Ich hätte einige Gründe, bei dieser Kritik mal wieder so richtig dreinzufahren: Warum etwa sollte man sich einen Film anschauen, der stellenweise daherkommt wie ein Telekolleg für suizidär veranlagte Menschen?
Nachdem mir jedoch bei meinem Besuch von ‚Der Untergang’ ungewöhnlich viele Kinobesucher in einem sonst eher unbelebten Spartenkino begegneten, besinne ich mich nun doch auf meine Verpflichtungen als Aufklärer und gehe zur Abwechslung mal etwas nüchterner an die Besprechung heran.
Was also treibt die Massen in ‚Der Untergang’? In der Warteschlange im Foyer fühlte ich mich plötzlich unweigerlich an das Kinoerlebnis von ‚The Passion of the Christ’ oder ‚Fahrenheit 9/11’ erinnert. Allein die Anzahl der Besucher konnte nicht der Grund für dieses Deja-vu sein, schliesslich bin ich mir das von anderen Blockbustern gewöhnt. Es war wohl eher die Zusammensetzung des Publikums: Fällt das Stichwort ‚anspruchsvoll’ findet auch mal der gesetzte, erwachsene Kulturgebildete seinen Weg ins Kino, schloss ich. Nein, anspruchsvolle Filme sind nicht irgendwelche billigen Sommerhits, welche von den Studios zu riesigen Seifenblasen aufgepumpt worden sind. Nein, hier handelt es sich um Kunstwerke, mit Inhalten und Themen, die zählen. Kultur eben. Anstrengende Oeuvres, die nachdenklich und betroffen machen. Nicht dieser kommerzielle Schund, der unter Umständen sogar noch unterhalten könnte.
Man stelle sich den imaginären Hauke vor, wie er im Lesezirkel zugibt, das letzte Kapitel von ‚Der Zauberberg’ noch nicht fertig gelesen zu haben, weil er sich lieber noch mal Spiderman auf DVD angeschaut hat: Rausschmiss aus dem Club und Hausverbot im Reformkostladen wären die Folge. Einzig Kultur mit Tiefgang ist verzeihbar, wo das ‚Lachen, das einem im Halse stecken bleibt’ der höchste Grad an zugelassener Unterhaltung ist.
Während ich mich noch fragte, warum ich mir überhaupt all diese wirren Gedanken zum Klassenkampf zwischen Kunst und Kommerz mache, fiel es mir wie Schuppen von den Haaren: Vielleicht war ich einmal mehr Zeuge eines Phänomens, das spätestens seit der heuchlerischen Dogma-Filmerei immer häufiger zu beobachten ist: Die wohl subversivsten Art, einen Film zu vermarkten: Der Hype für Anspruchsvolle! Oder: Was mache ich aus einem schlechten Film, der zudem so langweilig ist, dass er nicht als Mainstream-Kracher verheizt werden kann? Man nennt es ‚anspruchsvoll’ und findet auch so ein dankbares Publikum.
Warum, frage ich, muss ‚anerkannte’ Kunst und Kultur nur immer ernsthaft, kompliziert und auf keinen Fall unterhaltsam sein? Es gibt doch schon mehr als genug solchen Müll in der Mainstream-Ecke.
Glücklicherweise trifft entgegen meinen Erwartungen nichts von alledem auf ‚Der Untergang’ zu. Sieht man von einigen Längen am Schluss ab, weiss der Streifen sehr wohl zu unterhalten. Überraschenderweise gibt’s stellenweise sogar was zu schmunzeln. Auch Story, Dramaturgie, Spannung und Humor, die hervorragende Besetzung und die üppige Ausstattung wissen zu überzeugen.
Obwohl der Film also im allgemein alles andere als enttäuscht, macht ihn erst die gewagte Perspektive, aus der die Geschichte erzählt wird, sehenswert: Die Nazis, allen voran Hitler, werden hier einmal nicht als klischierte Monster oder tumbe Lakaien dargestellt, sondern bleiben während dem ganzen Film mehr oder weniger sorgfältig ausgearbeitete Charaktere, die mit ihrem Schicksal hadern. Mehrmals werden zwar auch Aspekte wie Judenverfolgung oder ideologische Gleichschaltung thematisiert. Dies geschieht jedoch eher der Vollständigkeit halber und wird nie zur Hauptaussage des Filmes gemacht.
Ich rechne es dabei den Machern hoch an, dass der Film auch mit dem gewagten Versuch, Hitler als eine Person unter vielen darzustellen, nie zu provozieren versucht. Vielmehr wird da eine (wohl wahre) Geschichte aus ungewohnter Perspektive erzählt, in der nun mal einer der Protagonisten Hitler heisst.
Dieses Vorgehen gibt dem Film einen sehr eigenwilligen Charakter, denn gerade diese Nüchternheit im Film schafft eine Spannung, die per Tränendrüse oder schlechtem Gewissen nicht zu realisieren gewesen wäre.
Diese Art der Inszenierung an sich würde eigentlich 4 Punkte verdienen; beurteile ich den Film jedoch wie anfangs versprochen ebenso nüchtern und als Gesamtwerk, vermag auch Bruno ganz beeindruckende schauspielerische Leistung den Film nicht über ein (sehr gutes) Mittelmass zu erheben.

´Snowball in Hell´ – Für diesen Streifen bekam Steven Seagal im Film ´In & Out´ einen Oskar als bester Schauspieler. Wer Steven Seagal kennt und ´In & Out´ gesehen hat oder zumindest der englischen Sprache mächtig ist, wird nun hoffentlich schmunzeln, denn ´Snowball in Hell´ war wohl der beste Gag in Frank Oz´ Komödie von 1997.
