Fantastic´ nicht verdient, und was sagt die Bewertung auf der Kinokritikenseite deines Vertrauens dazu? Für beide Streifen gleichermassen mittlerer Durchschnitt im gefühlten Rating sowie Respekt bzw. Sympathie in den B-Noten.

Unterhaltung ist schon eine komische Sache. Obwohl ich jedem, den es interessiert (und auch allen anderen in Hörweite) bestätigen würde, dass ´War of The Worlds´ der um Welten bessere Film als ´Fantasic Four´ ist, vermag der Letztere trotz Mängeln in so ziemlich allen Bereichen auf weite Strecken zu unterhalten. Es ist eben so ein Ding mit Erwartungshaltungen: Ich hatte eine ziemliche Katastrophe erwartet, als ich den Kinosaal betrat. Man hatte doch so einiges schlechtes über ´Fantastic Four´ gehört. Und die Konsequenz, mit denen die einzigen zwei Trümpfe im Film verspielt werden (Man steckt Julian McMahon in eine Maske und macht Jessica Alba unsichtbar… c´mon?!) liess einen doch eher ratlos. Aber ist es nicht so, dass gerade in der salzigen Erde der absoluten Erwartungslosigkeit nur allzu oft ein Pflänzchen, das da heisst ´angenehme Überraschung´ aus der vernarbten Knospe des Understatements spriesst? (Uff, das war aber haarscharf am Pulitzer vorbei.) Im Falle von ´Fantastic Four´ ist dies der Fall, und Gefühl schlägt Verstand. Und Hand aufs Herz: Wenn Jessica Alba sich auszieht, ist doch egal, wenn die Logik des Films dabei flöten geht… Tschüss, soeben haben Literaturpreis und Niveau gemeinsam das Gebäude verlassen und die Frage, ob man schon in jungen Jahren Altherrenfantasien haben kann, bleibt zurück. [Hier je nach Wunsch ratloses Schweigen oder empörtes Kopfschütteln einfügen.]

Vor allem die doch recht witzigen Dialoge schaffen es, von der cinematischen Belanglosigkeit des Films abzulenken. Man merkt zwar ziemlich schnell, dass man sich hier qualitativ in vollkommen anderen Sphären als z.B. im grandiosen ´Batman begins´ wieder findet, trotzdem macht der Streifen irgendwie Spass. In Endeffekt hindern einem nur die Hauptcharaktere daran, gelangweilt den Kinosaal zu verlassen. Das sorglose Spiel des Quartetts vermag über die Länge des Films zu unterhalten. Belanglos zwar, aber nett. Allen voran Chris Evans (der mich die ganze Zeit irgendwie an Owen Wilson erinnerte) als Johnny Storm und Michael Chiklis (Ben Grimm), der trotz Gummigewand irgendwie sehr überzeugend daherkommt. Zwar hätte ruhig jemand Julian McMahon sagen, können, dass er den Film nicht so ernst nehmen soll, (falls er überhaupt gemerkt hat, dass dies keine Episode von ´Nip/Tuck´ ist.), aber jemand muss nun mal den Bösewicht spielen. Wäre ich nicht gerade in guter Ferienstimmung, müsste ich mich an dieser Stelle übrigens über die Art und Weise auslassen, wie unsachgemäss mit der Figur des Victor von Doom umgegangen wird und wie wenig der Charakter der Verfilmung meiner Meinung nach mit dem Comic zu tun hat. Wenigstens wurde wenigstens eine Variante der klassischen ´I´m leaving the Fantastic Four´ Handlungsstrangs angespielt, sonst hätte echt was gefehlt.

Aber lassen wir das mal und finden uns damit ab, dass in Zukunft Comicverfilmungen wohl in verschiedenen Klassen daher kommen werden. Einerseits als Event Movies erster Klasse, die sich, im Stile von ´Batman begins´ oder ´Spiderman´, bemühen, nicht nur als Umsetzung eines Comics eine gute Figur zu machen, sondern auch ein filmisch ein solides Erlebnis zu garantieren und andererseits eben der ganze Rest, der mehr Komik- als Comic ist, mehr Cartoon mit lebendigen Schauspielern als ernstzunehmendes Kinofilm, der den Namen auch verdienen würde. Wir werden sehen, zu welcher Kategorie ´Sin City´ gehört.

Kingdom of Heaven

Kingdom of HeavenHeaven. I´m in heaven, And my heart beats so that I can hardly speak.

