Stealth

StealthEin Mann und sein Flugzeug kämpfen gegen das Unrecht.

Ist es für eine Produktionsgesellschaft vertretbar, das die einzigen paar Szenen in diesem Actionkracher, die nicht in der Bluebox sondern tatsächlich an der fischen Luft entstanden sind und darum wohl Unsummen gekosten haben, einzig und allein dazu dienen, die Hauptdarstellerin Jessica Biel im Bikini zu zeigen? Der nidwirkli Qualitätssicherungsauschuss sagt dazu einstimmig: Jawohl! Hundertprozentig! Weiter so!
Eigentlich war der einzige Grund, warum ich mir ´Stealth´ überhaupt angetan habe, der, dass ich wieder mal einen richtig schönen Verriss schreiben wollte. Da dieser krude und ziemlich sinnfreie Mix aus ´Firefox´ (der von Clint Eastwood, nicht von Mozilla), ´2001 – A space Odyssey´ und allerlei anderen Versatzstücken aus Kriegs- Action und Abenteuerfilmen jedoch in einem gewissen Masse sehr wohl zu unterhalten weiss, spare ich mir die Energie und schreibe nur soviel: ´Stealth´ kann man sich getrost sparen. So sehr ich es Josh Lucas auch gönnen würde, in die Fussstapfen von Tom Cruise zu treten, wie es in den Medien so gerne berichtet wird, ich glaube nicht wirklich, dass ihm das mit ´Stealth´ gelingen wird. Und Jamie Foxx kann froh sein, dass er seinen Academy Award schon hat, denn so wirklich glänzen kann auch er in ´Stealth´ nicht.
Der Grund, warum der Film allen Schwächen zum trotz wohl doch unterhalten kann, ist wohl das Tempo des Filmes und die irgendwie sehenswerten Effekte, die zwar nicht ausserordentlich gut sind, aber wenigstens passen.
Obwohl die Truppe um Josh Lucas politisch korrekt Warlords und Terroristen und nicht kalte Krieger jagd, erinnert der Film doch irgendwie an die x-beliebigen Actionstreifen mit Michael Dudikoff oder Biehn aus den 80ern. Mein Verdikt darum: Im Kino meiden, und warten, bis der Film dort läuft, wo er hingehört: In´s Freitagnacht Spätprogramm eines deutschen Privatsenders… Sprechende Flugzeuge, also wirklich.

Cinderella Man

Cinderella ManSee you later Gladiator

Warum eigentlich wirken auf mich gute Sportfilme meist viel emotionaler als die nächstbeste Liebeskomödie mit Meg Ryan oder Richard Gere? An meinem Y Chromosom, von dem man sagt, dass es alle Männer zu sonntäglichen, biersaufenden Couchpotatoes macht, alleine kanns nicht liegen, denn mal von Sportfilmen abgesehen, interessiere ich mich prinzipiell nicht für Sport, zumindest nicht, wenn andere ihn ausüben. Es braucht normalerweise schon einen Torwart, der es gleich zweimal hintereinander auf die Blick-Titelseite schafft, bis auch ich mich ganz langsam für die Niederungen des Sportjournalismus zu interessieren beginne.
Aber sein wir ehrlich, die meisten Sportfilme weisen ja im Grunde dasselbe dramaturgische Muster auf: Einführung, Aufstieg, Fall, Endkampf, und der Triumph oder die heroische Niederlage zum Schluss. Dazu ein feiner Soundtrack und man kann eigentlich nichts falsch machen. Ob Baseball, Football, Eishockey oder eben Boxen. Perlen wie ´Rocky´, ´Jerry Maguire´ oder ´Any Given Sunday´ drücken da meist pathetisch aber gehörig auf die Tränendrüse. Sogar mittelmässige Filme wie ´Mighty Ducks´ oder ´Mystery Alaska´ vermögen einen irgendwie zu berühren, zwar meist nicht durch den sportlichen Inhalt, sondern durch Themen wie Freundschaft, Ehre, Rache, Stehvermögen, Vertrauen, usw.

Etwas weniger bärtig als in ´Mystery Alaska´ versucht nun Russel Crowe erneut, unsere Herzen mit einer Geschichte über Liebe, Hoffnung, Niederlage und Sieg zu erwärmen. Herausgekommen ist dabei ein extrem behäbiger Boxfilm, der in Sachen Gemächlichkeit und Lethargie den Vergleich mit ´Million Dollar Baby´ nicht zu scheuen braucht. Ich weiss, ich weiss, es ist wahrscheinlich nicht ganz korrekt, den Film als Boxfilm zu bezeichnen, und nur gegen Ende des Filmes entspricht ´Cinderella Man´ meiner oben genannten Definition eines Sportfilms. Der Film schlägt eher erneut in die Bresche des gleichsam spannenden und rührenden Biopic, die Ron Howard und Russel Crowe mit ´A Beautiful Mind´ geschlagen haben. Nur leider erreicht ´Cinderella Man´ zu keiner Zeit die Qualität seines Vorgängers in spe. Vielleicht wirkt der Hintergrund der grossen Depression in Amerika doch etwas zu kühl, oder die Geschichte um den Untergang und Aufstieg von James Braddock gibt zu wenig her. Umso mehr darum, da seine Bedeutung als ´Held der Arbeit´, der den Menschen während einer schwierigen Zeit Hoffnung gegeben hat, leider nur marginal behandelt wird. Da wirkte der durch den Central Park joggende Rocky Balboa, der die Massen hinter sich versammelte um einiges überzeugender.

