Broken Flowers

Rating: 3.5

Broken Flowers…und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Bill, Weihrauch und Murray. [Matthäus 2.1.]

Verdient ‘Broken Flowers’ all die Vorschullorbeeren, die er von der nationalen und internationalen Presse bekommen hatte? Da so ziemlich alle mehr oder weniger einschlägigen Kritiken Jim Jarmusch’s neuestes Werk feierten, musste man geradezu misstrauisch werden. Es war zu befürchten, dass der Film in dem Masse langweilig ist, wie er als ‘Meisterwerk’ und ‘bester Film des Jahres’, ‘minimalistische Ode an die Lethargie’ oder ähnliches gelobhudelt wurde. Dass Bill Murray in der Rolle als ebenso knurriger wie liebevoller Stenz (was auch immer das bedeutet, aber schliesslich gab’s auch mal einen Ghostbuster, der so genannt wurde, darum scheint mir die Bezeichnung mehr als passend) einfach nur glänzen kann, wissen wir schon seit ‘Lost in Translation’ und ‘The Life Aquatic’. Zum Glück funktioniert dieses Rezept erneut in ‘Broken Flowers’ und man glaubt Jim Jarmusch, wenn er behauptet, er habe die Rolle Murray auf den Leib geschrieben.

Entgegen meinen Befürchtungen vergingen die mehr als eineinhalb Stunden Film wie im Flug, und obwohl ich mich ab und zu auf andere Streifen vergleichbarer Länge besinnte und ich daran denken musste, was man in dieser Zeit alles in die Luft sprengen könnte, wird mir der Film in guter Erinnerung bleiben. – Muss er ja auch; es macht sich ja immer gut, zu sagen, man hätte den letzten Jim Jarmusch gesehen und gemocht.

Allzu viel passieren tut auf Don Johnston’s Road Trip in die Vergangenheit zwar nicht, doch die mitunter episodenhaft anmutende Montage mit sich wiederholenden Motiven schafft es, die Aufmerksamkeit auf den Film zurückzubringen, wenn die Kamera halt doch mal einen Moment zu lange auf einem stummen, gelangweilten Bill Murray geblieben ist und der stille Minimalismus halt doch einer gewissen Langatmigkeit weicht.
Obwohl ‘Broken Flowers’ keinesfalls als unterkühlt zu bezeichnen ist, passt die ruhige Hommage an ‘Bill Murrays’ minimalistisches Spiel (warum hat das eigentlich nie jemand über Silvester Stallone oder Steven Seagal geschrieben, zumindest nicht als Kompliment?) zur herbstlichen Jahreszeit, ich glaube man nennt sie ‘Herbst’, wie die Faust aufs Auge. Gegen Ende wird der Film fast philosophisch und trotz eines an sich unbefriedigendem Ende lässt der Film ein gutes Gefühl zurück, was wiederum halt doch wieder geradewegs auf Bill Murrays Performance zurückzuführen ist.

Über die Qualität von ‘Broken Flowers’ lässt sich streiten, aber zumindest mir hat der Film gezeigt, dass es trotz aller anders lautenden Befürchtungen auch Streifen abseits des Mainstream – Kinos gibt, die auf ihre eigene Art und Weise überzeugen können. Und ist dies schlussendlich nicht das einzige, was uns das Kino in der heutigen sonst doch so lauten, unsteten und auf Kommerz ausgerichteten Welt überhaupt noch bieten kann? NEIN! Und der 14. Dezember wird es mit dem Start von ‘King Kong’ beweisen.

Archives | First published Nov 23, 2005

Elizabethtown

Rating: 3.5

ElizabethtownWie sagt man Orlando Bloom ohne ´O´?

Da schreibt man sich Tag für Tag um Kopf und Kragen, um ja kein Missverständnis aufkommen zu lassen, dass jedes Erzeugnis, das auch nur am Ansatz an diese zuckersüssen Ergüsse von Rosamunde Pilcher oder Barbara Cartland erinnert, mit absoluter Verachtung zu bestrafen sei, und dann findet sich man sich diese Woche gleich zwei Mal vor einem solchen diabetanischen Geschichtchen:
Zu Beginn der Woche lief ´Dogville´ im TV, Lars von Trier´s erster Teil seiner ´Amerika´-Trilogie und Vorgänger vom aktuellen ´Manderlay´ und im Kino Cameron Crowe´s ´Elizabethtown´ (oder wie ich immer wieder gerne an der Kinokasse zu stammeln pflege: ´Elithabeztown´ oder ´Elithabethtown´ oder eben ´Elithabeththownth´). Zugegebenermassen hinkt der Vergleich zwischen ´Dogville´ und einem Rosamunde Pilcher Roman und ziemlich sicher ist es auch falsch ´Elizabestown´ über die gleiche Kante wie die britische Kitschschleuder zu brechen.