Und ich dachte schon, meine Website hätte internationalen Ruf erreicht: Da kommentiere ich einen Schauspieler mal nicht ganz so nett wie üblich, in diesem Fall Lorenzo Lamas in der ‚The Merchant of Venice’ Kritik, und voilà, schon einige Wochen später reist der Betreffende in die Schweiz. Es hat sich dann herausgestellt, dass er und andere internationale Stars, oder besser gesagt, er und einige internationale Stars in die Schweiz zur Rose d’Or eingeflogen wurden. Dieses Missverständnis würde den Host natürlich niemals von seiner redaktionellen Pflicht abhalten, so gemeine und einseitige Kritiken wie möglich zu verfassen, wenn dies dann nötig ist. (oder auch einfach aus purer Bosheit), doch der aktuelle Film, ‚Kingdom of Heaven’ ist leider etwas allzu durchschnittlich, um mit dem ganz grossen Geschütz aufzufahren. Drum bleib ich mal brav und schreib mal so vor mich hin, was mir so einfällt:

Erstens: Nix neues im Westen, oder in diesem Fall im Nahen Osten: Man hat so ziemlich alles aus ‚Kingdom of Heaven’ schon mal gesehen. Ich weiss, ich weiss, genau diesen Punkt habe ich in der ‚Sky Captain and the World of Tomorrow’ Kritik als positiv bewertet, aber da war’s mehr eine Art Hommage.

Nachdem ‚Gladiator’ die Lanze für Sandalenfilme und ähnliches gebrochen hat, hat man eben nach der x-ten Version das ganze Trara, das als Entschuldigung für epische CGI-Schlachten herhalten muss, mal gesehen. Irgendwie interessiert mich das geschichtliche Gedudel einfach zu wenig, oder dann ist’s einfach die Ausführung. Kann zwar fast nicht sein, denn handwerklich ist ‚Kingdom of Heaven’ grundsolide, ja sogar besser, schliesslich steckt ja Ridley Scott und Branko (Lustig, nicht war?) dahinter. Irgendwas fehlt mir einfach, um mich vom Sockel zu stossen. Ups, freud’scher Versprecher. Ich meinte ‚aus den Socken zu hauen’.

Zweitens: Nix neues im Westen oder in diesem Fall im Nahen Osten (Man sieht: Auch schlechte Wortspiele gewinnen im Wiederholungsfall nicht unbedingt an Qualität.): Liam Neeson (Gesundheit!) als väterlicher oder eben fördernder Vater, David Thewlis in der Rolle der zweiten Garde (zu Unrecht, diese Stimme gehört gefördert), Jeremy Irons als prinzipienstarker Ritter (auch von seiner Stimme kann ich nicht genug hören), Brendan Gleeson als Hitzkopf: Das kommt einem eigentlich auch alles ziemlich bekannt vor. Doch diesen Punkt will ich mal nicht negativ gewichten, schliesslich helfen einem diese Charaktere grösstenteils über einige unübersehbare Längen im Film hinweg. Vielleicht komme ich ja bei der ‚Batman Begins’ Kritik wieder auf Liam Neeson (Warum benennt jemand seinen Sohn nach einem Auto? (Ich entschuldige mich für diesen billigen, aus ‚A Fish called Wanda’ gestohlenen Kalauer. Danke.) zurück.

Drittens: Nix neues im Westen oder in diesem Fall im Nahen Osten (Was hab ich gesagt?) Die Musik ist so was von nicht originell und/oder gestohlen, das gibt’s gar nicht. Es scheint als hätte Ridley Scott den Auftrag gegeben, einen möglichst neutralen Score aus den Soundtracks seiner vergangenen Filmen zu mixen. Nach dem Motto: ‚Hör mal, Harry Gregson-Williams. Komponier mal schnell was ganz neues, das tönt wie Hans Zimmer, aussieht wie Hans Zimmer und schmeckt wie Hans Zimmer und misch etwas Klaus Badelt hinzu.’ Der Rest des Soundtracks ist zusammengestohlen aus ‚Blade II’ ‚The 13th Warrior’, ‚The Crow’, und ‚Hanniball’. Traurig, traurig, ich meine, das sollte doch ein Blockbuster sein, grosses Event-Kino; und dann so was. Wenigstens wurden die Schlachtszenen neu gedreht und nicht aus ‚Troy’ und ‚King Arthur’ zusammengeschnippelt.

