Elizabethtown

Rating: 3.5

ElizabethtownWie sagt man Orlando Bloom ohne ´O´?

Da schreibt man sich Tag für Tag um Kopf und Kragen, um ja kein Missverständnis aufkommen zu lassen, dass jedes Erzeugnis, das auch nur am Ansatz an diese zuckersüssen Ergüsse von Rosamunde Pilcher oder Barbara Cartland erinnert, mit absoluter Verachtung zu bestrafen sei, und dann findet sich man sich diese Woche gleich zwei Mal vor einem solchen diabetanischen Geschichtchen:
Zu Beginn der Woche lief ´Dogville´ im TV, Lars von Trier´s erster Teil seiner ´Amerika´-Trilogie und Vorgänger vom aktuellen ´Manderlay´ und im Kino Cameron Crowe´s ´Elizabethtown´ (oder wie ich immer wieder gerne an der Kinokasse zu stammeln pflege: ´Elithabeztown´ oder ´Elithabethtown´ oder eben ´Elithabeththownth´). Zugegebenermassen hinkt der Vergleich zwischen ´Dogville´ und einem Rosamunde Pilcher Roman und ziemlich sicher ist es auch falsch ´Elizabestown´ über die gleiche Kante wie die britische Kitschschleuder zu brechen.

Ich dachte nur, ´Town´ und ´Ville´, da lässt sich doch bestimmt eine Verbindung erzwingen, und falls es je einen Film namens ´Elizabeth´s Dog´ geben wird, werde ich der erste sein, der auch dazu wieder eine Verbindung konstruieren wird, und sei ´Elizabeth´s Dog´ auch John Carpenter´s nächster Thriller mit Tilda Swinton und Dwayne ´The Rock´ Johnson in ihren ersten Rollen als unglücklich verliebtes Stachelbeerstrauchpärchen. Ich bleibe dran.

´Elisathebtown´ auf jeden Fall enttäuschte mich nicht, obwohl ich aus dem Getuschel einiger Mitbesucherinnen in den hinteren Rängen erfahren musste, dass dies ja ein ´Frauenfilm mit Orlando´ sei. Selbst solche Seitenhiebe können den Ozean an Machismo eines Host mit journalistisch-/aufklärerischen Verpflichtungen natürlich nicht erschüttern, schliesslich war ich einzig und allein wegen dem verlässlichen Cameron Crowe in dem Film, der mich schon mit ´Jerry Maguire´, ´Almost Famous´ und ´Vanilla Sky´ zu begeistern wusste.

Bis zu einem gewissen Punkt konnte ich den ebenso feinen wie treffenden Humor, die durch und durch herrlich anzuschauenden Interpreten und ja, ich muss es bestätigen, den tollen Soundtrack geniessen.
Doch etwa nach drei Vierteln des Films wird mit einer steppenden und kalauernden Susan Sarandon ein Wendepunkt eingeläutet: Ich hatte das Gefühl, da sollte ein emotionaler Höhepunkt gesetzt werden, wo er nun mal überhaupt nicht hingehört, und die anschliessende endlose Montage von Drew Baylor´s (Bloom) Roadtrip durch den Südwesten der USA (keine Ahnung ob es wirklich der Südwesten ist, wahrscheinlich ist es eher der Südosten oder zumindest der Süd-Südwesten, aber ´Südwesten´ schreibt sich schneller auf der Tastatur, was zwar so auch nicht stimmt), untermalt mit 50 Jahren Rock´n´Roll Geschichte half auch nicht gerade, den Spannungsbogen der Geschichte wiederherzustellen. Da hat Cameron Crowe in Sachen musikalischer Untermalung wieder mal alles gegeben, aber irgendwie hatte mich der Film zuvor schon verloren.

Zum Ende hin legte sich die dramaturgische Verwirrung dann wieder, so dass es dann doch noch zu den Prädikaten ´Feel Good Movie der Woche´ und lustigster Film seit ´Dogville´ reicht.

Archives | First published Nov 10, 2005

Harry Potter and the Goblet of Fire

Rating: 4.5

Harry Potter and the Goblet of FireWalle! walle manche Strecke, dass, zum Zwecke, Wasser fliesse und mit reichem, vollem Schwalle zu dem Bade sich ergiesse.

