Munich

Rating: 3

MunichIn München steht ein Hofbräuhaus, oans,… zwoa,… g’schossn!

Es gibt Tage, an denen muss man sich entscheiden: Schüttelt man eine belanglose Kritik über einen zwar äusserst gelungenen, aber wenig überraschenden Film von Steven Spielberg aus dem Ärmel oder spart man sich die Mühe? Angesichts der Tatsache, dass sich in diesem Ärmel seit längerem mehr Milben und Achselhaare als originelle Einfälle finden, ist die Idee verlockend, unter dem Einwand der Zeitnot auf eine ausführliche Kritik zu verzichten und dafür auf das bewährte Mittel der Kurzanalyse zurückzugreifen. So wird den Lesern als Gegenleistung zur Abwechslung mal ein Stück wirklich nützliche Information geliefert: Die Nominierten der Academy Awards 2006.

Archives | First published Jan 28, 2006

Match Point

Rating: 4

Match PointThe Scarlett Letter

Es ist an der Zeit, dem werten Leser dieser bescheidenen Webseite einen Blick hinter die Kulissen der Entstehung einer Filmbesprechung zu gewähren. Eine Kritik schreibt sich nicht von alleine und nicht selten ist der Rezensent versucht, die Zeilen mit irgendwelchem Nonsense statt mit Fakten und Analysen zum Film zu füllen.

So beginnt eine pflichtbewusste Filmbesprechung bei der sorgfältigen Vorbereitung schon vor dem eigentlichen Kinobesuch. Selten wird einem die Entscheidung, welcher Premiere am Donnerstag der Vorzug zu gewähren ist, durch den Start eines konkurrenzlosen Blockbusters abgenommen und meist werden schon Tage vor der Premiere die einschlägigen Kulturfeuilletons konsultiert. Damit ist es aber noch nicht getan. Der Erfolg einer Kritik hängt nicht selten davon ab, wie es um das nationale und internationale politisch-soziale Gefüge und Befinden steht. So bietet es sich geradezu an, in politisch brisanten Zeiten eher kritische und wichtige Filme wie ‘Jarhead‘, ‘Good Night, and Good Luck‘ oder ‘Munich’ den Vorzug zu geben und beispielsweise die neue Komödie mit Jim Carrey zu depriorisieren. Auch entscheidet die globale und nationale Stimmung bis zu einem gewissen Grad, wie die Bewertung des Filmes letztendlich herauskommt. Im besten Falle geschieht diese Beeinflussung natürlich völlig unbewusst; abstreiten lässt sie sich jedoch kaum.

Unterm Strich bedeutet dies nichts anderes, als dass schon die Wahl des zu rezensierenden Filmes nicht von irgendwelchen persönlichen Neigungen oder Präferenzen abhängen darf, sondern das ganze globale und lokale Wechselspiel zwischen Politik, kulturellen und sozialen Gegebenheiten sorgfältig analysiert werden will, und die zu erwartende aktuelle Verfassung des Gastes beim Besuch von nidwirkli.ch und somit des gesamten deutschen Sprachraumes entsprechend gewichtet werden sollte. Man geht ja schliesslich nicht zum Vergnügen ins Kino.

Auch dem hier niedergeschriebenen Text liegt eine solch seriöse Vorbereitung zugrunde: Diese zeitaufwändige Abwägung von Für und Wieder der einzelnen aktuellen Filmpremieren in der Schweiz führte zum Ergebnis, dass in ‘Match Point‘ die atemberaubende Scarlett Johansson mitspielt, während sie das in ‘Grounding‘ und sämtlichen anderen startenden Filmen nicht tut. Dieser Faktor erklärt, warum vorliegende Kritik den neuen Film von Woody Allen behandelt und nicht den Krimi über den Absturz der ehemaligen nationalen Airline. Und wer bin ich, dass ich mich über das Resultat eines solch transparenten Kriterienkataloges hinwegsetzen wollte?

