The Brothers Grimm

The Brothers GrimmEs war einmal…

…vor nicht allzu langer Zeit ein Regisseur, der war so imaginär, so eigensinnig, so innovativ, dass niemand seine Trickfilme bei Monty Python lustig fand. Ziemlich schräg und immer den Anschein erweckend, als stecke mehr dahinter, man auf den ersten Blick mitbekommen konnte. Seien dies nun der menschenfressende Kinderwagen oder der wohl bekannteste Clip, der riesige Fuss, der unmöglichen Beiträgen bis heute ein vorzeitiges Ende beschert, die Animationen von Terry Gilliam wurden irgendwie Kult, obwohl ich wohl nicht der einzige bin, der zugeben muss, dass ich seine Beiträge nie verstanden, geschweige denn, komisch fand.
Soviel zur Gotteslästerung; aber was soll´s, ich bin noch immer etwas knurrig, dass nidwirkli.ch weder in der Forbes Liste der 100 Reichsten auftauchte, noch den diesjährigen Friedensnobelpreis gekriegt hat. Baradei, Schnaradei, sag ich da nur.
Züruck zum Thema: Mal von seinen Animationen, die wohl nur den wirklichen Insidern Vergnügen bereiten, abgesehen, weiss ich das Schaffen des einzigen Amerikaners in der sonst 100% britischen Monty Python Komikertruppe um John, Paul, George, Ringo und eben Terry wirklich zu schätzen. Vor allem seine stets ebenso schrägen wie melancholischen Märchen wie ´Brazil´, ´Time Bandits´, ´The Fisher King´ oder mein persönlicher Favorit ´Twölf Monkeys´ wussten mich stets zu begeistern und in ihren Bann zu ziehen. Mit jedem Film schuf Gilliam eine stilistisch wie inhaltlich sehr eigenwillige Welt, die einem zu verzaubern wusste. Nie zweifelte ich auch nur einen Moment daran, dass diese so typischen Bilder und Geschichten den Meister Gilliam nachts in seinen Träumen verfolgten und dass er wie gegen Windmühlen gegen die Studiobosse ankämpfen musste, um seine Version der Filme auch auf die Leinwand bringen zu können. Obwohl sonst nicht sonderlich an solchen Stories hinter der Leinwand interessiert, hatte ich immer das Gefühl, gerade diesen Kampf von Gilliam gegen den Rest der Welt merkte man den Filmen schlussendlich irgendwie an, was sich an ihrer Besonderheit und ihrem eigenwilligen Charakter widerspiegelte. Sogar den bösesten Flops wie ´Munchhausen´ oder dem nie fertig gestellten ´Don Quixote´ (wie immer man das auch schreibt), merkt man diesen Gilliam´s Bemühungen an, und auch wenn die Filme als ganzes nicht funktionieren, oder gar nie in die Kinos kamen, riecht man doch den Schweiss und die Anstrengung, die er in diese Werke gelegt hat, um es eben nach seinem Kopf zu haben. Dieser Schweiss war meist das Salz in der Suppe, welches die sonst doch eher untypischen Filme zum ebenso emotionalen wie visuellen Erlebnis machten.

Doch was ist nun passiert? Zuviel Geld? Drogen? Das Alter? ´Brothers Grimm´ hinterlässt bei mir einen ähnlich faden Nachgeschmack wie die letzten Produktionen des Enfant Terrible auf der anderen Seite von Hollywood: Tim Burton. Mal davon abgesehen, dass ´Brothers Grimm´ weder dramaturgisch noch sonst wie funktioniert, fehlt das typisch Gilliameske, was auch immer das sein mag, vollkommen. Der bittersüssen Nachgeschmack, den ich in ´Twelve Monkeys´ in der Schlussszene spürte? Das Mitgefühl, gepaart mit Verwunderung, welches trotz verstörend behaartem Robin Williams in ´The Fisher King´ in mir aufkam? Fehlanzeige.