Ob es eine gute Idee ist, zu bemerken, dass ich mich mit jeder Harry Potter Episode mehr und mehr an ´Star Wars´ erinnert fühle? An den Effekten und der Musik alleine kann´s nicht liegen. Schon eher daran, dass auch bei unserem Pottermenschen die Geschichte sich über mehrere Teile erstreckt und den Charakteren bei der Entwicklung zugesehen werden kann. Das gibt der Geschichte irgendwie etwas… ´Episches´ ist das Falsche Wort, aber ich lass es mal so stehen. Und um viel mehr als die Entstehungsgeschichte von ´Darth-Ich-bin-auch-ein-I.V.-Bezüger-Vader´ geht´s bei den Sternenkriegen ja auch nicht.

Auf jeden Fall kann ich, schon zum vierten Mal, gestehen, dass ich auch bei ´Harry Potter and the Goblet of Fire´ nicht enttäuscht wurde. Zwar habe ich noch immer keines der Potter Bücher von J.R.R. Rowling in den Händen gehalten (doch, gehalten eigentlich schon, aber noch nie in einem gelesen), bin aber ein treuer Besucher der Franchise geblieben. Irgendwie scheine ich einen Narren an den ebenso vorhersehbaren und strickmusterartigen und doch immer wieder interessanten Geschichten gefressen zu haben.

Ich gebe es ja nur ungern zu, aber wieder einmal trifft der Ton, mit dem der Streifen bis jetzt von den Medien kommentiert wurde, voll ins kleine Schwarze (Zeichnungen dieser Stilblüten bitte an host@nidwirkli.ch): Aus dem, vierten Teil ist mehr ein Thriller als ein Kinderfilm geworden. Nicht grade ´The Silence of the Lambs´, aber trotzdem spannend und zwischendurch gibts sogar was zu lachen.
Das schöne an dieser ganzen Sache ist, dass ich auch in Zukunft den Buchversionen von J.F.K. Rowling´s Zauberlehrling fernbleiben werde und darum wohl auch in den kommenden Abenteuern des Brillenträgers überrascht werden werden können tu.
Was gibt´s noch überflüssiges zu berichten? Die Geschichte fesselte mich, die Effekte von I.L.M. Rowling waren wie immer zweifellos vom Feinsten, was man halt so sieht, (Effekte halt, als ob die heute noch irgendjemanden interessieren) und die düstere Atmosphäre stimmte vollkommen.

Das beste in der aktuellsten Verfilmung eines Romans von C.S. Rowling ist allerdings die Besetzung. Nebst Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint, die ihre Arbeit erneut ebenso souverän wie sympathisch tun und an die man sich zurecht schon ziemlich gewöhnte, glänzen vor allem die vielen ebenso bekannten wie zurückhaltenden Nebendarsteller. Neben Alan Rickman, Michael Gambon und Gary Oldman, der sich noch einmal für einen Auftritt als Sirius Black erwärmen konnte (sagen wir es mal so: Die Rolle hätte er diesmal wohl auch übers Telefon spielen können) glänzen Brendan Gleeson (dessen Auge zwar irgendwie nervt) und allen voran Liam Neeson als die Stimme von J.K. Aslan… – shit, ich kriege es einfach nicht auf die Reihe, es ist aber auch nicht einfach, diese Weihnacht – ich meine Ralph Fiennes als Voldemort. Übrigens erfährt man, wieso der ´Englische Patient´ erneut sprichwörtlich keine Nase für gute Rollen hat. Avada Kedavra sag ich da nur.

Archives | First published Nov 9, 2005

Kiss Kiss, Bang Bang

Kiss Kiss, Bang BangThis isn´t good cop, bad cop. This is fag and New Yorker.

Hurra! Da hatten ja all die anderen Kritiken, die zu etwas angemessenerer Zeit als der Pflock, der sich Host nennt, ihre Lobhudeleien zu ´Kiss Kiss Bang Bang´ verbreiteten, tatsächlich den Nagel auf den Kopf getroffen: Zwar kann man über die Komödie von Shane Black (wie kommt man eigentlich an so einen coolen Namen?) nicht allzu viel schreiben, denn einerseits ist die Handlung einfach zu verflochten, andererseits würde man sonst zu viel über den Plot verraten. Und das ist auch gut so, denn so spare ich mir sehr viel Zeit für anderes unwichtiges. Und wie sagt schon das alte Sprichwort: ´Der Host ist einfach ein fauler Sack.´
Gesagt sei nur soviel: Obwohl ich nie ein besonders grosser Fan von Val Kilmer war, und Robert Downey Jr. je cleaner er ist, immer mehr wie ein Nachkomme von Silvester Stallone und Colin Farell aussieht, liefern sie einen der besten Buddy Movies seit ´Blix und Baradei´ ab (Den Film gab´s zwar nicht, häbte es aber gegeben sollen, das Namenspaar war schliesslich vor einer Weile in aller Munde).

