Sin City

Sin City…sometimes it means killing a whole lot of people.

Das wärs also gewesen. Der letzte Hoffnungsträger eines Hits für diesen Sommer: ´Sin City´. Und, wird die Comicverfilmung von Frank Miller und Robert Rodriguez seinen Vorschusslorbeeren gerecht? Kurz: Ja. Zwar vermag der Streifen in Sachen Unterhaltung und Rhythmus ´The Island´ nicht ganz das Wasser reichen, ein Schmuckstück sondergleichen ist ´Sin City´ trotzdem und das auf ganzer Linie. Eine konsequentere Comicverfilmung ist wohl kaum möglich als die meist in schwarz-weiss gehaltenen Bilder mit einzelnen Farbtupfern die tatsächlich enorm an den Comicstil erinnern. (Zumindest an das, was ich von Frank Miller´s Vorlage kenne, was nicht allzu viel ist.)

Ein ganzes Rudel an Top-Schauspielern, allen voran Mickey Rourke, der, glaubt man den Interviews sehr viel seiner eigenen Person in den Charakter des Rüpels Marv gibt, und natürlich Bruce Willis als Cop Hartigan. Und nicht zu vergessen, Jessica Alba, ein herrlich ungewohnter Elija Wood, ein kaum zu erkennender Benicio del Toro, der unvergleichliche Clive Owen, Michael Madsen mal wieder in einer anderen als seiner gewohnten Rolle als Killer und viele andere, nicht zu vergessen Jessica Alba.

Dieses ziemlich deftige, ebenso spannende wie intensive Stück man kann fast sagen Experimentalkino sollte man nicht verpassen. Die ganze Geschichte lebt zwar nur von Klisches, bekannten Mustern und archetypischen Charaktern, ist aber so gekonnt, stylish und konsequent umgesetzt, dass es einfach eine Freude ist, diesen Comic, der als Film Noir auf Extasy zum Leben erweckten Comic in seiner ganzen Intensität zu erleben. Und nicht zu vergessen: Jessica Alba ist auch mit von der Partie!

Charlie and the Chocolate Factory

Charlie and the Chocolate FactoryFür die einen ist es ein Oompa Loompa, für die anderen der kürzeste Hobbit der Welt…

Die Oompa Loompas, die kleinen, exotischen Arbeiter in Willy Wonka´s Schokoladenfabrik werden die Gemüter der Zuschauer wohl spalten. Diese kleinen widerlichen Kreaturen hätten wie zuvor nur Jar Jar Binks das Potential, das Publikum zu teilen in Leute, die sie unwiderstehlich süss finden, und solche, die es unwiderstehlich finden würden, diesen kleinen Säcken ihr dämliches Grinsen so lange aus der Fresse zu trampeln, bis ihnen dieses nervige, ewige Gesinge vergeht. Ich selber werde in dieser Sache natürlich keine Stellung beziehen, schliesslich soll sich der mündige Kinobesucher selbst ein Bild machen können, ohne schon vorbelastet in den Film zu gehen.

Vor Tim Burton´s Version der Umsetzung von ´Charlie and the Chocolate Factory´ wurden nebst der ersten Verfilmung der Schokoladenfabrik (1971, mit Gene Wilder) schon einige weitere Bücher des bekannten britischen Kinderbuchautors Roald Dahl verfilmt: ´James and the Giant Peach´, der irgendwie schon wie ein Klon von Burton´s ´The Nightmare before Christmas´ daherkam oder ´Matilda´. Übrigens hat er das Drehbuch zum James Bond Streifen ´You only Live Twice´ geschrieben. Weitere nicht ganz so exklusive Recherchen haben Informationen an den Tag gebracht, die mich nicht minder erstaunten: Denn ebenso wie für ´You only Live Twice´ hat Dahl auch das Screenplay zum Kinderfilm über ein wunderliches, fliegendes Auto, ´Chitty Chitty Bang Bang´ verfasst. Das bemerkenswerte dabei ist, dass er dies wiederum zusammen mit Ian Fleming getan hat. Ja, mit DEM Ian Fleming, der auch die Bond Romane verfasst hat. Und um das ganze noch zu toppen, wurde ´Chitty Chitty Bang Bang´ von Albert R. Broccoli produziert, dem Produzenten, der die meisten James Bond Abenteuer produziert hat. Macht irgendwie auch Sinn, denn wenn man´s recht bedenkt, könnte ´Chitty Chitty Bang Bang´ auch der Name eines Bond Girls sein. Womit wir wieder alles in kleine Schächtelchen verpackt hätten…