Ob und in welchem Masse der Film dann gefällt, hängt meist von einem klar vorgegebenen Analyseraster ab, in dem in sechs technisch-handwerklichen (Musik, Montage, Darsteller,…) und sechs emotional-empirischen Kategorien (Unterhaltung, Anspruch, Rhythums,…) zwischen 1 und 5 Punkte vergeben werden. Die Summe der Punkte entscheidet über die Benotung des Filmes. Wie der geneigte Leser spätestens jetzt bemerkt, hat diese Benotung jedoch meist nur herzlich wenig mit der eigentlichen Rezension des Filmes zu tun. Um das ganze zu vervollständigen, prangert über dem ganzen die gefühlte Bewertung, ebenfalls eine Note zwischen 1 und 5, die sich jedoch ebenfalls von der mathematisch hergeleiteten Note unterscheiden kann, aber in den Top Ten aus technischen Gründen (die beschränkten Programmiertechniken des Hosts) nicht berücksichtigt wird.

Wer hier also ‘nur’ eine Kaufberatung fürs Kinoticket sucht, ist mit der untenstehenden Analyse bestens bedient und wird schon durch einen kurzen Blick auf die Punktebewertung erfahren, ob sich laut Host ein Besuch von ‘Match Point’ lohnen wird oder nicht. All jene, die sich für Details, Hintergründe und Gedanken zum Film interessieren, lade ich ein, meine Texte zu lesen.
Die professionellen Beweggründe und komplexen Gedankengänge, die zu diesen Perlen der deutschen Belletristik führen, wurden ja mit diesem Beitrag zur Genüge behandelt. Darüber hinaus kann jeder, der seine Meinung kundtun möchte, dies am Ende jeder Seite tun oder wertvolle Informationen und Meinungen wie z.B. ‘Du redest nur wirres Zeug […]’ mit anderen Besuchern teilen, indem er einen Kommentar zur Seite beisteuert.

Archives | First published Jan 20, 2006

Grounding

Rating: 3

GroundingPilotfilm

Ich gebe es ja zu: Ich bin überraschend begeistert von ‘Grounding’. Wer hätte das gedacht? Ich würde an dieser Stelle ja gerne wieder mal einen Film ein wenig durch den Dreck ziehen. Und wenn ich ganz ehrlich bin, hätte es mich, nachdem ich mir letzthin den schrecklichen ‘Ring Thing’ auszugsweise im TV angetan habe, nicht gewundert, wenn ‘Grounding’ das Schicksal einer ebenso unbegründeten wie bösartigen Kritik meinerseits ereilt wäre. Nichtsdestotrotz muss ich zum wiederholten Mal feststellen, dass ich den so genannten Schweizer Film nicht länger unterschätzen sollte. Trotz neuem Logo scheint das mit Beck und Bondi oder Black’n’Blond und Pisa gefüllte SF Format kein repräsentativer Qualitätsausweis für das eidgenössische Kulturschaffen zu sein (was wohl die wenigsten überrascht); doch was soll ich sagen? Nachdem Flip ‘Fascht e Familie’ verlassen hat, habe ich mich nie mehr gross darum gekümmert.

Auch gemessen an meinen doch gar fragwürdigen Kriterien eines befriedigenden Kinoerlebnisses schneidet der Film über die letzten Tage der Swissair zweifellos überdurchschnittlich gut ab und braucht den Vergleich mit ebenso teureren wie ausländischeren Produktionen nicht zu scheuen. Im Gegenteil; Nicht zum ersten Mal machten sich die Schweizer Macher helvetische Themen und Eigenarten zunutze, ohne sie ins Lächerliche zu ziehen oder unnötig zu überhöhen. Was dabei herausgekommen ist, präsentiert sich als stimmige, professionelle und vor allem ungemein spannende und unterhaltende Produktion, ohne sonderlich übertrieben zu wirken, obwohl zahlreiche Klischees mit Nachdruck bedient werden. Sogar von einer von mir lange gehegten Vermutung, nämlich, dass Drama und Dialekt einfach nicht zusammen gehen, musste ich mich endgültig verabschieden; vor allem hätte ich mir nie träumen lassen, dass der Graubündner Dialekt je so herrlich fies tönen könnte wie hier.

An dieser Stelle ignoriere ich mal salopp, dass die Geschichte, die da erzählt wird, nicht zwangsläufig der ganzen Wahrheit entsprechen muss, denn gerade diese Stilisierung der realen Begebenheiten zugunsten der Dramaturgie macht den Film so geniessbar. In den einzelnen Handlungssträngen wird erstaunlich klar schwarz-weiss gemalt und man schämt sich nicht, im Dienste des Dramas Details wie etwa die fragwürdigen Abgangsentschädigungen der Verwaltungsräte wegzulassen. Kompromisslos werden stattdessen Manager zu Helden oder Feiglingen stilisiert und Bankenchefs zu Teufeln gemacht.