Ich wünschte, ich könnte sagen, ´Brothers Grimm´ wäre ein besserer Film geworden, wenn er vor zehn Jahren mit einem Zehntel des Budgets entstanden wäre, aber wem nützen solche Spekulationen schon? Wohl kaum Heath Ledger oder Matt Damon, die sich durch die liebevoll gestalteten, aber letztendlich unbedeutenden Settings quälen. Nur der ewig verlässliche Peter Stormare hatte anscheinend wieder seinen Spass, aber was soll man sagen, verlangt von dem Mann einen Akzent, und er ist glücklich.

Grad seh´ ich dass der Matt Damon ja in diesen Tagen Geburtstag hat. Als persönliches Geschenk beende ich darum hiermit diese ach so dunkle Kritik und schliesse mit den wohl klassischsten und abgegriffensten Schlussatz überhaupt: … and they lived happily ever after…

Snow White

Snow WhiteSpieglein, Spieglein in der Hand, wer ist das zugedröhnteste Chick im Land?

Nun haben es ja einheimische Filme nicht gerade einfach auf nidwirkli.ch. Als Vertreter des anspruchslosen Unterhaltungskinos bin ich nicht selten das Opfer einer Art Phobie, wenn es um europäisches Kino im allgemeinen und Schweizer Filmen im besonderen geht. Zu oft für meinen Geschmack wird dort das triste, wahre Leben gezeigt oder noch schlimmer, Schicksale werden portraitiert und die sogenannten Meisterwerke werden von der Presse nur allzu schnell zu wertvollen Oevreus stilisiert, obwohl die Filme meist einfach nur anstrengend oder intellektuell-elitär sind.

Zumindest einem meiner sorgfältig gepflegten, obwohl schon längst überholten Vorurteile gegenüber dem Schweizer Film wird ´Snow White´ mehr als gerecht: Die erzählte Geschichte ist anstrengend; jedoch nicht, weil sie so anspruchsvoll, sondern einfach extrem negativ, ja fast depremierend ist. Selten hat mich ein Film so ungebremst heruntergezogen wie ´Snow White´. Doch welch Überraschung: Das wäre auch schon ziemlich das einzige, was ich als ewig Entertainment-Geschädigter an dem Streifen auzusetzen hätte, denn filmisch sowie dramaturgisch ist der Film absolut gelungen. Gerade weil alle erdenklichen Klischees aus Goldküste und Banlieu bedient und zementiert werden, weiss man gleich, wo man steht und was man zu erwarten hat. Die Geschichte kann sich so auf die beiden Hauptcharaktere konzentrieren und gewinnt gleichsam an Spannung und Emotion. An dieser Stelle kann ich es mir nicht verkneifen, Carlos Leal als absolutes Highlight des Films zu deklarieren. Obwohl auch beim Rest der Besetzung ein überaus glückliche Händchen bewiesen wurde, scheint mir eine besondere Erwähnung des Spiels des ´Sens Unik´ Frontmanns als gerechtfertigt.

Am meisten war ich vom oftmals ebenso gewagten wie verspielten Einsatz visueller Hilfsmittel erstaunt: Ich hätte eher einen stiefmütterlich- zurückhaltende Inszenierung erwartet, das Spektrum an gestalterischen Elementen lässt aber keine Wünsche offen, ohne je zu überladen zu wirken.

Wahrscheinlich ist es an der Zeit, mich endgültig von meinen Vorurteilen zu verabschieden und die letzten paar Jahre der Schweizer Filmgeschichte, von ´Der Komiker´ bis ´Sternenberg´ nachzuholen. Ab sofort werde ich den kleinen, unbekannteren und weniger kommerziellen Filmen mit mehr Respekt gegenübertreten, egal ob, diese Produktionen nun ´Grounding´ oder ´King Kong´ heissen.

Nochnoj Dozor – Night Watch

Nochnoj DozorAbt.: Russisch für Anfänger

Zu Beginn war ich noch positiv überrascht vom doch eher eigenwilligen Charakter von ´Nochnoj Dozor´. Dunkle, ebenso farblose wie verschwommene Bilder und einigen ziemlich untypischen Hauptcharakteren. Dies blieb aber leider neben einer recht simplen, aber dennoch irgendwie verwirrenden Story und einigen zugegebenermassen sehr originellen visuellen Einfällen so ziemlich alles, was ´Night Watch´ zu bieten hatte.

