Brokeback Mountain

Rating: 2.5

Brokeback MountainNo sheeps were harmed during the making of this movie – at least not if they didn’t wanted to.

Ich frage mich, wie sich Ang Lee fühlt: Freut er sich darüber, dass sein neuestes Werk gleich für acht Oskars nominiert wurde oder ärgert er sich, weil der Film in der breiten Bevölkerung nicht als ‘Brokeback Mountain’ sondern als ‘Du weisst schon, der Film mit den schwulen Cowboys’ im Gedächtnis bleiben wird?
Zu Beginn fand ich die Betonung auf die sexuellen Neigungen der beiden Hauptdarsteller ja auch etwas übertrieben, diese erste Aufregung legte sich dann aber relativ rasch, als ich realisierte, dass die von Heath Ledger verkörperte Figur ja gar nicht ‘Anus’ sondern ‘Ennis’ heisst.
Dieser durch falsche Erwartungshaltungen hervorgerufene Irrtum ist ein passendes Beispiel dafür, wie Medien einen Film ohne Rücksicht auf Verluste kategorisieren, verzerren und in ein völlig falsches Licht rücken können. Schliesslich handelt die Geschichte von ‘Brokeback Mountain’ von weit mehr als schwulen Cowboys; es geht nämlich um schwule Schafhirten, schwule Rancher und schwule Rodeoreiter. Daneben kommen auch ein paar nicht-schwule Charaktere in der Geschichte vor; Die meisten von ihnen werden von Frauen verkörpert und bei Randy Quaid bin ich mir nicht mehr so sicher, seit die Aliens aus ‘Independence Day’ mit all den Sonden an ihm herumexperimentiert haben.

Vielleicht liegt es daran, dass Regisseur Ang Lee einen gewissen Exotenbonus mit sich bringt, vielleicht auch an diesem Making-of, in dem er erklärt, dass die wilde Kamerafahrt durch die Küche aus ‘Eat Drink Man Woman’ durch den Anflug durch die Gräben des Todessterns aus ‘Star Wars’ inspiriert worden war, auf jeden Fall bringe ich in Ang Lee Filme meist mehr Geduld mit als in vergleichbare Streifen mit gewissem Anspruch. Bisher wurde diese für meine Verhältnisse erstaunliche Offenheit bei jeder Gelegenheit mehr als belohnt. Die unvergleichbare Atmosphäre, die er beispielsweise in ‘The Ice Storm’ geschaffen hat, beeindruckt und inspiriert mich immer wieder aufs Neue. Zwar kann ich das von ‘Hulk’ nicht behaupten, der Film hat aber durchaus andere Qualitäten, die ihn von anderen Comicverfilmungen abheben; nur merkte man das vor lauter Effekten leider fast nicht.

Das Kunststück, mich während 134 explosionslosen Kinominuten im Kinosessel zu halten, gelingt ihm mit ‘Brokeback Mountain’ erneut – wenn auch mit gewissen Abstrichen. Mit fast mystischen Bildern der ebenso rauen wie wunderschönen Landschaft kreiert er eine solch intensive Stimmung, dass es nur noch den passenden Soundtrack braucht, damit am warmen Lagerfeuer auch dem abgebrühtesten Marlboro Man mal nach kuscheln zu mute wird.
Dabei bin ich mir auch bei den grandiosen Hauptdarstellern Jake Gyllenhaal und Heath Ledger nicht ganz sicher, wie sie es angestellt haben. Aber die für die beiden wahrscheinlich eher neue Herausforderung, das Liebespaar in einer für Hollywood ungewohnten Amour fou glaubhaft und unaufdringlich darzustellen, meistern sie ebenso unauffällig wie überzeugend. Ich denke, der einzige Grund, warum nur Ledger, nicht jedoch Gyllenhaal für den Oscar als bester Hauptdarsteller nominiert wurde, liegt nur daran, dass [Spoiler] Jack Twist einfach zu früh abtritt und nicht einmal eine dramatische Sterbeszene kriegt [/Spoiler].
Gegen Ende weichte dann meine anfängliche Begeisterung über die ruhigen Bilder und die erstklassigen Schauspieler leider einer gewissen Langeweile, da sich die Story irgendwie im Kreis zu drehen schien.

