Miami Vice

Rating: 3

Miami ViceOhne Flamingos, Alligatoren und Pastellanleitung, dafür mit Socken und Rotzbremse.

Im Grunde warte ich ja schon lange auf eine Crossover Kinoauswertung von Remington Steele und Moonlightning (Das Model und der Schnüffler). DAS wäre was, was ich gerne mal sehen würde. Stattdessen kommt so ziemlich jede erdenkbare TV-Serie aus den Achtzigern auf die grosse Leinwand: Magnum, Knight Rider, Dallas, Baywatch…
Aktuellstes Beispiel dafür ist Miami Vice, die Verfilmung der gleichnamigen TV-Serie namens Miami Vice, die in den Achtzigern unter dem Titel Miami Vice ausgestrahlt wurde und als Miami Vice auch in Europa beachtliche Erfolge feierte. Die Rede ist natürlich… von Miami Vice, der jetzt unter demselben Namen, nämlich Miami Vice, auch in die hiesigen Kinos kommt.
Zugegebenermassen war ich nie ein allzu treuer Fan der Serie, obwohl ich diesen organgen Roboter und den Helikopter, der wie eine ebenso riesige wie rosige Sau angepinselt war, immer superklasse fand.

Zum Glück kann man das aktuelle Kinoabenteuer von Sonny Bono und Davey Crockett auch meisterhaft gut finden, wenn man sich nicht wirklich gut mit dem originalen Stoff auskennt. Denn obwohl Michael Mann auch mit diesem Streifen nicht an sein Meisterstück Heat herankommt, zeigt er eindrücklich, dass er inzwischen ziemliche routiniert erstklassige Thriller, die ebenso visuell wie inhaltlich auf der ganzen Linie überzeugen können, inszenieren kann. Vor allem fürs Auge ist Miami Vice eine ebensolche Weide. Trotz oder gerade wegen dem eigenwilligen Charakter der Digitalaufnahmen, vermag der Film, wie schon Collateral aus demselben Grund, zu faszinieren. Die düsteren, mal körniger, dann wieder hochglänzend daherkommenden Bilder, häufig mit Handkamera gedreht, vermitteln einen ansprechenden pseudo-realistischen Style.

Dazu Colin Farrell’s Matte und ein Schnauz, bei dem Jamie Foxx nur vor Neid erblassen kann. Absolut sehenswert – da könnten sich viele Filme ein Rädchen von abschneiden, insbesondere was die Sensibilisierung gegenüber Körperhygiene angeht. So viel und so schön geduscht wurde nicht mehr seit Blade Trinity.

Archives | First published Aug 25, 2006

Superman Returns

Rating: 3

Superman ReturnsÜber den Wolken, muss die Freiheit wohl grenzenlos sein,…

Noch immer klingt mir der Score von John Williams in den Ohren und die Idee, für den Vorspann von Superman Returns in gepflegtem Retro-Style in Anlehnung an die klassischen Superman Filme zu verwenden, finde ich noch immer erste Klasse. Ich hätte Bryan Singer dafür Küssen können,… aber das hätte er dann wohl doch etwas zu sehr gemocht.

Lasst ihn fliegen! Zudem gibt’s zwischen diesem herrlichen Auftakt und den letzten 30 Sekunden des Filmes nicht wirklich viel, was überschwängliches Lob verdienen würde. Oder anders gesagt, es gibt zwar unzählige Elemente, Szenen und Einstellungen, Ideen, Gags und wirklich hervorragende CGI Einstellungen, die alles Lob der Welt verdienen, nur leider funktionierts als Ganzes nicht so ganz. Irgendwo auf dem Weg ging der Spannungsbogen und die packende Story verloren. Brandon Routh spielt zwar einen coolen, ziemlich farblosen Superman, wie es sich gehört, Kevin Spacey hat offenbar Spass an seiner Rolle, obwohl er für meinen Geschmack ruhig etwas mehr Se7en und etwas weniger Dr. Evil miteinbringen hätte können. Die Einstellungen sind phantasievoll gewählt, der Humor stimmt. Aber schlussendlich bleibt das ganze eine unausgegohrende Masse, aus der nichts reifes mehr wird.