Gerade durch seine eher wirre Umsetzung in Bild und Montage konnte mich der Film anfangs noch in seinen Bann ziehen. Leider wurde auch das mit der Zeit etwas eintönig. Umso mehr, da die Story, die irgendwo zwischen ´The Matrix´, ´Highlander´ und ´Star Wars´ angesiedelt ist, gegen Ende eher Kopfschütteln und Verwunderung als Überraschung und Thrill auslöst.
Als ich gegen Ende des Filmes wieder erwachte, musste ich mit Entsetzen feststellen, dass dies tatsächlich erst der Anfang einer Trilogie gewesen sein sollte. Da hätte man sich wohl doch lieber mehr auf diesen einen Teil konzentriert, denn ich befürchte, viel mehr neues wird da wohl nicht mehr kommen.

Bei aller Mittlemässigkeit hat ´Nochnoj Dozor´ eine solche Wischiwaschi Review nicht verdient. Drum lass ich es mal gut sein und schliesse mit einem fröhlichen ´nastrovje´.

Stealth

StealthEin Mann und sein Flugzeug kämpfen gegen das Unrecht.

Ist es für eine Produktionsgesellschaft vertretbar, das die einzigen paar Szenen in diesem Actionkracher, die nicht in der Bluebox sondern tatsächlich an der fischen Luft entstanden sind und darum wohl Unsummen gekosten haben, einzig und allein dazu dienen, die Hauptdarstellerin Jessica Biel im Bikini zu zeigen? Der nidwirkli Qualitätssicherungsauschuss sagt dazu einstimmig: Jawohl! Hundertprozentig! Weiter so!
Eigentlich war der einzige Grund, warum ich mir ´Stealth´ überhaupt angetan habe, der, dass ich wieder mal einen richtig schönen Verriss schreiben wollte. Da dieser krude und ziemlich sinnfreie Mix aus ´Firefox´ (der von Clint Eastwood, nicht von Mozilla), ´2001 – A space Odyssey´ und allerlei anderen Versatzstücken aus Kriegs- Action und Abenteuerfilmen jedoch in einem gewissen Masse sehr wohl zu unterhalten weiss, spare ich mir die Energie und schreibe nur soviel: ´Stealth´ kann man sich getrost sparen. So sehr ich es Josh Lucas auch gönnen würde, in die Fussstapfen von Tom Cruise zu treten, wie es in den Medien so gerne berichtet wird, ich glaube nicht wirklich, dass ihm das mit ´Stealth´ gelingen wird. Und Jamie Foxx kann froh sein, dass er seinen Academy Award schon hat, denn so wirklich glänzen kann auch er in ´Stealth´ nicht.
Der Grund, warum der Film allen Schwächen zum trotz wohl doch unterhalten kann, ist wohl das Tempo des Filmes und die irgendwie sehenswerten Effekte, die zwar nicht ausserordentlich gut sind, aber wenigstens passen.
Obwohl die Truppe um Josh Lucas politisch korrekt Warlords und Terroristen und nicht kalte Krieger jagd, erinnert der Film doch irgendwie an die x-beliebigen Actionstreifen mit Michael Dudikoff oder Biehn aus den 80ern. Mein Verdikt darum: Im Kino meiden, und warten, bis der Film dort läuft, wo er hingehört: In´s Freitagnacht Spätprogramm eines deutschen Privatsenders… Sprechende Flugzeuge, also wirklich.