Das herrliche Team-up Robert Downey Jr. und Val Kilmer braucht sich auf jeden Fall nicht hinter ihrem Vorgänger in Spe, Danny Glover und Mel Gibson in den ´Lethal Weapon´ Streifen zu verstecken. An halbherziges ´hey mich gibt´s auch noch Acting´ ist auch gar nicht zu denken, denn die Sprüche und Flüche kommen so locker und unbarmherzig daher, dass gar keine Zeit für solche Kinkerlitzchen bleibt. Zum Glück, denn in ´Kiss Kiss Bang Bang´ ist gespickt mit einigen der zweifellos gelungensten Gags dieses Kinojahres. Was man über ´Die Weisse Massai´ die im Kino nebenan lief, nicht behaupten kann, wenn ich die beanspruchten Gesichter des Pausenpublikums richtig deutete.

Vor allem gegen Ende des Films werden die Witze immer skuriler und damit aber auch besser. Da bekommt sogar ´The Lord of the Rings´ sein Fett weg.
Für alle, die eine (fast zu) durchdachte Story, derben Humor und dazu die comebackigsten Schauspieler seit langem geniessen wollen, sollten den Film auf jeden Fall nicht verpassen.

The Legend of Zorro

The Legend of ZorroWith enough soap you can blow up just about anything.

Mit jedem Jahr werde ich ein immer schärferer Gegner von Fortsetzungen, Sequels, Prequels, Mequels und all den anderen Franchise Formen, die vornehmlich Hollywood sich ausdenkt, um das Publikum ins Kino zu locken. Zugegeben, wahrscheinlich wären aus Filmen wie ´Star Wars´ nie solche Erfolge geworden, wenn man schon nach den ersten drei Teilen aufgehört hätte,…(hehe) trotzdem, ich denke, es gibt so viele originelle Storys, da ist es fast Zeitverschwendung (vor allem meiner Zeit), die gleichen Stoffe mehrere Male zu verwenden. Man denke nur an all die viele Comiccharaktere, die noch ihre Adaption auf der Leinwand sehen möchten, oder an die zigtausend Bücher von Stephen King.

Ohnehin grenzt die Verpflichtung, die ich jedes Mal verspüre, beispielsweise den nächsten James Bond (ob blond ob braun) zu sehen, schon an pawlow´sche Hundität. Es gibt ja schliesslich auch Theorien, dass sich sämtliche Drehbücher und Storys auf sieben oder neun Grundgerüste zurückführen lassen, und ich selber bezweifle, dass es deren tatsächlich so viele sind. Nicht dass ich mich je gross über Story oder Anspruch foutiert hätte, so lange der Rest stimmt, bestes Beispiel für die Unnötigkeit von Fortsetzungen ist aber ´The Legend of Zorro´. Ich hätte schon sehr gut ohne den ersten Teil leben können, und auch in den zweiten Teil ging ich nur, weil ich so viel Gutes über Antonio Banderas in dieser Rolle gelesen hatte. Und dem Kanon dieser Kritiken kann ich sogar zustimmen – Banderas Leistung ist gar köstlich und auch seine Filmfamilie, verkörpert von Catherine-Zeta Jones-Douglas und Adrian Alonso als Zorro Junioro machen das beste aus ihren Rollen, um einige wirklich amüsante Gags und Situationen zu schaffen. Nur leider reicht das nicht ganz um den Film als Ganzes ernst nehmen zu können. Nach der ersten, wirklich erstklassig choreographierten und umgesetzen Actionszene langweilen vor allem die Ausflüge in die good ol´ time der Mantel- und Degenfilme doch zunehmend und man hofft irgendwie, Batman oder eben James Bond rette doch den Film mit einem Cameo vor der totalen Verödung.

Die (Kino-)welt braucht ´The Legend of Zorro´ etwa so nötig wie die Automobilwerbung, die der Fuchs macht, für einen mehr oder minder amüsanten Abend reicht es dank einigen wirklich gelungenen Sprüchen aber allemal.