Lasst ihn fliegen! Nach dem schönen Vorspann hatte ich eigentlich gehofft, Singer würde irgendwo eine Abzweigung nehmen und den Film von seinen Vorbildern aus den Achzigern etwas stärkeren aktuellen Touch verleihen. Aber trotz all den Digitalkameras und Flachbildschirmen, die zeigen wollten, dass wir nicht mehr im Jahre 1978 sind, war mir der Charakter des Films etwas zu nahe an seinen halt aus heutiger Sicht doch etwas trashigen Vorlagen. Besonders die lustig gemeinten Szenen zwischen Lex Luthor und Kitty Kowalski wären nun wirklich nicht nötig gewesen. Und aus irgend einem unerklärlichen Grund regten mich Luthors Schulterpolster, ja sein ganzes Outfit auf. An dieser Stelle war mir der Film zu retro und zu wenig öp-to-date. Schade, dabei hatte es mit Batman Begins so gut angefangen für die DC Helden.

Drum sage ich, lasst ihn fliegen! Die mit Abstand schönsten Momente im Film sind die, in denen Supie fliegt. Da haben die Macher sich wirklich viel Mühe gegeben. Oder wenn er im Weltraum umherdümpelt, soooo guet. Richtig schön pathetisch. Auf der technischen Seite gibt’s darum nur Lob für Superman Returns. Wäre doch nur an der Story etwas mehr Substanz als was My Super Ex-Girlfriend schon vorweggenommen hat,… hätte das ganze etwas mehr emotionalen Tiefgang, wobei ich nicht die Lovestory meine, sondern den fehlenden Gänsehaut-Faktor, eben das Mitreissende, was Batman Begins oder Spiderman so erfolgreich gemacht hat.

Schade, aber das war wohl eher Mediocre-Man, nicht Superman.

Archives | First published Aug 18, 2006

Pirates of the Caribbean 2 – Dead Man’s Chest

Rating: 2

Pirates of the Caribbean 2 - Dead Man's ChestIt’s a bird! It’s a plane! No… it’s the Klabauterman!

Ein eindeutiges Indiz für die überraschend unterhaltsamen Qualitäten von ‘Dead Man’s Chest’ ist wohl die Tatsache, dass ich mich mitten in meiner Sommerpause (man könnte anstelle des Wortes Sommerpause auch den Begriff Faulheit oder Lethargie einsetzen) genötigt sehe, meine zwei Rappen (ein Begriff, der in der Übersetzung an Wirkung verliert) loszuwerden:
Obwohl ich den ersten Teil nicht sonderlich supergut fand, wusste mich die Fortsetzung ohne Abstriche zu überzeugen. Zugegebenermassen kam ich bei der Story und einigen Einzelheiten nicht immer mit, dies aber den Drehbuchlöchern zuzuschieben wäre nicht meine Art. Aber Erklärungen, wie denn dieses Würfelspiel denn nun wirklich funktionierte, nehme ich gerne per E-Mail entgegen. Lustig ist der Film auf jeden Fall und ein wahrer visueller Overkill. Schon lange nicht mehr so saubere CGI FX gesehen. Davy Jones und seine Crew sind überaus phantasievoll und technisch perfekt ausgedacht und in Szene gesetzt.

Grade merke ich, dass ich mangels Ideen nie mit diesem Beitrag hätte anfangen sollen. Allen die bis hierhin gelesen haben erhalten somit einen Gutschein für eine bessere Kritik auf nidwirkli.ch und damit die ganze Leserei bei dieser Affenhitze nicht ganz vergebens war hier meine Kurzempfehlung: ‘Pirates of the Caribbean – Dead Man’s Chest’ anschauen. Als Sommer-Popcorn-Kino läuft zurzeit nichts Besseres. Und die Wartezeit, bis Superman endlich returnt, verkürzt der Film allemal.