Cinderella Man

Cinderella ManSee you later Gladiator

Warum eigentlich wirken auf mich gute Sportfilme meist viel emotionaler als die nächstbeste Liebeskomödie mit Meg Ryan oder Richard Gere? An meinem Y Chromosom, von dem man sagt, dass es alle Männer zu sonntäglichen, biersaufenden Couchpotatoes macht, alleine kanns nicht liegen, denn mal von Sportfilmen abgesehen, interessiere ich mich prinzipiell nicht für Sport, zumindest nicht, wenn andere ihn ausüben. Es braucht normalerweise schon einen Torwart, der es gleich zweimal hintereinander auf die Blick-Titelseite schafft, bis auch ich mich ganz langsam für die Niederungen des Sportjournalismus zu interessieren beginne.
Aber sein wir ehrlich, die meisten Sportfilme weisen ja im Grunde dasselbe dramaturgische Muster auf: Einführung, Aufstieg, Fall, Endkampf, und der Triumph oder die heroische Niederlage zum Schluss. Dazu ein feiner Soundtrack und man kann eigentlich nichts falsch machen. Ob Baseball, Football, Eishockey oder eben Boxen. Perlen wie ´Rocky´, ´Jerry Maguire´ oder ´Any Given Sunday´ drücken da meist pathetisch aber gehörig auf die Tränendrüse. Sogar mittelmässige Filme wie ´Mighty Ducks´ oder ´Mystery Alaska´ vermögen einen irgendwie zu berühren, zwar meist nicht durch den sportlichen Inhalt, sondern durch Themen wie Freundschaft, Ehre, Rache, Stehvermögen, Vertrauen, usw.

Etwas weniger bärtig als in ´Mystery Alaska´ versucht nun Russel Crowe erneut, unsere Herzen mit einer Geschichte über Liebe, Hoffnung, Niederlage und Sieg zu erwärmen. Herausgekommen ist dabei ein extrem behäbiger Boxfilm, der in Sachen Gemächlichkeit und Lethargie den Vergleich mit ´Million Dollar Baby´ nicht zu scheuen braucht. Ich weiss, ich weiss, es ist wahrscheinlich nicht ganz korrekt, den Film als Boxfilm zu bezeichnen, und nur gegen Ende des Filmes entspricht ´Cinderella Man´ meiner oben genannten Definition eines Sportfilms. Der Film schlägt eher erneut in die Bresche des gleichsam spannenden und rührenden Biopic, die Ron Howard und Russel Crowe mit ´A Beautiful Mind´ geschlagen haben. Nur leider erreicht ´Cinderella Man´ zu keiner Zeit die Qualität seines Vorgängers in spe. Vielleicht wirkt der Hintergrund der grossen Depression in Amerika doch etwas zu kühl, oder die Geschichte um den Untergang und Aufstieg von James Braddock gibt zu wenig her. Umso mehr darum, da seine Bedeutung als ´Held der Arbeit´, der den Menschen während einer schwierigen Zeit Hoffnung gegeben hat, leider nur marginal behandelt wird. Da wirkte der durch den Central Park joggende Rocky Balboa, der die Massen hinter sich versammelte um einiges überzeugender.

Einige schön fotografierte Bilder und ein zugegeben gelungener Endkampf sind die Highlights des Films, doch bei über zwei Stunden Filmlänge ist das doch etwas zu wenig. Mein heimlicher Star des Films ist übrigens der böse Zwillingsbruder von Clive Owen, Craig Bierko, der die wohl sehenswerteste Nemesis gibt seit Daniel Day-Lewis als Bill The Butcher.

Crash

CrashDer Host mal ganz still und bedächtig…

Nach all den Zombies in ´Land of the Dead´ kamen mir der Facettenreiche ´Crash´ von Paul Haggis gerade recht. Sonst dem Kawumm- und Holzhammer- Action Kino nicht gerade abgeneigt, muss ich zugeben, ´Crash´ mich im Innersten berührte. Ohne moralinsauer zu werden oder es während zwei Stunden übermässig menscheln zu lassen, bietet der Film spannende, man könnte auch sagen angespannte Unterhaltung, interessante Story und grandiose Schauspieler, die gerade durch ihr relativ zurückhaltendes und schnörkelloses Spiel auf der ganzen Linie überzeugen. Schön, auch Sandra Bullock mal in einer ernsthaften Rolle zu sehen. Doch, doch, die Frau kann mehr als Busse zu Schrott fahren und Schönheitswettbewerbe zu gewinnen. Auch Brendan Fraser überraschte mich mit einer ungewohnt ernsten Performance. Don Cheadle, Matt Dillon und der Rest der sorgfältig ausgelesenen Truppe überraschten zwar weniger, boten aber ein nicht minder überzeugendes Spiel.