Zum Schluss war ich zwar enttäuscht, dass bei einer Spielfilmlänge von mehr als zwei Stunden weder ‘YMCA’ noch ‘I will survive’ für den Soundtrack berücksichtig worden waren. Kurz darauf wich meine Enttäuschung aber einem Anflug von Erleichterung, als ich las, dass da eine Kurzgeschichte und kein ausgewachsenen Roman verfilmt worden war, denn so was kann ganz schnell zu weiteren Überlängen oder einem Sequel führen.

Bei aller Homophobie bleibt, nachdem die letzten Bilder des Abspanns den Projektor passiert haben, vor allem eine Frage im dunklen Kinosaal zurück: Steckt nicht in jedem von uns ein kleiner Schafhirte? Es ja kann ja auch jemand anderes als Heath Ledger sein.

Archives | First published Feb 19, 2006

Walk the Line

Rating: 2

Walk the LineNur Bares ist Wahres…

Zu Johnny Cash will mir irgendwie so gar nichts Originelles einfallen. Das könnte daran liegen, dass mir der Sänger vor (und eigentlich auch nach) dem Besuch von ‘Walk the Line‘ ebenso wenig vertraut war und ist wie Ray Charles, nachdem ich mir im letzten Jahr Jamie Foxx in ‘Collateral‘ angeschaut hatte. Und da ich vor geraumer Zeit schon die internationale Piero Esteriore Lobby unwiederbringlich gegen mich aufgebracht habe, möchte ich nun nicht auch noch die Johnny Cash Fans durch irgendwelche thematischen Fehler vergraulen.

Tja, was macht man in so einer Situation? Vor lauter Ratlosigkeit stelle ich mein Fähnchen mal in den Wind und lasse mich über die grandiose Leistung von Hauptdarsteller Joaquin Phoenix aus. Tut ja auch niemandem weh, schliesslich treffen die Lobhudeleien über den Ausnahmeschauspieler (auch so eine abgelutschte Bezeichnung) voll ins Schwarze. Offen gesagt war Phoenix (nebst meiner journalistischen Verpflichtung) der einzige Grund, überhaupt in den Film zu gehen. Glücklicherweise wandelt sich diese doch eher einseitige Initialmotivation, sich ‘Walk the Line’ überhaupt anzuschauen, bis zum Ende des Filmes zum eigentlichen Hauptargument, den Streifen auch wirklich zu mögen. (Manno, viel gekünstelter kann man einen Satz wohl nicht konstruieren.) Obwohl der Film mit einer Dauer von 136 Minuten nicht gerade durch seine Kurzweile glänzt, könnte man Joaquin Phoenix’ Darstellung durchaus noch länger geniessen.

Nach der Vorstellung von ‘Walk the Line’ kam ich mir trotzdem irgendwie immer noch wie ein Banause vor, etwa wie ein ‘Star Wars’ – Fan, der ohne Handtuch auf einer ‘ Hitchhiker’s Guide to the Galaxy – Convention erwischt wurde. Schliesslich wird Cash nicht erst posthum in allen Tönen gelobt, trotzdem ist mir seine Musik bis auf das obligate ‘Ring of Fire‘ und einer ‘Walk the Line’ Interpretation von Leonard Nimoy immer irgendwie fremd geblieben. Von Phoenix’ Performance fasziniert, schaute ich mir im Netz darum mal einige Photos des echten JR Cash an während ich mir anhörte, wie der original Man in Black damals seine Stimme zu Cash machte. (Da klingelte gerade eben was in der Kasse für ganz miese Wortspiele.) Bei allem Respekt muss ich zugeben, dass der echte Cash mich wohl nicht so überzeugen und mitreissen hätte können wie Joaquin Phoenix es getan hat.

‘Original Man in Black’, ‘Ausnahmeschauspieler’, ‘Ray Charles’. Bis auf die Erwähnung der ebenfalls famosen Leistungen von Reese Witherspoon und Robert Patrick, welche ich ebenfalls nur unterstreichen kann, sollte ich eigentlich nun bis hierhin alles für eine solide 08:15 Kritik zusammenhaben, und im Fazit lässt sich ja auch noch das eine oder andere Schlagwort unterbringen:

Zusammenfassend kann man sagen, dass schon die gesanglichen und schauspielerischen Leistungen des Hauptdarstellers das Kinoticket wert sind, denn spätestens mit den Worten ‘Hello, I’m Johnny Cash’ lässt er die Legende in Schwarz wie Phoenix aus der Asche steigen und könnte in diesem Jahr damit kleine Statuetten ebenso vergolden wie Cash’s gesamten musikalischen Nachlass.