Archives | First published Jul 29, 2006

X-Men 3

Rating: 2.5

X-Men 3‘The last Stand’ macht niemandem ein X für ein U vor, aber mögen kann man ihn trotzdem irgendwie…

Ach, ist es schön, wieder einmal positiv überrascht zu werden. Nachdem ich die diversen himmelschreiend schlechten Kritiken über ‘X-Men: The Last Stand’ auf aintitcool.com gelesen hatte, machte ich mich schon einmal auf eine ziemliche Katastrophe gefasst. Und welch Wunder – diese Vorbereitung bescherte mir einen doch ziemlich befriedigenden Kinoabend.

Nicht, dass mich jetzt irgendwer falsch versteht: Der dritte Teil ist nicht grade ein Meisterwerk und ab und an zweifelt man an der Kompetenz der Macher, z.B. wenn Magneto innert Sekunden mal eben die Golden Gate Bridge ein wenig umbaut, es dann aber in noch kürzerer Zeit plötzlich eindunkelt. Gut – San Francisco liegt ziemlich nah am Ekuator, aber bitte, auch Leuten wie mir, die sich normalerweise an solchen Logiklöchern nicht allzu sehr stören, stösst das irgendwie sauer auf.

Nein, aber da ich wieder einmal das Allerschlimmste erwartet hatte, wurde ich positiv überrascht. Denn zu unterhalten weiss X-Men 3 auf jeden Fall. Ich stellte mir gar vor, dass es passieren könnte, dass man, wenn man nur die letzten paar Minuten der Trilogie zu sehen bekäme, man wirklich das Gefühl haben könnte, da habe man etwas wirklich episches und tolles verpasst. In Tat und Wahrheit finde ich die Ganze X-Men Verfilmungskiste eher durchschnittlich im Vergleich mit Glanzlichtern wie der Spider-Man Reihe oder der Rückkehr von Batman.

Insgeheim frage ich mich darum, warum mir denn diese X-Filmchen nicht so richtig schön reinbrettern wie z.B. die Matrix-Trilogie, die mich doch ziemlich begeistern konnte. Weiss auch nicht, wahrscheinlich einfach nicht ganz so schön durchgestylt in Form und Inhalt wie die Wachowskis beispielsweise so was machen. Irgendwo fehlts den Filmen einfach.

Das Positive: Ihren Teil des Kinotickets mehr als verdienen tun vor allem Logan, Erik und vielleicht noch Hank, die wirklich zu überzeugen und vor allem zu unterhalten wissen. Die Superkraft der meisten anderen Mutanten scheint es dagegen zu sein, zu nerven oder einfach herumzubitchen, wie z.B. Rogue, die sogar nach der Kur diese Fähigkeit nicht verloren zu haben zu scheinen tut.

Ich will übrigens gar nicht erst in die Diskussion einsteigen, was die Autentizität zum Comic anbelangt, denn obwohl mich die Comics früher mal ziemlich zu begeistern wussten, befasste ich mich zu wenig mit der “Gruppe X” wie sie bei uns hiess. Aber auch wenn das eine oder andere Detail nicht ganz der Vorlage entsprechen sollte,… ich meckere ja auch nicht am nächsten Spider-Man herum, obwohl ich allen guten Grund dazu hätte: Denn in ‘Spider-Man 3’ wird eine junge Frau namens Gwen Stacy (Bryce Dallas Howard) auftauchen. Wohlgemerkt dieselbe Gwen Stacy die in meinem allerallerersten ‘Die Spinne’ Comicheft vom Kobold umgebracht wird. Dies geschieht BEVOR Peter Parker Mary Jane kennenlernt, versteht sich. Aber eben, da sag ich ja auch nichts, obwohl mich zugegebenermassen die ganze Dark Phoenix Storyline (die ich dummerweise nicht kenne) doch ziemlich interessiert hätte, insbesondere nachdem sich online unzählige Kritiker darüber beklagt hatten, davon sei nichts, aber auch gar nichts nicht einmal angetönt worden im Film, nachdem am Ende vom zweiten Teil die Phoenix so schön angekündigt wurde.