A History of Violence

A History of ViolenceKörperwelten mal anders

Das gab´s ja schon lange nicht mehr: Ein David Cronenberg Film, dessen Handlung ich tatsächlich folgen konnte, ohne dass sich ein Aneurysma in meinen Hirnwindungen bildete. So interessant ´Spider´, ´eXistenZ´ oder ´Naked Lunch´ auch anzusehen waren, leichte Kost hat uns der kanadische Spezialist für den biotechnischen Horror selten präsentiert und meist verlieren seine Filme relativ schnell den anfänglichen Reiz, und nerven mehr als sie unterhalten. Bei ´A History of Violence´ hat er sich offensichtlich Mühe gegeben, uns sein Lieblingsthema der Identitätssuche und -Krise mal in einem anderen Kleid als Schleim, Blut und Kabel zu präsentieren; Und dies gelingt ihm auf der ganzen Linie. So kommt der Film zu Beginn wie ein Familienfilm daher, der eher an ´Die Waltons´ als an ´The Fly´ erinnert. Das Utopia der Familie Stall um Viggo Mortensen und Maria Bello wird aber schon nach kurzem konsequent und unwiderruflich demontiert und führt die Hauptcharaktere in einen fast kafkaesken Strudel aus Gewalt und Tot.

Cronenberg meistert das Spiel mit den Gegensätzen souverän, indem er das harmonische Familienleben auf die gnadenlose Brutalität des organisierten Verbrechens prallen lässt. Wie mit Hammerschläge werden die ruhigen Szenen und Bilder, die Cronenberg so sorgfältig aufbaut, immer wieder zerstört, indem er die Situationen eskalieren, um nicht zu sagen explodieren lässt.

Möglich gemacht wird dies durch die durchwegs erstklassige Leistung der Darsteller. Viggo Mortensen schafft durch sein zurückhaltendes Spiel die entspannte, fast lethargische Atmosphähre, die dann vor allem Ed Harris als Mobster gnadenlos demontieren darf. Das toppt nur noch der gegen den Strich besetzte William Hurt durch seine überraschende Performance als Mortensens Bruder.

´A History of Violence´: empfehlenswert nicht nur harmoniemüde Rosamunde Pilcher – Geschädigte.

Wallace & Gromit in The Curse of the Were-Rabbit

Wallace & Gromit in The Curse of the Were-RabbitAbt.: Knete und Arbeite

Da denkt man, das Kinojahr 2005 habe ausser dem kommenden ´King Kong´ nicht mehr viel in Petto (übrigens: wie heisst der kolumbianische Onkel von Pinoccio? – Che Petto), und dann findet man sich ziemlich unerwartet in einem der filmisch perfektesten Streifen wieder, bei dem einfach alles stimmt: Action, Spannung, Humor und eine fast manische Detailversessenheit, Musik, Dramaturgie, Hauptdarsteller. Und letztere sind im Falle von ´Wallace and Gromit and the Curse fo the Were-Rabbit´ nicht mal aus Fleisch und Blut. Dies mag im heutigen Hollywood, wo einem mehr Botox als wirklich gute Filme unter die Augen kommt, nichts besonderes sein, im Falle von Wallace, Gromit, dem süüüüüsssen Hutch und all den anderen Plastilinfiguren ist den Knetern von Aardman Animations jedoch etwas ganz spezielles gelungen. Die Filmchen um den käsesüchtigen Erfinder, seinen treuen Hund, Pinguinen, Zoobewohnern und anderen faunischen Kreaturen waren ja von Anfang an immer eine Klasse für sich und obwohl mich ´Chicken Run´ nicht sonderlich begeistern konnte, beweisen nun das britische Produktionsstudio, dass auch ohne Schauspieler ein durchwegs stimmiger Film entstehen kann, ohne auf irgend etwas verzichten zu müssen, nur weil eben mit den etwas anderen Mitteln der Animation gearbeitet wurde.