Viertens: (Naaaa, reingefallen, all ihr pawlow´schen Hunde da draussen?)
Die fingerspitzengefühlige (kein Quatsch: das vorangegangene Wort wurde von der word’schen Autokorrektur nicht beanstandet) Behandlung des ‚Clash of the Civilization’ –Themas nach Samuel P. Huntington seitens Ridley Scott hat Beachtung verdient: Die Muslime kommen sehr gut weg, die Christen nicht ganz so gut. Und Orlando Bloom ist ein ganz ein Lieber. Fertig. Ist das nun brisant oder wie? Ach, Quatsch, ich werde mich doch (so kurz nach ‚The Merchant of Venice’) nicht schon wieder auf dieses Thema einlassen.

Fünftens: Nun mal eine kurze Pause: Ich fand den Film gar nicht so schlecht, wie es jetzt wahrscheinlich den Anschein macht. Ich könnte ‚Kingdom of Heaven’ den ganzen Tag, ja was schreib ich, das ganze Wochenende durch ein Bahnhofklo hinunterspühlen und der Film würde noch immer nicht so nach Scheisse stinken wie ‚Troy’ und ‚King Arthur’ zusammen. Eigentlich ist ja bei ‚Kingdom of Heaven’ alles vorhanden: Sehr interessante Story, tolle Schauspieler, nette Effekte, solide Montage. Der Film vermochte mich aber trotzdem weder zu fesseln noch zu überzeugen. Aber für den Sonntagnachmittag reicht’s allemal. Zudem kann ich alle, die diese Kritik in diesem Moment im Kino sitzend auf ihrem Laptop zu sich führen, beruhigen: Der Film wird gegen Ende immer besser. Das ganze gewinnt an Dynamik, Action und Drama. Und das ist doch schon mal was Feines.

Sechstens: Nun zur Abteilung: ‚Ach was ist der Host doch für ein cleveres Kerlchen.’ Wir kommen zur cinematografischen Notiz: Ich verrate nicht zuviel, wenn ich hier beschreibe, wie der Protagonist Balian in seiner Schmiede am Anfang der Story sein frisch geschmiedetes Schwert in kühlem Wasser härtet. Der eine oder andere kritische Leser wird sich nun fragen, was denn daran cinematografisch betrachtet sein soll? Lasst mich das ganze interpretatorisch (nein, nicht predatorisch) umformulieren: ‚Balian kühlt zu Beginn des Filmes in einer Art Vorblende das heisse Eisen der religiösen Konflikte im kühlen Nass der Völkerverständigung.’ Gut was? So, jetzt bekomm ich entweder den Marcel Reich-Ranicki Gedenkpreis (Nach meiner ‚The Merchant of Venice’ Kritik eher unwahrscheinlich) oder meine Hybris hat soeben meinen letzten Leser vertrieben. (Und wer nicht weiss, was Hybris ist, soll gefälligst im Lexikon nachschauen oder danach googlen.) Uups, nein; JETZT ist mein letzter Leser abgesprungen.

Und nur so der Vollständigkeit halber schliesse ich mit Punkt Sieben: Edward Norton hat wohl die undankbarste Rolle seiner Karriere. Ich kann mir das Studio oder seinen Manager oder wen auch immer geradezu vorstellen: ‚Doch, doch, Edward, wenn Du die ganze Zeit eine Maske trägst, kannst Du beweisen, was wirklich für ein Schauspieler in dir steckt, wenn Du auf die Mimik verzichten musst!’ Er tut mir fast leid.
Was? Orlando Bloom? Ja, der hat auch mitgespielt, aber das muss ja nicht unbedingt etwas schlechtes sein.

War of the Worlds

War of the WorldsTja fast, aber knapp daneben ist auch vorbei. Schooooode!