Einige schön fotografierte Bilder und ein zugegeben gelungener Endkampf sind die Highlights des Films, doch bei über zwei Stunden Filmlänge ist das doch etwas zu wenig. Mein heimlicher Star des Films ist übrigens der böse Zwillingsbruder von Clive Owen, Craig Bierko, der die wohl sehenswerteste Nemesis gibt seit Daniel Day-Lewis als Bill The Butcher.

Crash

CrashDer Host mal ganz still und bedächtig…

Nach all den Zombies in ´Land of the Dead´ kamen mir der Facettenreiche ´Crash´ von Paul Haggis gerade recht. Sonst dem Kawumm- und Holzhammer- Action Kino nicht gerade abgeneigt, muss ich zugeben, ´Crash´ mich im Innersten berührte. Ohne moralinsauer zu werden oder es während zwei Stunden übermässig menscheln zu lassen, bietet der Film spannende, man könnte auch sagen angespannte Unterhaltung, interessante Story und grandiose Schauspieler, die gerade durch ihr relativ zurückhaltendes und schnörkelloses Spiel auf der ganzen Linie überzeugen. Schön, auch Sandra Bullock mal in einer ernsthaften Rolle zu sehen. Doch, doch, die Frau kann mehr als Busse zu Schrott fahren und Schönheitswettbewerbe zu gewinnen. Auch Brendan Fraser überraschte mich mit einer ungewohnt ernsten Performance. Don Cheadle, Matt Dillon und der Rest der sorgfältig ausgelesenen Truppe überraschten zwar weniger, boten aber ein nicht minder überzeugendes Spiel.

An dieser Stelle soll noch einmal betont werden, wie grandios es der Film schafft, seine Motive zu Vorurteil, Entscheidung, Hass, Neid, Moral und Menschlichkeit klar zu zeigen und darzustellen, ohne je mit dem Vorschlaghammer bestehende Klischees und Stereotypen in das pulsierende Setting von Los Angeles hämmern zu wollen.

Die Stadt der Engel scheint sich im Übrigen einfach unvergleichbar gut als Kulisse für Menschen und Ihre Schicksale zu eignen. ´Grand Canyon´, ´City of Angels´, ´Heat´, ´Collateral´ und nun eben ´Crash´. Die heiss-feuchte, angespannte, nur einen Funken vor der Entzündung stehende Atmosphäre schafft einen Hintergrund, vor dem die richtigen Schauspieler, zusammen mit dem passenden Score (ebenfalls grandios in ´Crash´) eine an Intensität kaum zu überbietendes Ganzes schaffen. Die aus ´Magnolia´ oder ´Short Cuts´ bekannte, Patchwork-artige Erzählstruktur verstärkt dabei das Erlebnis zusätzlich und hält die Dynamik des Films intakt, ohne den Spannungsbogen der Handlung zu beeinträchtigen.

´Crash´ – Endlich mal eine hundertprozentig positive Überraschung, welche die Vorschusslorbeeren in den Kritiken tatsächlich verdient und nicht verpasst werden sollte.

Land of the Dead

Land of the DeadGute Zombies, schlechte Zombies

Hier noch eine unbedeutende Kritik zu einem noch unbedeutenderem Film: Land of the Dead. Eigentlich ist es ja mehr eine Warnung als ein Review: ´Land of the Dead´ ist langweilig. Horrorfilme sind ja an sich nicht gerade mein Spezialgebiet, und bis auf einige Klassiker wie Freddy Krueger und Hellraiser kenn ich das Genre nicht allzu gut. So weit ich allerdings weiss, sollten Horrorfilme doch erstens mit Schockeffekten erschrecken und mit gelungenen Gags die Stimmung wieder aufheitern. Was in ´Dawn of the Dead´, dem 2004 Remake eines anderen George A. Romero Filmes so beispielhaft funktionierte (Ich sag nur Fahrstuhlmusik), fehlt in ´Land of the Dead´ leider gänzlich. Ausser unzähligen Kopfschüssen und einzelnen netten Ideen, wie man die Toten auf möglichst blutige Weise noch toter machen kann, hat der Film nix, aber auch gar nix zu bieten. Höchstens vielleicht einen ziemlich gelangweilten Dennis Hopper, der für Geld wirklich alles zu filmen scheint. (Irgendwie auch gar nicht so unsympathisch, da sieht man mal, dass Schauspielerei halt auch nur ein Job ist.) Nicht mal lustig ist der Film, und der offensichtliche sozialkritisch-marxistischen Subtext wirkt doch eher unbeholfen und belanglos.

Ich merk gerade, dass ich damals ´Freddy vs. Jason´ ebenfalls für fertigen Mist gehalten habe und frage mich, ob ich einfach zu wenig Fan des Genres bin und die ´…of the Dead´ Reihe von Romero nicht kenne. Für mich sind Horrorfilme die Streifen, die ich als Kind kaum zu schauen getraute, mich mitten in der Nacht in der stockdunklen Stube dann aber doch nicht davon losreissen konnte, als Synthesizer Musik den Auftritt des bösen Mannes ankündigte und irgendwelche Teenager durch Häuser gejagt wurden. In den Achtzigern kam das irgendwie einfach besser. Vielleicht bin ich inzwischen aber einfach nur zu abgebrüht oder ich verstehe das Konzept, wie man einen Zombie nochmals töten kann oder muss, einfach nicht. Hab mich grade in einem Forum informiert: Zombies muss man den Kopf abrupfen oder ähnliches, um sie unschädlich zu machen. Jetzt macht das ganze natürlich gleich viel mehr Sinn…