Über die Tatsache, dass ´Wallace and Gromit and the Curse fo the Were-Rabbit´ ein Animationsfilm ist, möchte ich jedoch keine weiteren Worte verlieren, (denn meist findet man ja so schlecht die richtigen Worte.) Denn dies ist die wirkliche Leistung des Teams von Nick Park: Man vergisst von der ersten bis zur letzten Minute völlig, dass sich dieser Film sich in seiner Machart doch gänzlich vom Rest unterscheidet. Und das ist gut so. Haben es computeranimierte Filme spätestens seit Shrek geschafft, dass man nicht mehr über die angewandte Technik staunt, sondern über die erzählte Geschichte lachen kann, wird nun mit ´Wallace and Gromit and the Curse fo the Were-Rabbit,´ einmal mehr bewiesen, dass ein gelungener Film eben ein gelungener Film eben ein gelungener Film ist, egal ob da nun Al Pacino, Scarlett Johansson oder eben ein Stück Knetmasse die Hauptdarsteller, sind. Vor allem, wenn sie so treu dreinblickende Kulleraugen haben (und damit meine ich nicht Scarlett Johansson). Da fällt mir ein: Wer sollte Wallace und Gromit in einer Realverfilmung (Gott bewahre!) verkörpern, bzw. verkötern? Tom Hanks oder Bill Murray als Wallace und Benicio del Toro als Gromit? Ich denke nicht, obwohl das Besetzungsroulette sicher ein paar Internet-Foren wert wäre. Könnte man eigentlich mal starten, die Gerüchte um die Bösewichte in ´Spiderman 3´ füllen ja auch schon ganze Server.

Zu betonen bleibt, dass der Film mit Sicherheit einige der besten Gags des Jahres liefert. Die Dichte in Wort- und Bildwitz sucht zweifellos ihresgleichen und dank wilden Verfolgungsjagden, üppigen Sets, grenzenlosem Einfallsreichtum und dem netten Soundtrack von Team Zimmer wird der Film zum cineastischen Vergnügen.

The Brothers Grimm

The Brothers GrimmEs war einmal…

…vor nicht allzu langer Zeit ein Regisseur, der war so imaginär, so eigensinnig, so innovativ, dass niemand seine Trickfilme bei Monty Python lustig fand. Ziemlich schräg und immer den Anschein erweckend, als stecke mehr dahinter, man auf den ersten Blick mitbekommen konnte. Seien dies nun der menschenfressende Kinderwagen oder der wohl bekannteste Clip, der riesige Fuss, der unmöglichen Beiträgen bis heute ein vorzeitiges Ende beschert, die Animationen von Terry Gilliam wurden irgendwie Kult, obwohl ich wohl nicht der einzige bin, der zugeben muss, dass ich seine Beiträge nie verstanden, geschweige denn, komisch fand.
Soviel zur Gotteslästerung; aber was soll´s, ich bin noch immer etwas knurrig, dass nidwirkli.ch weder in der Forbes Liste der 100 Reichsten auftauchte, noch den diesjährigen Friedensnobelpreis gekriegt hat. Baradei, Schnaradei, sag ich da nur.
Züruck zum Thema: Mal von seinen Animationen, die wohl nur den wirklichen Insidern Vergnügen bereiten, abgesehen, weiss ich das Schaffen des einzigen Amerikaners in der sonst 100% britischen Monty Python Komikertruppe um John, Paul, George, Ringo und eben Terry wirklich zu schätzen. Vor allem seine stets ebenso schrägen wie melancholischen Märchen wie ´Brazil´, ´Time Bandits´, ´The Fisher King´ oder mein persönlicher Favorit ´Twölf Monkeys´ wussten mich stets zu begeistern und in ihren Bann zu ziehen. Mit jedem Film schuf Gilliam eine stilistisch wie inhaltlich sehr eigenwillige Welt, die einem zu verzaubern wusste. Nie zweifelte ich auch nur einen Moment daran, dass diese so typischen Bilder und Geschichten den Meister Gilliam nachts in seinen Träumen verfolgten und dass er wie gegen Windmühlen gegen die Studiobosse ankämpfen musste, um seine Version der Filme auch auf die Leinwand bringen zu können. Obwohl sonst nicht sonderlich an solchen Stories hinter der Leinwand interessiert, hatte ich immer das Gefühl, gerade diesen Kampf von Gilliam gegen den Rest der Welt merkte man den Filmen schlussendlich irgendwie an, was sich an ihrer Besonderheit und ihrem eigenwilligen Charakter widerspiegelte. Sogar den bösesten Flops wie ´Munchhausen´ oder dem nie fertig gestellten ´Don Quixote´ (wie immer man das auch schreibt), merkt man diesen Gilliam´s Bemühungen an, und auch wenn die Filme als ganzes nicht funktionieren, oder gar nie in die Kinos kamen, riecht man doch den Schweiss und die Anstrengung, die er in diese Werke gelegt hat, um es eben nach seinem Kopf zu haben. Dieser Schweiss war meist das Salz in der Suppe, welches die sonst doch eher untypischen Filme zum ebenso emotionalen wie visuellen Erlebnis machten.