An dieser Stelle soll noch einmal betont werden, wie grandios es der Film schafft, seine Motive zu Vorurteil, Entscheidung, Hass, Neid, Moral und Menschlichkeit klar zu zeigen und darzustellen, ohne je mit dem Vorschlaghammer bestehende Klischees und Stereotypen in das pulsierende Setting von Los Angeles hämmern zu wollen.

Die Stadt der Engel scheint sich im Übrigen einfach unvergleichbar gut als Kulisse für Menschen und Ihre Schicksale zu eignen. ´Grand Canyon´, ´City of Angels´, ´Heat´, ´Collateral´ und nun eben ´Crash´. Die heiss-feuchte, angespannte, nur einen Funken vor der Entzündung stehende Atmosphäre schafft einen Hintergrund, vor dem die richtigen Schauspieler, zusammen mit dem passenden Score (ebenfalls grandios in ´Crash´) eine an Intensität kaum zu überbietendes Ganzes schaffen. Die aus ´Magnolia´ oder ´Short Cuts´ bekannte, Patchwork-artige Erzählstruktur verstärkt dabei das Erlebnis zusätzlich und hält die Dynamik des Films intakt, ohne den Spannungsbogen der Handlung zu beeinträchtigen.

´Crash´ – Endlich mal eine hundertprozentig positive Überraschung, welche die Vorschusslorbeeren in den Kritiken tatsächlich verdient und nicht verpasst werden sollte.

Land of the Dead

Land of the DeadGute Zombies, schlechte Zombies

Hier noch eine unbedeutende Kritik zu einem noch unbedeutenderem Film: Land of the Dead. Eigentlich ist es ja mehr eine Warnung als ein Review: ´Land of the Dead´ ist langweilig. Horrorfilme sind ja an sich nicht gerade mein Spezialgebiet, und bis auf einige Klassiker wie Freddy Krueger und Hellraiser kenn ich das Genre nicht allzu gut. So weit ich allerdings weiss, sollten Horrorfilme doch erstens mit Schockeffekten erschrecken und mit gelungenen Gags die Stimmung wieder aufheitern. Was in ´Dawn of the Dead´, dem 2004 Remake eines anderen George A. Romero Filmes so beispielhaft funktionierte (Ich sag nur Fahrstuhlmusik), fehlt in ´Land of the Dead´ leider gänzlich. Ausser unzähligen Kopfschüssen und einzelnen netten Ideen, wie man die Toten auf möglichst blutige Weise noch toter machen kann, hat der Film nix, aber auch gar nix zu bieten. Höchstens vielleicht einen ziemlich gelangweilten Dennis Hopper, der für Geld wirklich alles zu filmen scheint. (Irgendwie auch gar nicht so unsympathisch, da sieht man mal, dass Schauspielerei halt auch nur ein Job ist.) Nicht mal lustig ist der Film, und der offensichtliche sozialkritisch-marxistischen Subtext wirkt doch eher unbeholfen und belanglos.

Ich merk gerade, dass ich damals ´Freddy vs. Jason´ ebenfalls für fertigen Mist gehalten habe und frage mich, ob ich einfach zu wenig Fan des Genres bin und die ´…of the Dead´ Reihe von Romero nicht kenne. Für mich sind Horrorfilme die Streifen, die ich als Kind kaum zu schauen getraute, mich mitten in der Nacht in der stockdunklen Stube dann aber doch nicht davon losreissen konnte, als Synthesizer Musik den Auftritt des bösen Mannes ankündigte und irgendwelche Teenager durch Häuser gejagt wurden. In den Achtzigern kam das irgendwie einfach besser. Vielleicht bin ich inzwischen aber einfach nur zu abgebrüht oder ich verstehe das Konzept, wie man einen Zombie nochmals töten kann oder muss, einfach nicht. Hab mich grade in einem Forum informiert: Zombies muss man den Kopf abrupfen oder ähnliches, um sie unschädlich zu machen. Jetzt macht das ganze natürlich gleich viel mehr Sinn…

Sin City

Sin City…sometimes it means killing a whole lot of people.