So, mal auf meinem Ticket nachschauen, für welchen Film ich denn überhaupt eine Kritik schreiben wollte,… ach ja, ´Charlie and the Chocolate Factory´.
Nach dem trotz Ewan McGregor irgendwie enttäuschenden ´Big Fish´ scheint Tim Burton zu Beginn des Films die Kurve voll und ganz erwischt zu haben. Leider kann er die Qualität wie so oft nicht bis zum Schluss halten. Das Märchen beginnt, wie gewohnt, märchenhaft und mit düsterem Unterton und führt die Charaktere sorgfältig und liebevoll ein, eingebettet in eine sehr schönes Production Design, untermalt mit Burton´s Haus-Musik von Danny Elfman. Der Zuschauer merkt ziemlich schnell, dass es sich bei der Story über eine typische moralische Geschichte handelt, ähnlich wie die Bücher von Dr. Suess, Alois Carigiet oder Wilhelm Bush. Tim Burton setzt das ganze glücklicherweise mit seiner unvergleichlichen Handschrift um und der herrliche ´Johnny Depp´ sorgt zusammen mit den restlichen, sehr überzeugenden Darstellern dafür, dass die Pferde dabei nicht ganz mit Burton durchgehen. Leider übertreibt es Burton meines Erachtens auch dieses Mal trotzdem ein ganz klein wenig. Die Fabrik war mir etwas zu klebrig, die Farben etwas zu grell, die Songs zu süss… und irgendwie kam der Rest des Films nicht ganz mit. Nur um mich nicht falsch zu verstehen: Niemals möchte ich etwas gegen den einzigartigen Stil Burton´s sagen, aber seine Trefferquote beim Publikum (und damit meine ich primär mich, mich, mich) ist mit ´Batman´, ´Mars Attacks´ oder ´Sleepy Hollow´ leider einfach zu tief, da mich seine meisten Filme eben nicht auf der ganzen Linie überzeugen können, und sei es nur um Haaresbreite. Aber das ist nun mal mein Problem.

Weiterempfehlen kann ich ´Charlie and the Chocolate Factory´ auf jeden Fall jedem, und ich werde wohl nicht der Letzte sein, der von diesem Streifen Film mit unzähligen Ideen und einigen mehr als netten Einfällen positiv überrascht gewesen sein wird. (Hurra, Premiere: Ich glaube soeben habe ich das erste Mal auf meiner Website bewusst Futur 2 eingesetzt.)

The Island

The IslandJetzt mit noch mehr Ewan! Hurrraaa!

Niemand hat wohl das Hollywood-Kaboom-Action-Kino der 80 und 90 Jahre so wegweisend beeinflusst wie das explosive Produzentenduo Jerry Bruckheimer und Don Simpson. Knaller wie ´Beverly Hills Cop´, ´The Rock´, ´Top Gun´, ´Days of Thunder´, ´Bad Boys´ oder ´Crimson Tide´ entstanden unter den Fuchteln dieser zwei furiosen Actionvirtuosen. Über Anspruch moralischen Wert dieser Knaller lässt sich streiten (aber bitte nicht mit mir), der Einfluss der unverkennbaren Bildsprache und -Dynamik ist jedoch bis heute in Kino, Werbung und Videospielen wieder zu finden. Kein Wunder, wählten die beiden doch des Öfteren erfahrene Werbefilmer als Regisseure ihres Vertrauens. So auch Michael Bay, der für einige der wohl besten und spektakulärsten Streifen der Bay/Bruckheimer Universums verantwortlich ist (´The Rock´, ´Armageddon´, ´Bad Boys I + II´, ´Pearl Harbor´). Unter seiner Federführung wurde immer wieder ein funktionierendes Gleichgewicht aus Action, Pathos, Musik, F/X, Score, Schwindel-erregenden Schnitten und Kamerafahrten und ebenso soliden wie süffigem schauspielerischem Tuns gefunden, was die meist doch eher seichten Themen und Geschichten erst zum üppigen Entertainment-Genuss machte und so vermögen diese Kracher bis heute zu fesseln und zu unterhalten.