Archives | First published Feb 11, 2006

Saw 2

Rating: 1.5

Saw 2Wer sagt denn, eine Schlüsselszene könne nicht am Anfang des Filmes stehen…?

Allein die Tatsache, dass sich ein Parlamentarier laut einer erfolgreichen (dhoa!? Könnte der Erfolg etwa an der Kostenlosigkeit der Publikation liegen?) Pendlerzeitung besonders für ‘Saw II’ interessierte, weil darin eventuell unnötig brutale Szenen vorkommen, liess mich auch als nicht ausgesprochenen Splatter-Fan aufhorchen und zwang mich geradezu in ein Kino, in dem das Filmchen gezeigt wurde.

Zugegebenermassen (die Komplexität der Bewegungsabläufe, die in den Fingern nötig sind, um das Wort ‘zugegebenermassen’ zu tippen, steht in einem unberechtigt schlechten Verhältnis zu seiner Nützlich- und Häufigkeit in meinem Sprach- und Schreibgebrauch; das ist fast so schlimm wie ‘nichtsdestotrotz’, ein Wort, dessen Schriftbild und Klang mich ebenfalls immer wieder in staunen versetzt.) kam mir ein Stück Kino, das ebenso unbegründet wie forciert Gewaltdarstellung zelebriert, gerade recht nach einer enervierenden Woche voller Wischiwaschi –Schlagzeilen und –Politik über feinen Staub und weniger feine Protestaktionen gegen die Pressefreiheit.
An dieser Stelle geht der verantwortungsbewusste Leser, genau wie der Schreiber, zurück zum Beginn des letzten oder vorletzten Satzes, um zu erkennen, dass Klammern und eingeschobene Teilsätze nicht immer zur Verständlichkeit eines Textes beitragen und wird beim erneuten Lesen wohlweisslich den Klammertext übergehen.

Was auch nicht besonders stören sollte, denn im Folgenden sei meine Meinung über ‘Saw 2’ relativ schnell kundgetan, und ich denke, die Tatsache, dass mir das Erlebnis des ersten Teils abgeht, fällt dabei nicht mal so sehr ins Gewicht. In diesem Punkt kann ich ‘Saw II’ gar ein Kränzchen winden, denn von einem hat mich der Film überzeugt: Ich muss mir unbedingt mal den ersten Teil auf DVD (oder Blu-Ray Disc oder HD DVD oder meinetwegen auch auf einer Wachstafel, falls sich die Pornoindustrie nicht entscheiden kann, auf welches Format sie und somit der Rest der Branche in diesem Jahrzehnt setzt) anschauen.

Während die Story in von ähnlichen Filmen gewohnter ‘Zehn-kleine-Negerlein’ – Manier (wobei ich zum wiederholten mal bemerke, dass ich weiss, dass der Titel seit einigen Jahren politisch korrekt in ‘Da waren’s nur noch Zehn’ geändert wurde) seine Hauptakteure metzelt, erinnert der Film in seinem Minimalismus doch sehr stark an ‘Cube‘ und verliert trotz dieses unweigerlichen Déjà-vus nicht mal sonderlich an Qualität, sondern macht das beste draus. Wo ‘Cube’ jedoch durch eine Mischung aus Naivität und Innovation an Sympathien gewinnen konnte, wirkt ‘Saw II’, bei allem Respekt, etwas unausgereift, was Spannungsbogen und Inszenierung anbelangt.

Doch was schreib ich, schlussendlich ärgerte ich mich am meisten darüber, dass nicht noch mehr fiese Fallen gezeigt wurden, und der Film gegen Ende erst relativ schnell auf eine Auflösung, dann auf ein fast erzwungen wirkendes Überraschungsende zusteuert.

Für einen, je nach Kondition amüsanten oder spannenden Donnerstagabend reicht ‘Saw II’ allemal.

Archives | First published Feb 10, 2006