Es gibt ja Hollywood-Schauspieler, die erklären jedem, den es interessiert (und auch allen anderen), wie sie sich bei der Rollenwahl bemühen, möglichst nicht in diese kleinen Besetzungsschachteln gesteckt zu werden. Wir Zuschauer sind natürlich jedes Mal erleichtert, wenn wir dieses Statement aus dem sprachfähigen Kopfloch eines Hollywood-Schauspielers hören. Solche Einblicke in die Abgründe einer Schauspielerseele sind ja meist unglaublich informativ, etwa wenn uns [beliebigen Schaupielernamen einfügen] erklärt, wie familiär doch die Atmosphäre beim Dreh von [passenden Filmtitel einfügen] war. Oder wenn uns Bruno Ganz im TV-Interview zum zehntausendsten Mal erklärt, wie er die Rolle des Hitlers nicht mehr ausschlagen konnte, nachdem seine Ähnlichkeit zum deutsch-österreichischen Austauschdiktator schon so offensichtlich zum Vorschein kam, als er nur Perücke und Waffenrock anprobiert hatte.
Ich bringe es mal hinter mich – dann ist es raus: ´The Village´ ist enttäuschen. ABER wie könnte es auch anders sein?
Es scheint, als hätte man besser noch ein halbes Jahr mit der Herausgabe des neuen Dudens gewartet. Die semantischen Perlen, mit denen uns da ´Chronicles of Riddick´ beglückt, gehörten nun wirklich in jedes lexikalische Standardwerk: Es ist schon erstaunlich, in welchem Ernst die Hauptcharaktere, allen voran natürlich Testosteronglatze Vin Diesel, Wörter wie ´Nekromonger´, ´Crematoria´ oder ´General Marshal´ über die Lippen bringen, ohne dabei auch nur mit der Wimper zu zucken. Diese ungewollte (?) Komik verleiht dem Film die nötige Leichtigkeit und einen gewissen Trash-Faktor, was den Film erträglich, ja irgendwie sogar charmant macht.
Es geschehen noch Zeichen und Wunder! Tatsächlich schaffte es dieser kompromisslose Splatterfilm in die Schweizer Kinos. Das hätte ich nun wirklich nicht für möglich gehalten. Darum war ich angenehm überrascht, als ich (spätestens nach dem Vorspann) begriff, dass dies nicht ein weiterer weichgespühlter Teenie-Horrorfilm war, sondern knallharte Splatter-Action der traditionellen Art. Die unvergleichliche, ausserordentlich gelungenen Mischung aus Metzgete und Humor überzeugt auf der ganzen Linie (wenn´s einem denn gefällt). Zwar besteht der Film praktisch nur aus aneinandergereihten Ekelszenen, verdichtet durch Spannungselemente und aufgelockert durch Humor und Fahrstuhlmusik, dies ist aber so konsequent und kompromisslos umgesetzt, dass es tatsächlich funktioniert und man zwar angewiedert, aber mit einem bitteren Grinsen und vor allem prächtig unterhalten, den Kinosaal verlässt.
Und so begab es sich, dass sich der Herrscher von nidwirkli.ch erneut zum Kinematographen aufmachte, um sein undankbares Dasein als Webhost ein weiteres Mal gegen ein paar Stunden Heiterkeit einzutauschen. Weder der strömende Regen noch die Schmach, noch nie ein Buch von J.K. Rowling in den Händen gehalten zu haben, konnten ihn davon abhalten, es sich im Kinosessel bequem zu machen und auf das Beste zu hoffen. Und wahrlich,… er sollte nicht enttäuscht werden.
Da sollte sich Wolfgang Petersen warm anziehen. Was sein Landsmann Roland Emmerich mit ‘The Day After Tomorrow’ (TDAT) präsentiert, übertrifft den lahmen Sandalenschinken ‘Troy’ in allen Punkten bei weitem. Sicher, man könnte dem Film Prädikate wie “anspruchslos”, “unrealistisch” “pathetisch” oder “kommerzieller Mainstream” anhaften… und man würde voll in’s Schwarze Treffen. Nichtsdestotrotz erfüllt TDAT voll und ganz meine (hohen) Erwartungen und übertrifft sie sogar. Ich bin erleichtert.
Nachdem meine Kritik zu ‘Kill Bill Vol. 1 doch eher mager ausfiel, möchte ich dem zweiten Volumen etwas mehr Platz widmen. Dies scheint mir auch dadurch gerechtfertigt, da das zweite Volumen von Kill Bill sogar noch um einiges besser ist als der Vorgänger. Sicher, seit dem ersten Teil ist in Sachen gewalttätigem Film einiges passiert (Gruss an Reverend Gibson), aber trotzdem könnte man den ersten Teil doch als ziemlich gewalt- und schlitzer-lastig bezeichnen. Nicht dass mich das gestört hätte, im Gegenteil. Doch gerade im Vergleich mit dem ersten Teil wirkt Kill Bill Vol. 2 geradezu philosophisch. Das liegt auch daran, dass Tarantino endlich wieder mal einige seiner genialen Dialoge präsentiert.
Ich habe es ja nicht anders verdient: Host@nidwirkli.ch, dachte ich mir, es ist Zeit für einen seriösen Film, ohne Humor, Action und vor allem ohne Halle Berry. Da ich mich dann doch nicht zu einem europäischen Film durchringen konnte, ging ich eben in ’21 Grams’. Eigentlich freute ich mich sogar auf den Film: Sean Penn, Benicio Del Toro, eine Auszeichnung beim Venice Film Festival, und eine nicht chronologische Story. Da kann man ja nicht enttäuscht werden, denn zumindest letzteres bannte mich bei ‘Memento’ und ‘Identity’ gleichermassen.