Doch was ist nun passiert? Zuviel Geld? Drogen? Das Alter? ´Brothers Grimm´ hinterlässt bei mir einen ähnlich faden Nachgeschmack wie die letzten Produktionen des Enfant Terrible auf der anderen Seite von Hollywood: Tim Burton. Mal davon abgesehen, dass ´Brothers Grimm´ weder dramaturgisch noch sonst wie funktioniert, fehlt das typisch Gilliameske, was auch immer das sein mag, vollkommen. Der bittersüssen Nachgeschmack, den ich in ´Twelve Monkeys´ in der Schlussszene spürte? Das Mitgefühl, gepaart mit Verwunderung, welches trotz verstörend behaartem Robin Williams in ´The Fisher King´ in mir aufkam? Fehlanzeige.

Ich wünschte, ich könnte sagen, ´Brothers Grimm´ wäre ein besserer Film geworden, wenn er vor zehn Jahren mit einem Zehntel des Budgets entstanden wäre, aber wem nützen solche Spekulationen schon? Wohl kaum Heath Ledger oder Matt Damon, die sich durch die liebevoll gestalteten, aber letztendlich unbedeutenden Settings quälen. Nur der ewig verlässliche Peter Stormare hatte anscheinend wieder seinen Spass, aber was soll man sagen, verlangt von dem Mann einen Akzent, und er ist glücklich.

Grad seh´ ich dass der Matt Damon ja in diesen Tagen Geburtstag hat. Als persönliches Geschenk beende ich darum hiermit diese ach so dunkle Kritik und schliesse mit den wohl klassischsten und abgegriffensten Schlussatz überhaupt: … and they lived happily ever after…

Snow White

Snow WhiteSpieglein, Spieglein in der Hand, wer ist das zugedröhnteste Chick im Land?

Nun haben es ja einheimische Filme nicht gerade einfach auf nidwirkli.ch. Als Vertreter des anspruchslosen Unterhaltungskinos bin ich nicht selten das Opfer einer Art Phobie, wenn es um europäisches Kino im allgemeinen und Schweizer Filmen im besonderen geht. Zu oft für meinen Geschmack wird dort das triste, wahre Leben gezeigt oder noch schlimmer, Schicksale werden portraitiert und die sogenannten Meisterwerke werden von der Presse nur allzu schnell zu wertvollen Oevreus stilisiert, obwohl die Filme meist einfach nur anstrengend oder intellektuell-elitär sind.

Zumindest einem meiner sorgfältig gepflegten, obwohl schon längst überholten Vorurteile gegenüber dem Schweizer Film wird ´Snow White´ mehr als gerecht: Die erzählte Geschichte ist anstrengend; jedoch nicht, weil sie so anspruchsvoll, sondern einfach extrem negativ, ja fast depremierend ist. Selten hat mich ein Film so ungebremst heruntergezogen wie ´Snow White´. Doch welch Überraschung: Das wäre auch schon ziemlich das einzige, was ich als ewig Entertainment-Geschädigter an dem Streifen auzusetzen hätte, denn filmisch sowie dramaturgisch ist der Film absolut gelungen. Gerade weil alle erdenklichen Klischees aus Goldküste und Banlieu bedient und zementiert werden, weiss man gleich, wo man steht und was man zu erwarten hat. Die Geschichte kann sich so auf die beiden Hauptcharaktere konzentrieren und gewinnt gleichsam an Spannung und Emotion. An dieser Stelle kann ich es mir nicht verkneifen, Carlos Leal als absolutes Highlight des Films zu deklarieren. Obwohl auch beim Rest der Besetzung ein überaus glückliche Händchen bewiesen wurde, scheint mir eine besondere Erwähnung des Spiels des ´Sens Unik´ Frontmanns als gerechtfertigt.

Am meisten war ich vom oftmals ebenso gewagten wie verspielten Einsatz visueller Hilfsmittel erstaunt: Ich hätte eher einen stiefmütterlich- zurückhaltende Inszenierung erwartet, das Spektrum an gestalterischen Elementen lässt aber keine Wünsche offen, ohne je zu überladen zu wirken.