Zum Abschluss möchte ich nur noch eins loswerden, das wohl allen auf der Zunge liegt, die den Film schon gesehen haben: Warum in Gottes Namen verpassten sie dem jungen Charles Xavier keinen megamässigen Afro in der Rückblende zu Beginn des Filmes? Da wurden Perlen vor die Säue gestreut.

Nunja, ich will die Zeit des geehrter Lesers nicht länger für dieses belanglose Gewäsch vergeuden, obwohl beispielsweise meine Kritik zu Brokeback Mountain erst vor kurzem mit Superlativen ausgezeichnet wurde: Als “Die wohl dümmste Kritik” wurde mein Text bezeichnet. Na ja, das muss man auch erst mal können.

Noch etwas in eigener Sache: Per sofort verfasse ich meine Texte im Stil eines Blogs, was nidwirkli.ch ja im Grunde auch ist. Das heisst ich pfeiffe auf Grammatik und Orthorexie und werde mir nicht mehr stundenlang irgend einen schönen Text aus den Fingern saugen, den am Schluss eh nur die wenigsten, nennen wir stellvertretend Meltman und Valserboy, zu schätzen wissen.

Archives | First published May 24, 2006

The Da Vinci Code

Rating: 2

The Da Vinci CodeZwar mit dem grossen McKellen angerührt, aber leider…

Stunden-, ja tagelang habe ich an meiner ‘The Da Vinci Code’ Besprechung herumgebastelt, um einen dem Film möglichst gerecht werdenden, kryptischen Text abliefern zu können. Da hätte selbst Columbo Monk zu hilfe rufen müssen, um auch nur annähernd darauf zu kommen, von was ich denn eigentlich schreibe.
Doch in letzter Zeit muss ich meine Zeit einteilen und so gönnte ich es mir, der brasilianischen Fussball Nationalmannschaft in Weggis für 25 Franken beim Zehennägelkauen zuzuschauen. Als ich wieder heimkam, hatte mein Hund den Computer gefressen… Zum Trost gibt’s wie immer meine ebenso subjektive wie unfehlbar treffende Kurzanalyse. (Die beim Zügeln leider verloren gegangen ist.)

Mission Impossible 3

Rating: 2

Mission Impossible 3Dann lasst es eben sein, wenn’s nicht möglich ist…

An dieser Stelle wollte ich ja eigentlich endlich meine Kritik zu Mission Impossible 3 präsentieren. Ich kann mit stolz behaupten, dass dies einer meiner besten Texte geworden ist – was leider ganz im Widerspruch mit der dramaturgischen Qualität des Filmes steht.
Leider konnte ich mich wieder einmal nicht zurückhalten und Scientology kam aufgrund einiger Randnotizen in meiner Kritik ziemlich schlecht weg.
Dies ist auch der Grund, warum Tom Cruise im letzten Moment einen Gerichtsbeschluss erwirkt hat, um meine Kritik vor der Veröffentlichung zu stoppen. Ausserdem muss ich mich in Zukunft mindestens 500 Meter von seinem Grinsen entfernt halten.

Stay

Rating: 4

StayAbt.: Die langen Beine des E. McGregor

Oh Mann, wie ich damals ‘Monster’s Ball’ hasste. Ich weiss bis heute nicht, ob es an meiner persönlichen Einstellung an besagtem Tag oder an Halle Berry lag, die ich nun mal einfach nicht schmöken kann. Ich glaube, ich bewertete den Film damals nicht einmal auf nidwirkli.ch, die wohl schlimmste Erniedrigung für einen Film…
Oh Mann, wie ich es Marc Forster gönne, dass er in Hollywood Fuss fassen konnte und uns darum Filme wie ‘Stay’ bescheren kann. Ein Quäntchen Nationalstolz schwingt dabei wohl auch mit, obwohl ich vorhin erfahren musste, dass Forster gar nicht in der Schweiz, sondern in Deutschland geboren wurde. Aber das kann ja passieren. Schliesslich war der erste Oscar-Preisträger als bester Schauspieler Emil Jannings im Jahre 1929 (für ‘The Last Command’) ebenfalls ein gebürtiger Schweizer, der später aber seine Schauspielkünste weniger in schwarz-weissen als in braunen Produktionen unter Beweis stellen sollte. Aber das kann ja passieren, schliesslich musste ich vor einiger Zeit erfahren, dass das amtierende Oberhaupt der katholischen Kirche früher für kurze Zeit auch eher braune als purpurne Uniform getragen haben soll. Aber das kann ja passieren, schliesslich…, aber lassen wir mal gut sein.