Das wärs also gewesen. Der letzte Hoffnungsträger eines Hits für diesen Sommer: ´Sin City´. Und, wird die Comicverfilmung von Frank Miller und Robert Rodriguez seinen Vorschusslorbeeren gerecht? Kurz: Ja. Zwar vermag der Streifen in Sachen Unterhaltung und Rhythmus ´The Island´ nicht ganz das Wasser reichen, ein Schmuckstück sondergleichen ist ´Sin City´ trotzdem und das auf ganzer Linie. Eine konsequentere Comicverfilmung ist wohl kaum möglich als die meist in schwarz-weiss gehaltenen Bilder mit einzelnen Farbtupfern die tatsächlich enorm an den Comicstil erinnern. (Zumindest an das, was ich von Frank Miller´s Vorlage kenne, was nicht allzu viel ist.)

Ein ganzes Rudel an Top-Schauspielern, allen voran Mickey Rourke, der, glaubt man den Interviews sehr viel seiner eigenen Person in den Charakter des Rüpels Marv gibt, und natürlich Bruce Willis als Cop Hartigan. Und nicht zu vergessen, Jessica Alba, ein herrlich ungewohnter Elija Wood, ein kaum zu erkennender Benicio del Toro, der unvergleichliche Clive Owen, Michael Madsen mal wieder in einer anderen als seiner gewohnten Rolle als Killer und viele andere, nicht zu vergessen Jessica Alba.

Dieses ziemlich deftige, ebenso spannende wie intensive Stück man kann fast sagen Experimentalkino sollte man nicht verpassen. Die ganze Geschichte lebt zwar nur von Klisches, bekannten Mustern und archetypischen Charaktern, ist aber so gekonnt, stylish und konsequent umgesetzt, dass es einfach eine Freude ist, diesen Comic, der als Film Noir auf Extasy zum Leben erweckten Comic in seiner ganzen Intensität zu erleben. Und nicht zu vergessen: Jessica Alba ist auch mit von der Partie!

Charlie and the Chocolate Factory

Charlie and the Chocolate FactoryFür die einen ist es ein Oompa Loompa, für die anderen der kürzeste Hobbit der Welt…

Die Oompa Loompas, die kleinen, exotischen Arbeiter in Willy Wonka´s Schokoladenfabrik werden die Gemüter der Zuschauer wohl spalten. Diese kleinen widerlichen Kreaturen hätten wie zuvor nur Jar Jar Binks das Potential, das Publikum zu teilen in Leute, die sie unwiderstehlich süss finden, und solche, die es unwiderstehlich finden würden, diesen kleinen Säcken ihr dämliches Grinsen so lange aus der Fresse zu trampeln, bis ihnen dieses nervige, ewige Gesinge vergeht. Ich selber werde in dieser Sache natürlich keine Stellung beziehen, schliesslich soll sich der mündige Kinobesucher selbst ein Bild machen können, ohne schon vorbelastet in den Film zu gehen.

Vor Tim Burton´s Version der Umsetzung von ´Charlie and the Chocolate Factory´ wurden nebst der ersten Verfilmung der Schokoladenfabrik (1971, mit Gene Wilder) schon einige weitere Bücher des bekannten britischen Kinderbuchautors Roald Dahl verfilmt: ´James and the Giant Peach´, der irgendwie schon wie ein Klon von Burton´s ´The Nightmare before Christmas´ daherkam oder ´Matilda´. Übrigens hat er das Drehbuch zum James Bond Streifen ´You only Live Twice´ geschrieben. Weitere nicht ganz so exklusive Recherchen haben Informationen an den Tag gebracht, die mich nicht minder erstaunten: Denn ebenso wie für ´You only Live Twice´ hat Dahl auch das Screenplay zum Kinderfilm über ein wunderliches, fliegendes Auto, ´Chitty Chitty Bang Bang´ verfasst. Das bemerkenswerte dabei ist, dass er dies wiederum zusammen mit Ian Fleming getan hat. Ja, mit DEM Ian Fleming, der auch die Bond Romane verfasst hat. Und um das ganze noch zu toppen, wurde ´Chitty Chitty Bang Bang´ von Albert R. Broccoli produziert, dem Produzenten, der die meisten James Bond Abenteuer produziert hat. Macht irgendwie auch Sinn, denn wenn man´s recht bedenkt, könnte ´Chitty Chitty Bang Bang´ auch der Name eines Bond Girls sein. Womit wir wieder alles in kleine Schächtelchen verpackt hätten…