Ich dachte nur, ´Town´ und ´Ville´, da lässt sich doch bestimmt eine Verbindung erzwingen, und falls es je einen Film namens ´Elizabeth´s Dog´ geben wird, werde ich der erste sein, der auch dazu wieder eine Verbindung konstruieren wird, und sei ´Elizabeth´s Dog´ auch John Carpenter´s nächster Thriller mit Tilda Swinton und Dwayne ´The Rock´ Johnson in ihren ersten Rollen als unglücklich verliebtes Stachelbeerstrauchpärchen. Ich bleibe dran.

´Elisathebtown´ auf jeden Fall enttäuschte mich nicht, obwohl ich aus dem Getuschel einiger Mitbesucherinnen in den hinteren Rängen erfahren musste, dass dies ja ein ´Frauenfilm mit Orlando´ sei. Selbst solche Seitenhiebe können den Ozean an Machismo eines Host mit journalistisch-/aufklärerischen Verpflichtungen natürlich nicht erschüttern, schliesslich war ich einzig und allein wegen dem verlässlichen Cameron Crowe in dem Film, der mich schon mit ´Jerry Maguire´, ´Almost Famous´ und ´Vanilla Sky´ zu begeistern wusste.

Bis zu einem gewissen Punkt konnte ich den ebenso feinen wie treffenden Humor, die durch und durch herrlich anzuschauenden Interpreten und ja, ich muss es bestätigen, den tollen Soundtrack geniessen.
Doch etwa nach drei Vierteln des Films wird mit einer steppenden und kalauernden Susan Sarandon ein Wendepunkt eingeläutet: Ich hatte das Gefühl, da sollte ein emotionaler Höhepunkt gesetzt werden, wo er nun mal überhaupt nicht hingehört, und die anschliessende endlose Montage von Drew Baylor´s (Bloom) Roadtrip durch den Südwesten der USA (keine Ahnung ob es wirklich der Südwesten ist, wahrscheinlich ist es eher der Südosten oder zumindest der Süd-Südwesten, aber ´Südwesten´ schreibt sich schneller auf der Tastatur, was zwar so auch nicht stimmt), untermalt mit 50 Jahren Rock´n´Roll Geschichte half auch nicht gerade, den Spannungsbogen der Geschichte wiederherzustellen. Da hat Cameron Crowe in Sachen musikalischer Untermalung wieder mal alles gegeben, aber irgendwie hatte mich der Film zuvor schon verloren.

Zum Ende hin legte sich die dramaturgische Verwirrung dann wieder, so dass es dann doch noch zu den Prädikaten ´Feel Good Movie der Woche´ und lustigster Film seit ´Dogville´ reicht.

Archives | First published Nov 10, 2005

Harry Potter and the Goblet of Fire

Rating: 4.5

Harry Potter and the Goblet of FireWalle! walle manche Strecke, dass, zum Zwecke, Wasser fliesse und mit reichem, vollem Schwalle zu dem Bade sich ergiesse.

Ob es eine gute Idee ist, zu bemerken, dass ich mich mit jeder Harry Potter Episode mehr und mehr an ´Star Wars´ erinnert fühle? An den Effekten und der Musik alleine kann´s nicht liegen. Schon eher daran, dass auch bei unserem Pottermenschen die Geschichte sich über mehrere Teile erstreckt und den Charakteren bei der Entwicklung zugesehen werden kann. Das gibt der Geschichte irgendwie etwas… ´Episches´ ist das Falsche Wort, aber ich lass es mal so stehen. Und um viel mehr als die Entstehungsgeschichte von ´Darth-Ich-bin-auch-ein-I.V.-Bezüger-Vader´ geht´s bei den Sternenkriegen ja auch nicht.

Auf jeden Fall kann ich, schon zum vierten Mal, gestehen, dass ich auch bei ´Harry Potter and the Goblet of Fire´ nicht enttäuscht wurde. Zwar habe ich noch immer keines der Potter Bücher von J.R.R. Rowling in den Händen gehalten (doch, gehalten eigentlich schon, aber noch nie in einem gelesen), bin aber ein treuer Besucher der Franchise geblieben. Irgendwie scheine ich einen Narren an den ebenso vorhersehbaren und strickmusterartigen und doch immer wieder interessanten Geschichten gefressen zu haben.