Im Grunde ist der wahre Verdienst Forsters, einen solch phantastischen Film wie ‘Stay’ in der Verkleidung eines Thrillers überhaupt in die Kinos zu bringen.
Obwohl jeder, der das Pech hatte, schon mal mit mir über das Thema zu diskutieren, weiss, wie ich Videokunst hasse, wäre ‘Stay’ genau das, was ich von dieser Sparte der Kunst erwarten würde: Video UND Kunst – Visueller Overkill (nicht negativ gemeint), wunderschöne Schnitte, Übergänge, und Arrangements wie aus dem Lehrbuch für … na eben, aus dem Lehrbuch ‘Videokunst wie sie sich der Host vorstellt im 21. Jahrhundert’. Dazu nicht irgendwelche verwirrte egozentrischen Künstler, die sich ständig nur nackt abfilmen, weil sie erstens provozieren wollen und zweitens leider keine Freunde mehr haben, die sie ablichten könnten, sondern der unvergleichliche Ewan McGregor, dessen schalkhaftes Grinsen aus ‘Down with Love’ ich gerne mit dem von Peter Sellers in ‘Casino Royale’ vergleiche. Auch der unverwechselbare Brian Gosling, der mir bis anhin unbekannt war und den ich beinahe mit Ben Foster aus ‘Six Feet Under’ und ‘X-Men 3’ verwechselte, scheint mir eine Erwähnung als superber Actor wert zu sein. Am liebsten würde ich ja den Begriff ‘Mindfuck‘ als treffendste Beschreibung von ‘Stay’ benutzen, leider käme die Verwendung jedoch Diebstahl geistigen Eigentums gleich, da ich den Begriff in Zusammenhang mit ‘Stay’ gestern auf www.outnow.ch gelesen habe. Drum versuche ich meine (nicht ganz unbegrenzte) Begeisterung in eigene Worte zu fassen:

Was viele Kritiker und Gäste von ‘Stay’ als negativ bewerten, scheint mir, nebst der visuellen und handwerklichen Umsetzung des Filmes DER Pluspunkt des Filmes zu sein: Die Story lässt (zumindest bei einmaligem Anschauen des Filmes) keine eindeutige Interpretation zu, was denn überhaupt geschehen ist. Zumindest nicht sofort. Denn wenn man sich ein wenig überlegt, was man denn eigentlich gerade auf der Leinwand gesehen hat (und als Homo Oeconomicus, nein das hat jetzt nichts mit ‘Brokeback Mountain’ zu tun, will man ja wissen, ob der Ticketpreis eine gute Investition gewesen ist oder nicht), stellt man fest, dass man so ziemlich jede Theorie, die einem im Rahmen der Logik des Filmes in den Sinn kommt, zulassen könnte. Einerseits wirkt das verunsichernd, andererseits zeichnet das den Film aus und gibt im in der Kategorie ‘Kinoerlebnis’ mindestens so viel Punkte wie er für die visuelle Umsetzung erhalten würde.

Da diese Art des Thrillers (obwohl ich mir nicht einmal sicher bin, ob dies für ‘Stay’ die treffendste Bezeichnung ist) durch seine Einladung zur mehr oder weniger freien Interpretation der Story nicht die ohrfeigende Wirkung hat, wie man sie am besten in ‘Fight Club’ oder ‘The Sixth Sense’ erleben durfte, beansprucht der Film am Ende durch einen formal und inhaltlich überraschend klaren Schluss für sich, nicht nur ein verwirrender, kruder Mix ohne Sinn und Plan zu sein, sondern vermittelt den Eindruck, dass sich auch in diesem, für das Publikum ziemlich verunsichernde Vexierspiel zwischen Sein und Schein, Leben und Tod eine klare Idee und eine eindeutige Auflösung verstecken – wenn man sie nur erkennen würde. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass hinter ‘Stay’ eine perfekte, sehr wohl Sinn machende und, einmal durchschaut, simple Geschichte steckt, deren Umsetzung von Marc Forster eine zusätzliche, wertvolle Ebene erhalten hat, nämlich die der Illusion der Offenheit und Unverbindlichkeit.
Kombiniert mit der kunstvollen handwerklichen Präsentation der Geschichte und den exquisiten Schauspielern ergibt sich daraus ein Leckerbissen, auf den man sich auf jeden Fall einlassen sollte.