So, mal auf meinem Ticket nachschauen, für welchen Film ich denn überhaupt eine Kritik schreiben wollte,… ach ja, ´Charlie and the Chocolate Factory´.
Nach dem trotz Ewan McGregor irgendwie enttäuschenden ´Big Fish´ scheint Tim Burton zu Beginn des Films die Kurve voll und ganz erwischt zu haben. Leider kann er die Qualität wie so oft nicht bis zum Schluss halten. Das Märchen beginnt, wie gewohnt, märchenhaft und mit düsterem Unterton und führt die Charaktere sorgfältig und liebevoll ein, eingebettet in eine sehr schönes Production Design, untermalt mit Burton´s Haus-Musik von Danny Elfman. Der Zuschauer merkt ziemlich schnell, dass es sich bei der Story über eine typische moralische Geschichte handelt, ähnlich wie die Bücher von Dr. Suess, Alois Carigiet oder Wilhelm Bush. Tim Burton setzt das ganze glücklicherweise mit seiner unvergleichlichen Handschrift um und der herrliche ´Johnny Depp´ sorgt zusammen mit den restlichen, sehr überzeugenden Darstellern dafür, dass die Pferde dabei nicht ganz mit Burton durchgehen. Leider übertreibt es Burton meines Erachtens auch dieses Mal trotzdem ein ganz klein wenig. Die Fabrik war mir etwas zu klebrig, die Farben etwas zu grell, die Songs zu süss… und irgendwie kam der Rest des Films nicht ganz mit. Nur um mich nicht falsch zu verstehen: Niemals möchte ich etwas gegen den einzigartigen Stil Burton´s sagen, aber seine Trefferquote beim Publikum (und damit meine ich primär mich, mich, mich) ist mit ´Batman´, ´Mars Attacks´ oder ´Sleepy Hollow´ leider einfach zu tief, da mich seine meisten Filme eben nicht auf der ganzen Linie überzeugen können, und sei es nur um Haaresbreite. Aber das ist nun mal mein Problem.

Weiterempfehlen kann ich ´Charlie and the Chocolate Factory´ auf jeden Fall jedem, und ich werde wohl nicht der Letzte sein, der von diesem Streifen Film mit unzähligen Ideen und einigen mehr als netten Einfällen positiv überrascht gewesen sein wird. (Hurra, Premiere: Ich glaube soeben habe ich das erste Mal auf meiner Website bewusst Futur 2 eingesetzt.)

The Island

The IslandJetzt mit noch mehr Ewan! Hurrraaa!

Niemand hat wohl das Hollywood-Kaboom-Action-Kino der 80 und 90 Jahre so wegweisend beeinflusst wie das explosive Produzentenduo Jerry Bruckheimer und Don Simpson. Knaller wie ´Beverly Hills Cop´, ´The Rock´, ´Top Gun´, ´Days of Thunder´, ´Bad Boys´ oder ´Crimson Tide´ entstanden unter den Fuchteln dieser zwei furiosen Actionvirtuosen. Über Anspruch moralischen Wert dieser Knaller lässt sich streiten (aber bitte nicht mit mir), der Einfluss der unverkennbaren Bildsprache und -Dynamik ist jedoch bis heute in Kino, Werbung und Videospielen wieder zu finden. Kein Wunder, wählten die beiden doch des Öfteren erfahrene Werbefilmer als Regisseure ihres Vertrauens. So auch Michael Bay, der für einige der wohl besten und spektakulärsten Streifen der Bay/Bruckheimer Universums verantwortlich ist (´The Rock´, ´Armageddon´, ´Bad Boys I + II´, ´Pearl Harbor´). Unter seiner Federführung wurde immer wieder ein funktionierendes Gleichgewicht aus Action, Pathos, Musik, F/X, Score, Schwindel-erregenden Schnitten und Kamerafahrten und ebenso soliden wie süffigem schauspielerischem Tuns gefunden, was die meist doch eher seichten Themen und Geschichten erst zum üppigen Entertainment-Genuss machte und so vermögen diese Kracher bis heute zu fesseln und zu unterhalten.