Ich gebe es ja nur ungern zu, aber wieder einmal trifft der Ton, mit dem der Streifen bis jetzt von den Medien kommentiert wurde, voll ins kleine Schwarze (Zeichnungen dieser Stilblüten bitte an host@nidwirkli.ch): Aus dem, vierten Teil ist mehr ein Thriller als ein Kinderfilm geworden. Nicht grade ´The Silence of the Lambs´, aber trotzdem spannend und zwischendurch gibts sogar was zu lachen.
Das schöne an dieser ganzen Sache ist, dass ich auch in Zukunft den Buchversionen von J.F.K. Rowling´s Zauberlehrling fernbleiben werde und darum wohl auch in den kommenden Abenteuern des Brillenträgers überrascht werden werden können tu.
Was gibt´s noch überflüssiges zu berichten? Die Geschichte fesselte mich, die Effekte von I.L.M. Rowling waren wie immer zweifellos vom Feinsten, was man halt so sieht, (Effekte halt, als ob die heute noch irgendjemanden interessieren) und die düstere Atmosphäre stimmte vollkommen.

Das beste in der aktuellsten Verfilmung eines Romans von C.S. Rowling ist allerdings die Besetzung. Nebst Daniel Radcliffe, Emma Watson und Rupert Grint, die ihre Arbeit erneut ebenso souverän wie sympathisch tun und an die man sich zurecht schon ziemlich gewöhnte, glänzen vor allem die vielen ebenso bekannten wie zurückhaltenden Nebendarsteller. Neben Alan Rickman, Michael Gambon und Gary Oldman, der sich noch einmal für einen Auftritt als Sirius Black erwärmen konnte (sagen wir es mal so: Die Rolle hätte er diesmal wohl auch übers Telefon spielen können) glänzen Brendan Gleeson (dessen Auge zwar irgendwie nervt) und allen voran Liam Neeson als die Stimme von J.K. Aslan… – shit, ich kriege es einfach nicht auf die Reihe, es ist aber auch nicht einfach, diese Weihnacht – ich meine Ralph Fiennes als Voldemort. Übrigens erfährt man, wieso der ´Englische Patient´ erneut sprichwörtlich keine Nase für gute Rollen hat. Avada Kedavra sag ich da nur.

Archives | First published Nov 9, 2005

Kiss Kiss, Bang Bang

Kiss Kiss, Bang BangThis isn´t good cop, bad cop. This is fag and New Yorker.

Hurra! Da hatten ja all die anderen Kritiken, die zu etwas angemessenerer Zeit als der Pflock, der sich Host nennt, ihre Lobhudeleien zu ´Kiss Kiss Bang Bang´ verbreiteten, tatsächlich den Nagel auf den Kopf getroffen: Zwar kann man über die Komödie von Shane Black (wie kommt man eigentlich an so einen coolen Namen?) nicht allzu viel schreiben, denn einerseits ist die Handlung einfach zu verflochten, andererseits würde man sonst zu viel über den Plot verraten. Und das ist auch gut so, denn so spare ich mir sehr viel Zeit für anderes unwichtiges. Und wie sagt schon das alte Sprichwort: ´Der Host ist einfach ein fauler Sack.´
Gesagt sei nur soviel: Obwohl ich nie ein besonders grosser Fan von Val Kilmer war, und Robert Downey Jr. je cleaner er ist, immer mehr wie ein Nachkomme von Silvester Stallone und Colin Farell aussieht, liefern sie einen der besten Buddy Movies seit ´Blix und Baradei´ ab (Den Film gab´s zwar nicht, häbte es aber gegeben sollen, das Namenspaar war schliesslich vor einer Weile in aller Munde).

Das herrliche Team-up Robert Downey Jr. und Val Kilmer braucht sich auf jeden Fall nicht hinter ihrem Vorgänger in Spe, Danny Glover und Mel Gibson in den ´Lethal Weapon´ Streifen zu verstecken. An halbherziges ´hey mich gibt´s auch noch Acting´ ist auch gar nicht zu denken, denn die Sprüche und Flüche kommen so locker und unbarmherzig daher, dass gar keine Zeit für solche Kinkerlitzchen bleibt. Zum Glück, denn in ´Kiss Kiss Bang Bang´ ist gespickt mit einigen der zweifellos gelungensten Gags dieses Kinojahres. Was man über ´Die Weisse Massai´ die im Kino nebenan lief, nicht behaupten kann, wenn ich die beanspruchten Gesichter des Pausenpublikums richtig deutete.

Vor allem gegen Ende des Films werden die Witze immer skuriler und damit aber auch besser. Da bekommt sogar ´The Lord of the Rings´ sein Fett weg.
Für alle, die eine (fast zu) durchdachte Story, derben Humor und dazu die comebackigsten Schauspieler seit langem geniessen wollen, sollten den Film auf jeden Fall nicht verpassen.