Archives | First published Mar 25, 2006

Inside Man

Rating: 3

Inside ManNepper, Schlepper, Bauernfänger

Ich nenne mich ‘Host’. Lest die folgenden Zeilen behutsam, denn ich werde jeden Satz nur einmal Schreiben (alles andere wäre wohl auch ziemlich bescheuert). In den vergangenen paar Minuten habe ich mir die perfekte Kritik zu ‘Inside Man’ ausgedacht. Das ist das ‘Was’. Das ‘Wo’ ist gleich hier, auf dieser Website. Das Keyboard vor mir ist das ‘Wie’. Warum ich das tue? Weil ich es kann. Das ‘und warum noch mal sollte dieser Text perfekt sein, mir scheint, der ist ziemlich willkürlich und eher durchschnittlich und meilenweit von Perfektionismus entfernt’ ist die Tatsache, dass ich besagte perfekte Zeilen leider vergessen habe, bevor ich sie notieren konnte.
Und das ist das ‘Pech’, das wir beide haben, denn die nächsten paar Minuten werden wir uns beide mit einer Besprechung von ‘Inside Man’ herumschlagen, die kaum die Kilobyte wert ist, die sie an Speicher vergeudet. Und Du kannst mir glauben, wenn ich schreibe, dass mir das hier genau sowenig Spass macht wie dir.

Doch genug zu mir, sprechen wir von einem anderen kleinen, zornigen Mann: Spike Lee. Was er mit ‘The 25th Hour’ begonnen hat, führt er mit ‘Inside Man’ solide weiter, nämlich, sich erneut von seinen häufig sehr politischen Stoffen zu entfernen (für solche Sachen haben wir ja jetzt den Dschordsch Kluni). Er lässt diesmal sogar auch wieder ein paar Weisse mitspielen.
Er erlaubt sich, einen etwas leichteren Stoff zu verfilmen – natürlich nicht, ohne dabei einige Seitenhiebe auf schwelenden Rassismus, und das verschwinden der Freiheitsrechte seit 9/11 mit einzuflechten. Weiss man, dass bei ‘Inside Man’ Spike Lee federführend war, könnte man in einigen Szenen sogar ziemlich treffende Parabeln zum fragwürdigen ‘Patriot Act’ erkennen. Und sogar die Familie Bush bleibt nicht ganz unangetastet.

Das bemerkenswerteste an ‘Inside Man’ ist aber, dass es sich dabei um einen ziemlich gelungenen und funktionierenden Heist-Movie handelt. Zwar erreicht er zu keiner Zeit den Charme von ‘Ocean’s Eleven’ oder ‘Ocean’s Twelve’ (schon wieder eine Klammerbemerkung, in der es um George Clooney geht, das entwickelt sich langsam zu einem Fetisch, insbesondere, da dieser Einschub purem Selbstzweck dient), ist aber nicht minder unterhaltend.

Es liegt im Ding der Sache, dass ein Film dieses Genres nur funktioniert, wenn die Story dem Publikum immer einer Nasenlänge voraus ist. Eine durchsichtige Story oder ein allzu hanebüchenes Überraschungs-Ende nimmt dem Film die ganze Existenzberechtigung. Diesen Anspruch erfüllt der Film vollends. Zwar reisst einen der Film nicht grade meilenweit vom Kinositz, amüsant und spannend ist das ganze aber auf jeden Fall geworden, denn auch an Humor mangelt es ‘Inside Man’ nicht, da er auch mit einigen wirklich amüsanten Szenen aufwartet.