Obwohl ‘Grounding’ stoffbedingt mit keinem überraschenden Ende aufwarten kann, schafft es der Film, ungemeine Spannung aufzubauen, was vor allem der gekonnten handwerklichen Umsetzung und der wirklich gelungenen Musik zuzuschreiben ist.

Da gönne ich zur Abwechslung doch allen beteiligten den enormen Publikumserfolg und freue mich auf den nächsten Politkrimi über den interkantonalen Beschwerdetourismus.

Archives | First published Jan 20, 2006

Good Night, and Good Luck

Rating: 2.5

Good Night, and Good LuckTrois couleurs: Rouge (en noir et blanc) (Mes félicitations aux ceux qui peuvent déchiffrer ce jeu de mots.)

George Clooney oder Dschordsch Kluni, wie ich ihn immer wieder gerne nenne, beweist mit ‘Good Night, and Good Luck.’ nach seinem Regiedebut ‘Confessions of a Dangerous Mind‘ erneut, dass er halt doch mehr zu bieten hat als good looks and ein Charisma, dass mann als durchschnittlich geschnittlauchter Ladieshost einfach nur schwarz-weiss vor Neid werden kann. Die Perfektion und Ernsthaftigkeit, mit der er uns den Film über die Kommunistenjagd unter Senator McCarthy und die allgemeine journalistische Verantwortung präsentiert sucht im aktuellen Kino seinesgleichen. Sicher, auch Stephen Spielberg’s ‘Munich’ wird ebenso ernsthaft wie perfekt daherkommen, trotzdem wird es dort wieder ziemlich unverkennbar spielbergeln, und obwohl bei Kluni’s Schwarz-Weiss Oeuvre wie schon bei seinem Erstling ‘Confessions of a Dangerous Mind’ der Einfluss von Soderbergh unverkennbar durchdrückt, kommt der Film extrem nüchtern und zurückhaltend daher. Dies macht ‘Good Night, and Good Luck.’ zwar unglaublich kompakt, stimmig und homogen, auf der anderen Seite fehlt es dem Film dadurch etwas an Ecken und Kanten. Glücklicherweise macht dies die intensive, nuancierte Performance des Hauptdarstellers David Strathairn, der neben einigen unscheinbaren Klunis, Downey-Juniors, Langellas und Daniels’ mehr als wett.

Wenn während des Films dann zwischen den einzelnen, ich nenne es mal Akten wieder mal etwas Musik ertönt, und man die doch ziemlich komplizierten Dialoge und ausführlichen Untertitel verdauen kann, amüsierten sich zumindest einige meiner Hirnwindungen mit der Vorstellung, dass es nun nicht schaden könnte, wenn in der nächsten Szene ein Gastauftritt von Soderbergh, Damon, Roberts oder Cheadle das ganze etwas auflockern und eine kleine Anspielung auf den kommenden ‘Ocean’s 13‘ machen würde. Leider (oder wohl eher glücklicherweise) konnte sich Kluni dabei zurückhalten und konzentrierte sich voll auf Authentizität und Story. Ob der Nüchternheit und dem Perfektionismus des Films kann sich vorstellen, dass ziemlich viel Herzblut des Journalistensohns in den Film geflossen ist; nicht umsonst bemerkt Kluni in Interviews gerne auch schon mal ungefragt, was für ein Fan er der guten alten Flimmerkasten-Zeit sei, als es noch Live-TV und richtigen investigativen Journalismus gab (im Gegensatz zum heutigen ziemlich indigestiven Fernsehprogramm).

In die von den meisten Kritikern angestimmten überschwänglichen Lobeshymnen über ‘Good Night, and Good Luck.’ möchte ich zwar nicht einstimmen; dazu ist mir der Film doch eine Spur zu clean und trocken, und das Thema der McCarthy Ära ist mir bei allen Parallelen zu Bush’s ‘State of Fear’ Politik doch zu wenig präsent. Trotzdem kann man sich den Film getrost anschauen. Ein ebenso spannender wie anspruchsvoller Kinoabend mit tollen Schauspielern, technisch mehr als solide umgesetzt, ist garantiert.

Archives | First published Jan 12, 2006