Als Don Simpson 1996 nach ´The Rock´ endgültig Schnee von gestern geworden war, die Filme von Bruckheimer jedoch nichts an Dynamik, Virtuosität und vor allem Action einbüssten, war man schnell versucht, den Geschichten zu glauben, dass das ´Work´ im Teamwork von Bruckheimer und Simpson wohl doch eher Bruckheimer zuzuschreiben war als dem als hedonistisch geltenden Don Simpson. Die Bruckheimer Filme der ´neuen´ Generation schienen im Gegenteil noch an Drive und an Geschwindigkeit gewonnen zu haben. Dramaturgisch leistet sich der Meister zwar immer wieder den einen oder anderen Patzer und nicht selten enttäuschen die ganz gross angekündigten Knüller, man denke nur an ´Gone in 60 Seconds´, oder die unsäglichen ´King Arthur´ und ´National Treasure´ (Dessen Fortsetzung auch immer mehr Gestalt annimmt, warum auch immer).

Nun lässt ´The Island´ das kreative Verhältnis von Bruckheimer und Bay in etwas neuem Licht erscheinen. Mit diesem Sci-Fi Thriller kann Michael Bay endlich beweisen, was er ohne seinen ´Patenonkel´ Bruckheimer hinkriegt. Das Resultat beeindruckt abgesehen von einigen wenigen Längen voll und ganz. ´The Island´ ist ein Actionkracher, den ich bis anhin als typischen Bruckheimer Film bezeichnet hätte; das ganze Programm samt Steve Buscemi, tollem Soundtrack, Effekten, schönen Bilder, Zeitlupen und dynamischen Kamerafahrten… nur eben ohne Bruckheimer.
Sollte ich bis anhin die Lorbeeren fälschlicherweise dem Produzenten anstelle des Regisseurs Bay zugeschrieben haben, oder hatte Bruckheimer einen solch immensen Einfluss auf Bay, dass die Unterschiede zu dessen Filmen in Stil und Tempo nur marginal erscheinen? Es wird sich zeigen, ob Bay auch unter Dreamworks und Spielberg als Executive Producer so konstant Unterhaltung in bester Qualität abliefern kann (´Transformers´). Ich hoffe es, denn ´The Island´ stellt sich der bis jetzt beste Popcornmovie dieses Kinosommers vor und lässt Hoffnungsträger wie ´War of the Worlds´ und ´Fantastic Four´ hinter sich.
Bay´s ´Erstling´ kommt auf der ganzen Linie gelungen daher. Handwerklich wie immer top, setzt der Meister mit dem feinen Gespür fürs Grobe wie so oft auf alte Bekannte wie Steve Buscemi (Peter Stormare konnte wohl grade nicht), Shawnee Smith oder Michael Clark Duncan sowie den unvergleichlichen Ewan McGregor, den man gar nicht genug lobhudeln kann und die ebenso wunderbare Scarlett Johansson, von der sich noch viele Kolleginnen eine Scheibe abschneiden könnten. Ewan McGregor singt zwar leider nicht, dafür kommt er gleich doppelt vor, und einer ist besser als der andere; der Mann scheint einfach Spass an seinem Job zu haben,… einfach herrlich. Ein routinierter Sean Bean, der überzeugende Djimon Hounsou und ein mehr als gelungener Score (bei dem wiederum der Einfluss von Hans Zimmer unüberhörbar ist) und zudem das frechste und zudem cleverste Product Placement seit langem vervollständigen das Ganze und machen ´The Island´ zu DEM Kinospass des Sommers.

Zwar habe ich irgendwie das Gefühl, dass man ´The Island´ zu unrecht so schnell wieder vergessen haben wird wie die kritischen Ansätze zur Stammzellenforschung, die am Rande von ´The Island´ gemacht werden, der Streifen ist und bleibt jedoch ein Leckerbissen für alle Fans des Popcorn Kinos und sei allen Anhänger der ganzen Dogmafilmerei ans Herz gelegt, denn hier erlebt man einmal mehr, wie ein Film auszusehen hat, und dass man fürs gleiche Geld auch mehr kriegen kann als eine vermieste Stimmung und verwackelte Bilder.