Besonderes Vergnügen bereitet das Spiel von Clive Owen, Denzel Washington, Jodie Foster und Willem Dafoe, die alle, wie es scheint, die Sache nicht allzu ernst nehmen, es aber sichtlich geniessen, mehr oder weniger gegen ihre gewohnten Rollenkategorien anzuspielen: Washington als grenzkorrupter Detective, Jodie Foster als ‘magnificent cunt’, Clive Owen als ehrenhafter Schurke, Willem Dafoe als Polizist und Christopher Plummer als intrigierender Bad Guy – na ja, so ganz unbekannt kommen uns diese Besetzungen bei wiederholter Überlegung wohl doch nicht vor.
Aber eben, ich habe nie behauptet, dieser Text sei perfekt.

Archives | First published Mar 25, 2006

Syriana

Rating: 3.5

SyrianaClooney for President

Dschordsch Kluni, alter Schwede! Im ernst, der Mann kommt mir immer mehr wie einer unserer nördlichen Nachbarn vor: Die ganze Welt liebt ihn, niemand mag ihm was böses, Frauen wollen ihn, Männer wollen sein wie er, jedermann würde ihm ohne mit der Wimper zu zucken ein schlechtes Möbelstück abkaufen und selbst gegen einen zukünftigen Vizepräsidenten Jon Stewart neben seinem neuen Vorgesetzten George Clooney hätte man nichts einzuwenden. Sein Kabinett wäre nicht minder gut aussehend und setzte sich aus Julia Roberts, Matt Damon, Steven Soderbergh, Grant Heslov und vielleicht Brad Pitt, wenn ihn die Jolie mal zum Spielen rauslässt, zusammen.
Und wie Schweden gegenüber Finnland hat auch Clooney einen nicht zu unterschätzenden Vorteil gegenüber anderen Künstlern wie,… nun sagen wir mal Salman Rushdie: Er hat der islamischen nämlich bis anhin keinen Grund gegeben, ihn umzubringen. Ausser vielleicht den einen, wofür ihn die westliche und östliche Welt gleichermassen hassen dürften: ‘Batman & Robin‘. Aber wie er in seiner Oscarrede erneut unter beweis stellte, ist er immer noch im Begriff diesen Missgeschick zu verarbeiten. (und unlängst bemerkte er auf die Frage, ob er nicht auch mal einen Schwulen spielen würde, dass er dies in ‘Batman & Robin’ doch schon getan hätte, das Kostüm hätte schliesslich Nippel gehabt.) Man sieht, der Mann ist um Katharsis bemüht und man sollte ihm diesen Versehen nicht länger nachtragen (Wenn nötig, kann man ja noch auf anderen Jugendsünden herumreiten. Stichwort: Tomaten).
Auch ‘Syriana’ wird wohl Kluni’s Höhenflug keinen Abbruch tun. Momentan würde er sich wohl sowieso eher in Guantanamo Bay als in einer arabischen Folterkammer wieder finden. Obwohl Kluni in ‘Syriana’ zwar ‘nur’ Nebendarsteller und Executive Producer war ist es unübersehbar, dass in letzter Zeit überall ein wenig Kluni drinsteckt wo Bush-Kritik draufsteht.

Und auch in ‘Syriana’ wird uns vor allem eines klar gemacht: Korruption und Gier sind keine Frage der Religion und Geld, Macht und Recht stehen auf der Seite derer, die vor allem drei Dinge für sich beanspruchen können: Geld, Macht und genügend Anwälte. Wer dann noch die Richtigen Leute kennt und nicht allzu zimperlich mit dehnbaren Begriffen wie Freund und Feind, Loyalität oder Gerechtigkeit ist, kann es weit bringen. Holla, es wird ja beinahe politisch heute.
Bevor George Bush eine Flotte Tarnkappenbomber auf meinen Server loslässt, wechsle ich schnell zu unverfänglicheren Statements über die filmischen Qualitäten von ‘Syriana’:
Das beste zu Beginn: Der Film glänzt vor allem durch seinen sauberen Soderbergh-Look (Er war ja schliesslich einer der anderen Executive Producers bei ‘Syriana’) und seine Darsteller: Nebst dem nun verdientermassen Oscar-geschmückten George Clooney, glänzen vor allem Alexander Siddig, Amanda Peet, Christopher Plummer und Chris Cooper, um den man in letzter Zeit sowieso nicht herumkommt. Auch Matt Damon darf wieder mitmachen, bleibt aber bis auf weiteres bei seiner bewährten “Matt Damon is Jason Boring” Nummer.