Da ist er also: DER Blockbuster des Jahres. ´War of the Worlds´. Und ist all die Aufregung im Vorfeld gerechtfertigt? Darauf kann die Antwort nur lauten: ´Jein´.
Positiv: Der Film fängt unglaublich intensiv an und kann diese Spannung bis zur Pause problemlos halten. Indem Spielberg nach einem furiosen Auftakt mehr verbirgt als er dem Zuschauer zeigt, scheint es permanent, als spiele sich die eigentliche Handlung immer knapp unter der Oberfläche ab. Man weiss, da brutzelt was, gleich hinter Tom Cruise, oder im Nebenkino, oder irgendwo, ganz in der Nähe, und wenn die Kamera doch nur ein kleines bischen mehr nach links schwenken würde, könnte man auch sehen, was denn da so kracht. Meist ist man dadurch geradezu gequält, gleichzeitig weiss man aber auch, dass eben dies den Reiz des Filmes ausmacht. Diese Art, meist mehr anzudeuten als zu zeigen, kennt man zwar schon aus M. Night Shyamalan´s ´Signs´ und obwohl die Technik bei ´War of the Worlds´ nicht so konsequent durchgezogen wurde, funktioniert´s auch hier vorbildlich – zumindest am Anfang. Alles andere hätte wahrscheinlich nur ein lauwarmer Aufguss von ´Independence Day´ gegeben was wohl eher uninteressant gewesen wäre. (Obwohl ich gerne wissen würde, wie Spielberg den Film als klassisches Desastermovie inszeniert hätte).

Das alles soll nicht heissen, dass es keine Aliens zu sehen gäbe! Im Gegenteil. Zum Auftakt des Filmes krachts mal eben so gewaltig, das einem dank phänomenalem Sound so richtig in die Knochen fährt, und dann gibt´s von aber ganz miiiiiesen Aliendingens so was eins auf´s Dach, aber hallo. Womit der Höhepunkt des Filmes auch schon hinter uns liegen würde. Zwar findet Spielberg in der ersten Hälfte ein spannendes, ausgeklügeltes Gleichgewicht zwischen sich abwechselnder Action, Paranoia, und den stillen Momenten, viel kommen tut aber nach dem ersten Akt nicht mehr, auch wenn´s zwischendurch wieder ziemlich kracht. Sicher, die Geschichte um die Rumpf-Familie von Dakota Fanning und Tom Cruise in den Mittelpunkt zu stellen ist ja schön und gut, der Kniff bleibt aber leider Mittel zum Zweck, um es eben etwas Menscheln zu lassen und nicht einen typischen Katastrophenfilm zu haben. Tom Cruise stört dabei übrigens auch nicht gross, glänzt aber irgendwie auch nicht so, wie es seine grinsenden Zähne sonst tun, obwohl er sich auch in diesem Film wie meistens vom Saulus zum Paulus wandelt. Vielleicht mochte er sich auch nicht so Mühe geben, weil er lieber in einer Adaption von L. Ron Hubbard´s ´Battlefield Earth´ mitgespielt hätte als einer Verfilmung vom H.G. Wells Klassiker – Aber das hat zum Glück John Travolta schon grandios in den Sand gesetzt.

So, wie gesagt, ´War of the Worlds´ ist zu Beginn das spannendste, was ich dieses Jahr gesehen habe (ausgenommen vielleicht dem Grand Prix von Indianapolis). Aber jetzt kommt das grosse Leider: LEIDER vermag es Spielberg nicht, dieses erst so gelungene Katz und Maus Spiel zwischen der Familie Cruise und den Aliens, beziehungsweise dem Film und den Zuschauern nicht auf wirklich geniessbarem Niveau zu halten. In der zweiten Hälfte verebbt die Spannung und man fragt sich langsam, wo die Story eigentlich hinführen soll, wenn Sie überhaupt irgendwo hinführen soll. Abgesehen davon weiss man wahrscheinlich schon aus dem Buch (welches ich übrigens aus wahrscheinlich ähnlichen Mängeln ungelesen zur Seite gelegt habe), wie der Film endet. Allzu viele Variationen gibt´s ja wohl eh nicht.

Insgesamt betrachtet ist ´War of the Worlds´ schlussendlich leider ein Zwitter in Sachen Qualität, so als würde man ´Schindler´s List´ das unendlich elende Ende von ´A.I.´ anhängen. Der Film bleibt ein sehr interessanter, eigentlich sehenswerter Streifen, der mehr sein will, als er ist, aber beim grandiosen Versuch auf halber Strecke liegen bleibt. Ein Grund dafür ist mitunter sicher auch die ziemlich simple Buchvorlage. (Sein wir ehrlich: Ohne Orson Welles´ Aufsehen erregendes Hörspiel wäre das Buch wohl schon lange in der Versenkung untergetaucht oder hätte wenigsten still das Ansehen eines Klassikers genossen.