Als Don Simpson 1996 nach ´The Rock´ endgültig Schnee von gestern geworden war, die Filme von Bruckheimer jedoch nichts an Dynamik, Virtuosität und vor allem Action einbüssten, war man schnell versucht, den Geschichten zu glauben, dass das ´Work´ im Teamwork von Bruckheimer und Simpson wohl doch eher Bruckheimer zuzuschreiben war als dem als hedonistisch geltenden Don Simpson. Die Bruckheimer Filme der ´neuen´ Generation schienen im Gegenteil noch an Drive und an Geschwindigkeit gewonnen zu haben. Dramaturgisch leistet sich der Meister zwar immer wieder den einen oder anderen Patzer und nicht selten enttäuschen die ganz gross angekündigten Knüller, man denke nur an ´Gone in 60 Seconds´, oder die unsäglichen ´King Arthur´ und ´National Treasure´ (Dessen Fortsetzung auch immer mehr Gestalt annimmt, warum auch immer).

Nun lässt ´The Island´ das kreative Verhältnis von Bruckheimer und Bay in etwas neuem Licht erscheinen. Mit diesem Sci-Fi Thriller kann Michael Bay endlich beweisen, was er ohne seinen ´Patenonkel´ Bruckheimer hinkriegt. Das Resultat beeindruckt abgesehen von einigen wenigen Längen voll und ganz. ´The Island´ ist ein Actionkracher, den ich bis anhin als typischen Bruckheimer Film bezeichnet hätte; das ganze Programm samt Steve Buscemi, tollem Soundtrack, Effekten, schönen Bilder, Zeitlupen und dynamischen Kamerafahrten… nur eben ohne Bruckheimer.
Sollte ich bis anhin die Lorbeeren fälschlicherweise dem Produzenten anstelle des Regisseurs Bay zugeschrieben haben, oder hatte Bruckheimer einen solch immensen Einfluss auf Bay, dass die Unterschiede zu dessen Filmen in Stil und Tempo nur marginal erscheinen? Es wird sich zeigen, ob Bay auch unter Dreamworks und Spielberg als Executive Producer so konstant Unterhaltung in bester Qualität abliefern kann (´Transformers´). Ich hoffe es, denn ´The Island´ stellt sich der bis jetzt beste Popcornmovie dieses Kinosommers vor und lässt Hoffnungsträger wie ´War of the Worlds´ und ´Fantastic Four´ hinter sich.
Bay´s ´Erstling´ kommt auf der ganzen Linie gelungen daher. Handwerklich wie immer top, setzt der Meister mit dem feinen Gespür fürs Grobe wie so oft auf alte Bekannte wie Steve Buscemi (Peter Stormare konnte wohl grade nicht), Shawnee Smith oder Michael Clark Duncan sowie den unvergleichlichen Ewan McGregor, den man gar nicht genug lobhudeln kann und die ebenso wunderbare Scarlett Johansson, von der sich noch viele Kolleginnen eine Scheibe abschneiden könnten. Ewan McGregor singt zwar leider nicht, dafür kommt er gleich doppelt vor, und einer ist besser als der andere; der Mann scheint einfach Spass an seinem Job zu haben,… einfach herrlich. Ein routinierter Sean Bean, der überzeugende Djimon Hounsou und ein mehr als gelungener Score (bei dem wiederum der Einfluss von Hans Zimmer unüberhörbar ist) und zudem das frechste und zudem cleverste Product Placement seit langem vervollständigen das Ganze und machen ´The Island´ zu DEM Kinospass des Sommers.

Zwar habe ich irgendwie das Gefühl, dass man ´The Island´ zu unrecht so schnell wieder vergessen haben wird wie die kritischen Ansätze zur Stammzellenforschung, die am Rande von ´The Island´ gemacht werden, der Streifen ist und bleibt jedoch ein Leckerbissen für alle Fans des Popcorn Kinos und sei allen Anhänger der ganzen Dogmafilmerei ans Herz gelegt, denn hier erlebt man einmal mehr, wie ein Film auszusehen hat, und dass man fürs gleiche Geld auch mehr kriegen kann als eine vermieste Stimmung und verwackelte Bilder.