Die erwarteten Verständnisprobleme aufgrund eines angeblich zu verzwickten Plots blieben glücklicherweise aus, wenn man sich ein wenig konzentrierte. Da konnte man sich schon mal ein Nickerchen zwischendurch leisten, denn wahnsinnig spannend ist der Film nicht, obwohl er eine gewisse Angespanntheit etablieren kann. Empfehlen kann ich ihn allemal. Auch wenn nicht immer gleich alles zum absoluten Meisterwerk wird, wo Soderbergh und Clooney (oder ihre Produktionsgesellschaft Section Eight Productions) zum Zuge kommen, sehenswert waren die Resulatate bis anhin zumindest immer. Freuen wir uns auf ‘The good German‘ (2006), ‘Ocean’s Thirtheen‘ (2007), ‘Michael Clayton‘ (2006), ‘A Scanner Darkly‘ (2006). Und wer nicht so lange warten kann, sollte sich bei Gelegenheit mal ‘Waiting for Woody‘ aus dem Jahre 1998 anschauen. Unter der Regie von Grant Heslov macht Kluni das, was er eigentlich immer macht und auch am besten kann, er spielt sich selbst.

Archives | First published Mar 11, 2006

Lord of War

Rating: 4.5

Lord of WarAbt.: Frieden schaffen,… mit Waffen!

Nun ja, aufgrund der Qualität von ‘Lord of War’ hätte ich mir ja wirklich mehr Zeit nehmen müssen, mir einen etwas ausführlicheren Bericht über den Film aus den Fingern zu saugen… Aber eben, die Zeit.

Drum lass ich’s mal bei einem einfachen Imperativ bewenden: ‘Lord of War’ sollte man nicht verpassen! Keiner der in diesem jahr nicht gerade unzahlreichen US-kritischen Filme vereint Unterhaltung, Zynik und kritischen Anspruch so gekonnt wie ‘Lord of War’. Der Film bringt den nötigen Witz mit sich, um die ganze Sache nicht so staubtrocken wie die Wüsten Szenen in ‘Syriana’ versanden zu lassen und zeichnet auch nicht ganz so schwarz-weiss wie dies ‘Good Night and Good Luck’ tut. Das ganze kommt dafür tief-grau daher, umso mehr, da man eigentlich die ganze Zeit mit dem bösen Buben mitfiebert. Ein in letzter Zeit ebenso beliebter wie erfolgreicher Kniff die Identifikationsfiguren diametral zur moralischen Common Sense zu setzen. Es mag stimmen, dass all die genannten Filme sehr ernste Themen behandeln, doch meist wird einem der Zugang zum Stoff doch erst durch den nötigen Witz so richtig schmackhaft gemacht.

Dazu gibt’s endlich wieder einmal einen überzeugenden Nicolas Cage, dem ich die Abwechslung eines künstlerischen Erfolges nach vermurkstem Zeug wie ‘National Treasure’ oder Lisa Marie Presley wirklich gönne. Ethan Hawke, von dem ich bis heute nicht weiss, ob das ‘e’ am Schluss stumm ist oder nicht, spielt dazu schon fast gewohnt brillant wie immer.

Was soll ich noch mehr schreiben? Gekonnte Inszenierung, originelle Story, dazu Anspruch und Kritisches Gedankengut… Was will man mehr? Anschaun! Kritischer und besser wird’s in diesem Kinomonat nur noch in ‘V for Vendetta’.

Archives | First published Mar 11, 2006