Wahrscheinlich ist es an der Zeit, mich endgültig von meinen Vorurteilen zu verabschieden und die letzten paar Jahre der Schweizer Filmgeschichte, von ´Der Komiker´ bis ´Sternenberg´ nachzuholen. Ab sofort werde ich den kleinen, unbekannteren und weniger kommerziellen Filmen mit mehr Respekt gegenübertreten, egal ob, diese Produktionen nun ´Grounding´ oder ´King Kong´ heissen.

Nochnoj Dozor – Night Watch

Nochnoj DozorAbt.: Russisch für Anfänger

Zu Beginn war ich noch positiv überrascht vom doch eher eigenwilligen Charakter von ´Nochnoj Dozor´. Dunkle, ebenso farblose wie verschwommene Bilder und einigen ziemlich untypischen Hauptcharakteren. Dies blieb aber leider neben einer recht simplen, aber dennoch irgendwie verwirrenden Story und einigen zugegebenermassen sehr originellen visuellen Einfällen so ziemlich alles, was ´Night Watch´ zu bieten hatte.

Gerade durch seine eher wirre Umsetzung in Bild und Montage konnte mich der Film anfangs noch in seinen Bann ziehen. Leider wurde auch das mit der Zeit etwas eintönig. Umso mehr, da die Story, die irgendwo zwischen ´The Matrix´, ´Highlander´ und ´Star Wars´ angesiedelt ist, gegen Ende eher Kopfschütteln und Verwunderung als Überraschung und Thrill auslöst.
Als ich gegen Ende des Filmes wieder erwachte, musste ich mit Entsetzen feststellen, dass dies tatsächlich erst der Anfang einer Trilogie gewesen sein sollte. Da hätte man sich wohl doch lieber mehr auf diesen einen Teil konzentriert, denn ich befürchte, viel mehr neues wird da wohl nicht mehr kommen.

Bei aller Mittlemässigkeit hat ´Nochnoj Dozor´ eine solche Wischiwaschi Review nicht verdient. Drum lass ich es mal gut sein und schliesse mit einem fröhlichen ´nastrovje´.

Stealth

StealthEin Mann und sein Flugzeug kämpfen gegen das Unrecht.

Ist es für eine Produktionsgesellschaft vertretbar, das die einzigen paar Szenen in diesem Actionkracher, die nicht in der Bluebox sondern tatsächlich an der fischen Luft entstanden sind und darum wohl Unsummen gekosten haben, einzig und allein dazu dienen, die Hauptdarstellerin Jessica Biel im Bikini zu zeigen? Der nidwirkli Qualitätssicherungsauschuss sagt dazu einstimmig: Jawohl! Hundertprozentig! Weiter so!
Eigentlich war der einzige Grund, warum ich mir ´Stealth´ überhaupt angetan habe, der, dass ich wieder mal einen richtig schönen Verriss schreiben wollte. Da dieser krude und ziemlich sinnfreie Mix aus ´Firefox´ (der von Clint Eastwood, nicht von Mozilla), ´2001 – A space Odyssey´ und allerlei anderen Versatzstücken aus Kriegs- Action und Abenteuerfilmen jedoch in einem gewissen Masse sehr wohl zu unterhalten weiss, spare ich mir die Energie und schreibe nur soviel: ´Stealth´ kann man sich getrost sparen. So sehr ich es Josh Lucas auch gönnen würde, in die Fussstapfen von Tom Cruise zu treten, wie es in den Medien so gerne berichtet wird, ich glaube nicht wirklich, dass ihm das mit ´Stealth´ gelingen wird. Und Jamie Foxx kann froh sein, dass er seinen Academy Award schon hat, denn so wirklich glänzen kann auch er in ´Stealth´ nicht.
Der Grund, warum der Film allen Schwächen zum trotz wohl doch unterhalten kann, ist wohl das Tempo des Filmes und die irgendwie sehenswerten Effekte, die zwar nicht ausserordentlich gut sind, aber wenigstens passen.
Obwohl die Truppe um Josh Lucas politisch korrekt Warlords und Terroristen und nicht kalte Krieger jagd, erinnert der Film doch irgendwie an die x-beliebigen Actionstreifen mit Michael Dudikoff oder Biehn aus den 80ern. Mein Verdikt darum: Im Kino meiden, und warten, bis der Film dort läuft, wo er hingehört: In´s Freitagnacht Spätprogramm eines deutschen Privatsenders… Sprechende Flugzeuge, also wirklich.