Fazit:
1. War of the Worlds hätte der eindrücklichste Film des Jahres werden können,… wenn nach der Pause nicht noch mehr kommen würde.
2. Wenn solche undankbaren Rollen wie in ´War of the Worlds´ das einzige ist, für das Tim Robbins nebst seinen politischen Aktivitäten noch Zeit findet, sollte er besser als irgendwas kandidieren und den Schauspielerjob ganz an den Nagel hängen.
3. Wer den neuen ´King Kong´ Trailer in nächster Zeit auf der grossen Leinwand sehen will, kommt ohnehin nicht an ´War of the Worlds´ vorbei.

Mr. & Mrs. Smith

Mr. & Mrs. SmithMr. & Mrs. Mist

Man sagt ja, man sollte immer das Positive sehen: ´Mr. & Mrs. Smith´ enttäuschte mich nicht. Aber auch nur, weil ich im Vorfeld so gut wie keine Erwartungen in den Film hatte. Leider heisst das nicht, dass der Film darum schneller vorübergeht. Im Gegenteil: ´Mr. & Mrs. Smith´ scheint kein Ende zu nehmen. Eine Belanglosigkeit jagd die nächste und mit jeder Einstellung fragte ich mich mehr, ob denn wirklich jemand an dieses Drehbuch geglaubt hat oder ob man einfach den Pitt und die Jolie in ein und denselben Film packen wollte. (Halloo, das hat doch schon bei ´The Mexican´ nicht wirklich funktioniert.)
Anfangs bildete ich mir noch ein, in bester Billy Crystal und Meg Ryan Manier hätte sich da was ´When Harry Met Sally at Checkpoint Charly´-mässiges entwickeln können. Doch der Film dümpelt so unmotiviert von Beziehungskistengedöns zu Actionszene, dass man sich fragt, was das Ganze denn soll. Ich bin ja sonst eher zurückhaltend mit solchen Fragen, aber was sollte uns der Film denn bitteschön sagen? Mir käme ja beispielsweise bei einem Bruckheimer Film auch nie in den Sinn, nach eben diesem zu fragen, aber dort ist wenigsten die Action virtuos inszeniert. Was einige Michael Bay typische Kamerafahrten übrigens in ´Mr. & Mrs. Smith´ zu suchen hatten, ist mir schleierhaft. Also nur ein weiteres unpassendes Element in einem lahmen Mix aus Romanze und Action.

Wahrscheinlich sah das Rezept auf dem Papier wirklich gut aus: Zwei Sexsymbole jagen sich durch Explosionen und Bettlaken und leiern zwischendurch einige wirklich gut gemeinte Dialoge beim Eheberater herunter. Leider funktioniert die Mischung nicht, und der Host fing wieder mal an zu fantasieren:
So wünschte ich mir nach den ersten 30 Minuten, dass plötzlich Jenniffer Aniston und die gesamte Crew von ´Friends´ in´s Bild stürmen, den Film an sich reissen, ihn zur Season´s Finale Doppelfolge erklären und Pitt und Jolie zu Gaststars degradieren. Wenigstens wäre der Spuk dann nach 60 Minuten vorbei. Und wenn wir schon dabei sind, könnte Ben Stiller, Owen Wilson und Will Ferrell auch noch gleich mitmischen und Vince Vaughn dabei unterstützen, dem Film irgendwie was Sehenswertes oder wenigstens etwas derben Humor zu verleihen.
Doch leider passierte nichts von alledem und das wohl unterkühlteste Paar seit Walter Matthau und Jack Lemmon rannte weitere 90 Minuten durch explodierende Autos, explodierende Zelte, explodierende Hochhäuser, explodierende Kaufhäuser und noch mehr explodierende Autos. Natürlich stellenweise in Zeitlupe, nur um das Erlebnis noch zu verlängern. Danke!
Das schönste und zugleich traurigste im Film war das Placement eines ´Fight Club´ T-Shirts. Einerseits wurde ich dadurch daran erinnert, dass Brad Pitt ja eigentlich supertolle Filme macht, wenn man ihn lässt. (Wäre wieder mal Zeit, zum Glück gibt´s ab und zu ja einen ´Ocean´ Film), andererseits merkte ich, wie belanglos der Film tatsächlich ist, wenn es ein T-Shirt schafft, meine Aufmerksamkeit bis zu den Credits an sich zu binden.

Bei solch unausgegorenen Mischungen gibt´s nur eins: Säuberlich Romanze von Action trennen und in die Mülltonne damit.